Rund um Russland in den ehemaligen Sowjetrepubliken kehrt die Instabilität ein. Moskau verhält sich äußerst defensiv, auch wenn die russische Bevölkerung dort bedrängt wird. Vom Baltikum über die Ukraine bis hin nach Zentralasien zieht es sich. Doch Russland ist nicht die USA und kommt nur, wenn es gerufen wird.

Von Julia Braschnikowa, Übersetzung: Thomas Roth
 
Die Kämpfe in Nagorny Karabach – sind Spucke ins Gesicht der russischen Diplomatie. Dieser Text wurde von Julia Braschnikowa geschrieben, sie arbeitet als Konzertmeisterin bei den Symphonikern von Astana und ist Lehrerin von hochbegabten jungen Geigern.

Sotschi, im August 2014. Ich erinnere mich gut an die unzufriedene und aufgedunsene Physiognomie Alijews. Schon zu dem Zeitpunkt war klar, dass die Sache kaum ungezwungen zu Ende gehen wird. Die einzige Hoffnung bestand darin, dass die verfeindeten Seiten eine unsanfte Landung am Runden Tisch vollführen, dessen Vorsitz von Wladimir Putin es ermöglichen wird, irgendwie Zeit zu gewinnen, um dann den Konflikt an diesem Tisch zu entscheiden. Und es wäre wünschenswert das abschließend zu tun. Aber die Hoffnung ist gestern mit dem letzten Moment der relativen Stille im unglücklichen Karabach gestorben.

Armenien ist ein Mitglied des Euroasiatischen Bündnisses und der Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit (OVKS). Aserbaidschan gehört zu den Kaspischen Fünf. Übrigens ist es aus der OVKS ausgetreten. Wahrscheinlich, damit es im speziellen Fall die Hände frei hat. Es scheint, jener Fall ist jetzt gekommen. Außerdem müssen wir uns daran erinnern, dass Armenien gerade wegen des nicht erledigten Karabach-Konfliktes nicht in der Euroasiatischen Wirtschaftsunion aufgenommen wurde. Aufgabe des Bündnisses (OVKS) ist die Gewährleistung der Sicherheit, Souveränität und territorialen Integrität der Mitgliedstaaten. Dies soll vornehmlich durch eine enge Zusammenarbeit in der Außenpolitik, in militärischen Angelegenheiten, in der Erforschung neuer militärischer Technologien sowie in der Bekämpfung grenzübergreifender Bedrohungen durch Terroristen und Extremisten erreicht werden. Ob die OVKS jetzt diesen Schutz verwirklichen wird? Vorerst redet man von über 18 umgekommenen armenischen Militärs…

In selben Jahr 2014 haben sich die "Kaspischen Fünf" über die Nichtzulassung in der Region von fremden Streitkräften abgesprochen. Was denken Sie, wenn man gründlich in Karabach suchen würde, wen würde man dort finden? Auf dem Donbass hat man sogar Schwarze (Afroamerikaner) gefunden…

Wer hat eigentlich allen Ernstes angenommen, dass die NATO im Osten Europas wirklich angreifen würde? Was für eine naive Annahme! In Osteuropa hat man gar keinen Platz, um anzugreifen. Außerdem sind dort alle mit Amerika beschäftigt. Es ist einfach ein diplomatisches, viel mehr, ein informatives Scheinmanöver. Wir werden dort rumtoben, aber wir werden es hier machen. Nicht im Osten, wo alle auf uns aufpassen werden, sondern im Süden. Wo sich Putin mit Alijew und Sargsjan in eigener Person (!) vereinbart hat. Nach Putin hat sich Erdogan mit Alijew abgesprochen. Er fühlte wohl den neuen Genossen.

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Der militärische Konflikt in Karabach kann zum Zusammenstoß von OVKS und NATO führen… was sich auf der Krim nicht ergab und auf dem Donbass auch nicht. Aber nach demselben Schema werden sie es in Karabach erneut probieren. Russland soll von ihnen gezwungen werden, um jeden Preis zu kämpfen.

Wenn an den Amerikanern überhaupt etwas gut ist, dann ist es ihre  Vorhersagbarkeit. Der Praktizismus des Kapitalisten geht bis zum Höhlenprimitivismus. Hat man das Drehbuch einmal ausprobiert, dann wird man auf seiner Grundlage immer wieder blutige Dramen auslösen:

1) der Versuch einer Revolution in Kischinjow. Der normale Mensch wird niemals verstehen können, wodurch sich die mit der Regierung unzufriedenen von denen unterscheiden, die sie unterstützen;

2) die Aufregung im Süden Kasachstans. Die Gründe und die Details werden fleißig verschwiegen, aber der provozierende Stil der Zusammenstöße (der Tod eines Kindes) auf nationaler Ebene erzeugt viele Zweifel an ihrem zufälligen Charakter;

3) der neue Beschuss auf dem Donbass;

4) der Konflikt im Ferghanatal (Das Ferghanatal – 22.000 qkm – ist eine dichtbesiedelte Senke zwischen dem Tianshan und dem Alaigebirge in Zentralasien. Das Tal wird vom Fluss Syrdarja in westlicher Richtung durchflossen.) Wer weiß denn nicht, dass es ein strittiges Territorium an der Grenze zwischen Kirgisien, Usbekistan und Tadschikistan ist. Dort gibt es einen Haufen von Enklaven, die nur in der UdSSR friedlich koexistieren konnten. Dieses Mal hat die usbekische Seite die Grenze verletzt. Übrigens, Usbekistan ist auch aus der OSZE ausgetreten.

Und wer würde jetzt noch bezweifeln, dass der folgende Docht unter Karabach verlegt wurde!

Es ist auch zu sehen, dass der naive Spießbürger meint, Nagorny Karabach sei eine Sache Armeniens und Aserbaidschans. Dieser Spießbürger dachte aber auch, dass der Krieg auf dem Donbass eine Sache der Ukraine ist, bis Millionen Flüchtlinge nach Russland losgerannt sind. Bis heute wird Putin immer noch beschuldigt, er hätte die Zusammenstöße initiiert.

Erstens wird der Kampf in Nagorny Karabach ein Schlupfloch für alle die öffnen, die bisher durch den eingefrorenen Konflikt aufgehalten wurden. Die können jetzt bei dem herrschenden Chaos in die Russische Föderation illegal einreisen.
Zweitens ist es ein diplomatischer Misserfolg Russlands. Zur Regelung des Problems wurde eine Menge unternommen. Aserbaidschan galt keinesfalls als Feind und hat doch das mit Russland befreundete Armenien angegriffen. Wenigstens wollen es uns "die Partner" so darstellen. In Wirklichkeit war es dort sicher wie auf dem Maidan, wo die geschickten Kosakinnen auf beide Seiten schossen, um sie gegeneinander aufzubringen.
Drittens erhöht sich die Gefahr einer weiteren Flüchtlingsbewegung. Bei denen, wie auch bei denen in Europa, weiß schließlich niemand, was dabei rauskommt.
Viertens, es ist eine Ohrfeige für die Aufklärung. Nach dem Maidan wieder (WIEDER!) fremde Scharfschützen an den Grenzen und wieder kamen sie nicht rechtzeitig und verpassten es, sie zu liquidieren.
Fünftens besteht das wirklich hohe Risiko der Verwicklung der Russischen Föderation in den Kampf.

Man kann es betrachten wie man möchte – es ist insgesamt und unter allen Aspekten schlecht. Und die unglücklichen Menschen, die dort leben und wieder einmal zur Geisel von jemandes Gemeinheit wurden, verwickelt in jemandes Dummheit, die wurden – wie immer – überhaupt von allen vergessen.

Aber eins ist doch klar wie Kloßbrühe, klar wie ein Gottestag! Wenn Russland nicht imstande ist, den folgenden Schlag in den Rücken vorauszuahnen, dann bedeutet das, es wird wieder und wieder geschlagen.

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5 thoughts on “Ihr Brüder!!! Auf wen schießt ihr denn da???”

  1. Doch Russland ist nicht die USA und kommt nur, wenn es gerufen wird.

    Bevor die USA gerufen werden um Beistand zu leisten, waren sie meist schon vorher da mit sogenannten Beratern. Das auffallende Missverhältnis von Militärbasen auf dieser Karte kam nicht zufällig zustande. Es ist auch das Ergebnis einer langen, tödlichen Vorarbeit, die die Weltherrschaft mit der Neuen Weltordnung zum Ziel hat.

     

     

  2. Das Schicksal Russland ist seine Größe, die es als strategische Tiefe manchmal einetzen muss um den Feind zu bezwingen. Das kann mitunter zum freiwilligen abfackeln Moskaus führen. Bezwingbar aber ist das russische Volk nicht, denn die angelsachsen werden vom Neid und der Gier getrieben, welche den Geist und die Brüderichkeit der Russen nicht bezwingen können.

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