Mehr als 500 Banken, darunter auch die Deutsche Bank, orderten über 15000 Briefkastenfirmen. Kaum vorstellbar, dass es nur irgendwelche Konsequenzen für vergangene Geschäftspraktiken geben wird. Aber auch in Zukunft wird sich kaum etwas ändern, denn Steuerparadiese wie Panama profitieren von ihrem Ruf ungemein. Offshorefirmen sind ein legales Mittel um Steuer zu vermeiden, Geldwäsche ist natürlich nicht erlaubt.

Von Redaktion/dts

Mindestens 28 deutsche Banken haben in den vergangenen Jahren die Dienste der Anwaltskanzlei genutzt, die im Mittelpunkt der "Panama Papers" steht. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Dienstagsausgabe. Insgesamt gründeten die deutschen Banken, darunter sechs der sieben größten Kreditinstitute, bei dem Offshore-Dienstleister mehr als 1.200 Briefkastenfirmen oder verwalteten sie für ihre Kunden.

Allein die Deutsche Bank soll bis zum Jahr 2007 mehr als 400 Offshore-Firmen aufgesetzt haben. Die Unterlagen, die der "Süddeutschen Zeitung" zugespielt wurden, zeigen zudem, dass mehrere Tausend Deutsche Briefkastenfirmen der Kanzlei in Panama genutzt haben. Als Vermittler traten dabei nicht nur deutsche, sondern auch ausländische Banken auf. Weltweit haben mehr als 500 Banken die Dienste genutzt, darunter sehr viele namhafte Geldhäuser. Sie orderten bei der Kanzlei aus Panama insgesamt mehr als 15.600 Briefkastenfirmen. Dies ergaben die Recherchen des Internationalen Konsortiums für Investigative Journalisten (ICIJ), das zusammen mit der "Süddeutschen Zeitung" die gemeinsame Arbeit von weltweit 400 Journalisten organisiert hat, die die "Panama Papers" auswerten. An der Kooperation sind rund 100 Medien aus fast 80 Ländern beteiligt. Auch Landesbanken bedienten sich der Dienste des Offshore-Dienstleisters. Die beteiligten Banken betonten, dass sie ihre Geschäftspolitik bereits in den vergangenen Jahren geändert hätten.

Die "Panama Papers" werfen zudem ein neues Licht auf den Skandal um die schwarzen Kassen bei Siemens. Die Unterlagen sowie ergänzende Recherchen legen den Verdacht nahe, dass ehemalige Siemens-Manager einen Teil des Geldes, das sie einst in schwarzen Kassen in Lateinamerika verwaltet haben, nach Bekanntwerden der Affäre im November 2006 nicht an den Konzern zurückgeführt haben. Stattdessen wurden offenbar fast drei Millionen Euro auf private Konten unter anderem auf den Bahamas und in der Schweiz gelenkt. Einer der beteiligten Ex-Siemens-Manager bestätigte, dass das Konto auf den Bahamas ihm gehörte; andere Fragen zu den Geldtransfers ließ er aber unbeantwortet. Siemens versicherte, man kenne die Vorgänge nicht.

6 KOMMENTARE

  1. Wozu brauchen wir eigentlich ein "Internationales Konsortium für Investigative Journalisten" (ICIJ), das zusammen (ausgerechnet) mit der "Süddeutschen Zeitung" die gemeinsame Arbeit von weltweit 400 Journalisten organisiert hat, die die "Panama Papers" (für uns) "auswerten" – anstatt die Liste zu veröffentlichen? "An der Kooperation sind rund 100 Medien aus fast 80 Ländern beteiligt" – die Liste dieser "Medien" und "Journalisten" wäre sicher auch sehr aufschlußreich …

  2. Es mag wie vielleicht im Falle Siemens, auch Manager gegeben haben, die sich Gelder selbst als "Boni" zusteckten, aber dazu wird man erst einmal die Ermittlungen abwarten müssen.

    Daß Banken bereits vor Jahren schon die Geschäftspraktiken geändert hatten, mag Gründe haben, oder Insider Wissen. Denn seit das Bankgeheimnis der Schweiz gefallen ist, wäre es nur eine logische Konsequenz, daß auch Andere fallen werden?

    Was jedoch die Banken mit so vielen Briefkastenfirmen anfangen wollten, würde wohl jedes Interesse wecken! Sind das vermittelte Konten für reiche Kunden? Lassen wir uns von den Ergebnissen überraschen, wenn die Ermittler auch in den Reihen der Geldgeber anfangen dürfen zu suchen! Meine Aufmerksamkeit werde ich der Open Society Foundation (Soros) widmen, sowie seinen Freunden, die Waffen und Material in Kriesengebieten spendierten. Das könnte auch für die Presse ein Fest werden? Vorausgesetzt natürlich, er hätte seine Geschäfte in Panama betrieben.

  3. Panama als Steueroase ist ein alter Hut. Schon seit Jahrzehnten wird dort das Geld aller Welt gebunkert. Warum kommt das erst jetzt oder gerade jetzt??? Ganz sicher steht dahinter nicht die Absicht, die Steueroase Panama trocken zu legen, sondern vielmehr, Gelder in eine bestimmte Richtung zu lenken.

    "Man muss ja sehen, dass weltweit die soziale Ungleichheit derart explodiert ist, dass viele Leute heute auch am System selbst zweifeln. Und diesen Leuten werden jetzt die Panama Papers zum Fraß vorgeworfen. Und die Leute denken tatsächlich zum großen Teil: „Oh, da ist etwas veröffentlicht worden, das wirklich geheim ist und jetzt sehe ich auch, dass einige Leute bestraft werden.“
     

    http://de.sputniknews.com/wirtschaft/20160404/308953850/panama-papers-usa-steueroase.html#ixzz44vFQUrtU
     

     

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here