Die Armee Assads ist bereit, Aleppo zu nehmen – doch es gibt ein aber…

Die syrische Armee stößt immer weiter vor und lehrt den IS-Schergen das Fürchten. Demnächst könnte der Sturm von Assads Truppen mit Unterstützung der russischen Luftkräfte auf Aleppo kommen.

Von Thomas Roth

Eine Minute des Humors: "Der IS ist mit der Bitte zur NATO gegangen, die amerikanischen Bombardierungen bitte wieder aufzunehmen."

Nachdem ein bestimmter Teil der russischen Gruppierung in Syrien das Land verlassen hatte, begannen viele Experten und  Politikwissenschaftler, hauptsächlich die westlichen, die Niederlage der syrischen Armee an allen Fronten zu prophezeien. Erstaunlicherweise (wirklich?) hat sich jedoch die Situation in das genaue Gegenteil entwickelt.

Die Unterstützung durch die russischen Flieger hat den syrischen Regierungstruppen ermöglicht, eine große Zahl strategisch wichtiger Punkte unter Kontrolle zu nehmen, was die Kampffähigkeit der syrischen Truppen in allen Richtungen wesentlich erhöht hat. Wladimir Putin hat in der Fragestunde über diese Operationen gesagt, dass die Regierungsarmee Assads heute in der Lage ist, wirksame Angriffshandlungen – sogar nach dem Teilrückzug der Fluggruppe der Russischen Föderation – durchzuführen.

Und ja, es ist richtig, dass ein Teil der russischen Bomber Syrien verlassen hat, aber es ist auch richtig, dass sie die syrische Armee in solchem Zustand und mit so viel Kampfgeist zurückgelassen haben, dass sie in der kurzen Zeit unter der Jurisdiktion von Damaskus Palmira und eine ganze Reihe anderer wichtiger Orte zurückerobern konnten. Allerdings bleibt der Kampf um Aleppo auf der Tagesordnung. Aleppo ist die zweitgrößte Stadt in Syrien. Es ist die industrielle Hauptstadt des Landes. Der IS und andere Oppositionsgruppierungen versuchen die Scharte der letzten Niederlagen auszuwetzen und ihre Positionen zu festigen, aber bei der syrischen Armee klappt es trotzdem besser.

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Nach Meinung des Direktors des Zentrums zum Studium der Länder des Nahen Ostens und Zentralasien, Semen Bagdasarow, besteht die ganze Komplexität der Situation darin, dass der Krieg in Syrien keine geschlossene Front hat. Die Spannungsherde werden nach den Zusammenstößen in verschiedene Bezirke auseinandergeworfen, was die Angriffe der syrischen Truppen wesentlich erschwert. Nichtsdestoweniger zeigt die Regierungsarmee befriedigende und gute Ergebnisse. Wenn wir über die Befreiung Aleppos reden, und das ist heute die Nummer eins der syrischen Opposition, dann sollte es vom  militärischen Plan kein großartiges Problem sein, da ernsthafte Kräfte der russischen Koalition dort konzentriert sind. Und dieser Druck wird seitens der transatlantischen Partner sehr wohl empfunden. Es existieren konkrete Drohungen.

Am Vortag haben westliche Quellen mitgeteilt, dass die USA den Plan entwickelt haben, der "gemäßigten" Opposition Mittel der Truppenluftabwehr sowie transportable Flakraketenkomplexe zu liefern. Das ist in meinen Augen eine ganz eindeutige Erpressung.

Deshalb muss jetzt die Aufgabe sein, nicht nur Aleppo, sondern zuerst auch das Umland unter Kontrolle zu nehmen und die Hauptversorgungswege der Terroristen von der Seite der syrisch-türkischen Grenze zu sperren. In dem Zusammenhang teilte heute der syrische Botschafter bei den Friedensgesprächen in Genf mit, dass genau dort in den letzten Tagen mindestens 6.000 Halsabschneider durchgesickert sind. Kriegspartei Türkei!

Der Politikwissenschaftler Bagdasarow ist sich sicher, dass die syrische Armee zusammen mit russischer Unterstützung Aleppo einnehmen kann, aber die Erfüllung der Aufgabe setzt voraus, die Hauptdurchgänge auf das syrische Territorium von seiten der Türkei zu schließen und das wird einen Sturm von negativen Emotionen von Washington und um so mehr Ankaras herbeirufen. Darauf muss man sich ernsthaft vorbereiten, besonders mit den Diplomaten. Jedoch haben die Gerüchte darüber, dass Damaskus nach dem Teilabzug der russischen Flugzeuge nicht mehr gewinnen kann nichts mit der allgemeinen realen Sachlage zu tun. Zusammen mit den russischen Beratern macht die syrische Armee konkrete und gut durchdachte Schritte, die auf den bedingungslosen Sieg ausgerichtet sind.

PS: Die westlichen Massenmedien haben wieder einmal berichtet, dass der iranische General Qassem Soleimani in Moskau zu Verhandlungen mit dem Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, angekommen ist. Im Kreml und in der Botschaft Irans hat man diesen Angaben widersprochen.

Qassem Soleimani — der iranische Generalmajor, der iranische Truppen "al-Quds" bei Operationen außerhalb Irans kommandiert, hat die ganzen letzten Jahre in Syrien verbracht. Ein legendärer Truppenführer, der die gültige Kampftaktik gegen IS-Kampftrupps erarbeitet hat.  Die UNO hat Soleimani auf die Liste der iranischen Militärs und Politiker gesetzt, denen die Ausreise aus dem Land untersagt ist.

Gehen wir mal davon aus, dass er gerade in Moskau ist. Ich konnte über Monate verfolgen, wie er mit seinen Soldaten im Umland von Aleppo kämpfte (bei sehr großen Verlusten – allein 4 Generale sind in der Zeit gefallen – aber ohne nachzulassen die Ausgangspositionen eroberte, die heute für den Sturm auf Aleppo gebraucht werden). Dann heißt das, meiner Meinung nach, die Abschlußvorbereitungen für den Sturm laufen.

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8 Kommentare

  1. Allerdings soll der IS wieder in der Region von Aleppo Gebiete von den Regierungstruppen und anderen Rebellen zurückerobert haben. Die Regierung muss aufpassen, dass ihre einzige offene Verbindung in ihr Gebiet in West Aleppo nicht vom Gegner abgeschnitten wird, wenn man die Stadt schon vollkommen enkreisen will ( was im Moment noch nicht der Fall ist ) und sich zu sehr darauf konzentriert. 

  2. man muß nur hören !DieUSA will den gemäßigten Truppen Luftabwehrmittel

    geben.Fürwas.Die IS hat keine Flugzeuge.Der denken kann kennt die Antwort.Die USA und Nato bleiben die hinterlistigsten Machthaber der menschheit .Und der Großteil der Deutschen

    schaut weg.

    1. Nicht nur Deutsche schauen weg. Alle Europäer, alle Hedonisten, die hoffen, daß es irgendwie weitergeht, ohne selbst einen Finger dafür zu rühren, ohne sich korrekt zu informieren, die einfach die Verantwortung an unfähige, sich dem Verrat an Europa und an anderen Regionen verpflichteten Politikern deligieren! Mittäter durch pure Passivität. Und wenn sie irgendein Boulevardblatt durchgeblättert haben, fühlen sie sich ausreichend informiert und das genügt ihnen.

  3. Die Terroristen benutzen die TOW-Raketen uA. für Überfälle auf zuvile Sattelzüge um in den Besitz der Ladung zu kiommen, dazu wird der Motor kaputt geschossen. Die Ladung gelangt dann über die Grenze und wird auf Flohmärkten in der Türkei verscherbelt.
    IS-Videos zeigen dieses Vorgehen  https://urs1798.wordpress.com/

     

  4. Das Wichtigste wird es sein, mit allen Mitteln die Grenze zur Türkei zu sichern, damit die NATO-Türkei die Terroristen nicht weiter mit Nachschub versorgen kann.

  5. Was lernen wir aus diesem Artikel, folgendes:

    1.) Nicht Kampfgeist, Ausbildung, materielle Ausstattung der Truppen und Kampferfahrung definieren die Kampffähigkeit oder Kampfkraft sondern "die Einnahme und Kontrolle von (strategischen) Punkten".

    2.)  Ein Teil des russischen Kontingents wurde abgezogen, ein anderer Teil ist nach-wie-vor vor Ort. Warum wurde dann die syrische Armee zurückgelassen?

    3.) Zitat: "Die Spannungsherde werden nach den Zusammenstößen in verschiedene Bezirke auseinandergeworfen, was die Angriffe der syrischen Truppen wesentlich erschwert. "

    Also für mich ist dieser Satz völlig unverständlich.

    4.) Im Raum Aleppo sind "ernsthafte Kräfte der russischen Koalition konzentriert". In anderen Räumen sind also "un-ernsthafte" also "lustige" Kräfte konzentriert?

    5.) Wie passen eigentlich die auch hier postulierten guten Kampfergebnisse der syrischen Armee mit den anderen Artikeln von Thomas Roth zusammen in welchen er der dieser -in großen Teilen- jegliche Kampfkraft abspricht.

  6. ….mir ist aufgefallen, immer wenn man Bilder von Soldaten oder Kämpfern der Syrischen Armee sieht, sind es Männer die meist jenseits der 30 sind.

    Die Jungen Syrier sind wohl mehrheitlich nach Europa geflüchtet. 

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