Die EU kauft Milch und Butter um einerseits den Milchbauern unter die Arme zu greifen und andererseits bei der Ernährung syrischer Kinder zu helfen. Portugals Landwirtschaftsminister kündigte die Freigabe von EU-Geldern an, um die Milchbauern aus jenem Kuhmist zu ziehen, in den sie von der EU erst hineingestoßen wurden.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Die EU hat beschlossen, eine Milliarde Liter Milch und 50.000 Tonnen Butter von in Not geratenen Milchproduzenten in Europa aufzukaufen. Seit langem weisen die Milchbauern in den meisten EU-Staaten auf ihre prekäre Lage hin. Mit diversen Protestaktionen demonstrierten sie gegen den allgemeinen Preisverfall und den Druck des Großhandels, der nicht nur Milch und Milchprodukte aus Nicht-EU-Staaten importiert, sondern auch noch die Bauern der einzelnen Mitgliedstaaten der EU gegeneinander ausspielt. Die „freie Marktwirtschaft“ hat hier wieder einmal bewiesen, dass sie nicht funktioniert. Man kann nur fairen Handel erwarten, wenn der Lebensstandard auf ein und der selben Ebene ist.

Die EU hat aber ein großes Gefälle zwischen den verschiedenen Mitgliedsländern, betreibt Handel mit Staaten, die in direkter Konkurrenz zur heimischen Produktion stehen und die um einiges günstiger produzieren können, da sie Tierschutz, Umweltauflagen, Arbeitnehmer- und Verbraucherrechte ignorieren. Nicht zu vergessen, dass der Überschuss, der durch das Russlandembargo entstand, die Preise ebenfalls drückt. Da einzelne EU-Staaten nicht subventionieren dürfen, übernimmt die Union diese Aufgabe jetzt indirekt. Es hat lange gedauert, bis die Eurokraten endlich reagiert haben. Der portugiesische Landwirtschaftsminister Capoula Santos, kündigte jetzt an, was die Eurokraten vorbereitet haben.

„Ich denke, wir können ab nächste Woche die Anträge der ersten 1.000 Projekte in Angriff nehmen, die eine Investition von 263 Millionen Euro repräsentieren. (…) Die Europäische Union wird eine Milliarde Liter Milch und 50.000 Tonnen Butter aufkaufen, um so den Überschuss vom Markt zu nehmen. Außerdem wird die Union für weitere 30 Millionen Euro Milch bei den Produzenten Europas kaufen um damit humanitäre Hilfe für Syriens Kinder zu leisten“, so Capoula Santos im TV-Interview. Doch ist es das, was die Milchbauern wollten? Sind sie jetzt zufrieden? Nein!

Diese Hilfe, besser spät als nie, wird sicher willkommen sein, doch es ist nicht das, was die Milchbauern – und auch die Schweinezüchter – von der EU gefordert haben und was sie langfristig brauchen. Sie fordern eine klare Aufteilung der Produktion in Quoten, die einen Mindestpreis festlegen, der klar über den Produktionskosten liegt. Diese sind derzeit auf den Azoren bei 24 oder 25 Eurocent pro Liter Milch während der Großhandel nur 20 Eurocent bezahlen will. 60 Prozent der Milchproduzenten auf den Azoren sind so gut wie Pleite.

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Der Grund, der neben der Abschaffung der Quoten durch die EU, für den Preisverfall verantwortlich ist, hat auch andere Sektoren der europäischen Wirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen: Das Embargo gegen Russland. Aus politischen Gründen – also um die Interessen der westlichen (US)-Wirtschaft zu wahren und – durch Russlands verständliche Reaktion – dem Embargo westlicher Waren. Ein Schnellschuss also, der langfristig gar nichts löst.

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6 thoughts on “Glückliche Kühe! Satte Kinder! Zufriedene Bauern? Der übliche EU-Mist!”

  1. EU, Vereinigung glücklicher Banker, Politiker und Konzernchefs. Sie war nie angedacht als Hort glücklicher Menschen. Die sind als Arbeitssklaven obengenannter, sich glücklich schätzender Schmarotzer vorgesehen. Man spricht immer von Sozialschmarotzer, die wirklichen Schmarotzer sind jene, die das System im großen Stile ausrauben. Die sich des Systems bedienen, ohne einen Antrag ausfüllen zu müssen, um ein paar Almosen zu erhalten. Sie stehen dem System vor, daß sich  wie ein Staubsauger das harterarbeitete Eigentum der Menschen einverleibt. Wozu noch zu sagen ist, daß selbst das sauer verdiente Geld der Normalbürger niemals den realen Gegenwert ihrer Arbeit spiegelt. Es ist eine pekunäre Beleidigung und Verachtung der Arbeitskraft der Menschen in der EU, verglichen mit dem Salaire, mit dem sich die Handlanger in Brüssel zufrieden geben!

  2. Man sagt Landwirten immer nach, stets meckern zu müssen.

    Ich empfinde die Situation in der Landwirtschaft als so schwiegrig wie nie zuvor seit dem Krieg. Schweinefleisch, Milchpreise und Getreidepreise vollkommen am Boden.Hohe Energiepreise und Auflagen. Verteuerung der Saatgutpreise durch Megamonoplisierung KOnzernpolitisch gewollt. Pachtpreise durch Biogasanlagen noch viel zu hoch und enorme finanzielle Verpflichtungen durch Kredite. Umfangreiche Reportingpflichten, die kaum noch zu meistern sind.

    Und dazu eine Wirtschaftsweise mit extrem Gülle, Dauermaisanbau die bodenzerstörerischer kaum sein kann. Windkraft und Solar werden viele Betriebe nicht retten können.

    Bemerkenswert Grün hilft nicht, es schadet sogar noch mehr, weil noch mehr Auflagen.

  3. Also das mit dem unterschiedlichen Niveau der EU-Länder ist kein Problem. Deutschland wird ja gerade auf das der Südländer runter gepresst. Dann haben wir in der EU wieder einen gemeinsamen niedrigen Level…dauert nur noch ein bisserl.

  4. Die Europäische Union wird eine Milliarde Liter Milch und 50.000 Tonnen Butter aufkaufen, um so den Überschuss vom Markt zu nehmen.

    Na dann brauchen wir ja jetzt nur noch 500 000 Pkw aufkaufen und verschrotten und die Sache läuft wieder rund. *lol*

    Wenn hier die Marktwirtschaft nicht mehr funktioniert dann deswegen weil die Sozis und Kommunisten sie zerstört haben, zu Tode gerettet und an den falschen Stellen interveniert habe während die Finanzmärkte Neoliberalisiert wurden.

    Was also kann man anderes erwarten, wenn Dummschwätzer und Schauspieler Politik machen, als den völligen Zusammenbruch.

     

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