David Cameron: Der Mann, der Großbritannien und die EU auseinanderreißt

Am 23. Juni werden die Briten darüber entscheiden, ob sie weiterhin in der EU bleiben, oder diese verlassen werden. Der politische Kurs von Premierminister David Cameron trägt jedoch maßgeblich dazu bei, dass die Extrawurst-Politik nun nicht nur die Zukunft der EU aufs Spiel setzt, sondern jene Großbritanniens gleich noch mit dazu.

Von Marco Maier

Wie man es auch dreht und wendet: Der 23. Juni 2016 könnte als jener Tag in die Geschichte eingehen, an dem nicht nur der Anfang vom Ende der Europäischen Union eingeläutet wurde, sondern der klägliche Rest des einstigen britischen Empires in Form des Vereinigten Königreichs und Nordirlands bald nur noch aus England selbst – und möglicherweise noch Nordirland – bestehen könnte. Denn vor allem die Schotten wollen die EU nicht verlassen und auch die Waliser dürften bei einer Loslösung der keltischen Brüder im Norden folgen, zumal auch sie als eher pro-EU gelten.

So darf man durchaus erwarten, dass die Briten regional äußerst unterschiedlich abstimmen werden. Vor allem Schottland und Wales werden sich für die EU entscheiden, während England selbst die EU mehrheitlich verlassen wollen wird. Die Auslandsbriten hingegen, welche wohl mehrheitlich ebenfalls für einen Verbleib stimmen würden, haben jedoch nicht mitzubestimmen.

Totengräber Cameron

David Cameron, der zwar selbst ein energischer EU-Kritiker ist, will eigentlich nicht wirklich, dass Großbritannien die EU verlässt. Er trieb das Spiel nur dermaßen auf die Spitze, weil er von Brüssel deutlich mehr Zugeständnisse haben wollte als bisher schon. Doch weil die EU nur bedingt ein Wunschkonzert ist und ein feilschen wie auf dem Bazar nicht wirklich viel bringt, musste dieser Plan (mit dem den Brexit-Befürwortern der Wind aus den Segeln genommen werden sollte) natürlich scheitern. Nun gibt es ein Referendum, dessen Ausgang eben nicht einfach nur die Zukunft der EU mitbestimmt, sondern eben auch jene Großbritanniens selbst.

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Angesichts dessen, dass der britische Premierminister einfach zu hoch pokerte und verlor, darf man ihn wohl durchaus als Totengräber der EU und Großbritanniens bezeichnen – falls die Briten wirklich für einen Brexit stimmen. Immerhin zeigen sich derzeit in den Umfragen ja noch zwei annähernd gleich starke Lager. Die Brexit-Befürworter müssen sich hierbei allerdings auch die Frage stellen, was ihnen schlussendlich wichtiger ist: Ein EU-Austritt, oder der Verlust Schottlands und vielleicht sogar auch noch von Wales.

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Auswirkungen auf die EU

Für die EU selbst mag der Verlust Großbritanniens eigentlich gar nicht einmal so ein negatives Ereignis sein, zumal gerade die Briten ja im Wirtschafts- und Finanzsektor ständig auf Liberalisierungen drängen und sogar einen einschlägigen Lobbyisten zum Finanzkommissar machten. Doch anstatt den EU-Austritt Großbritanniens – den Europameistern in Sachen Extrawürste und Sonderregelungen – positiv zu sehen, gibt es eben vor allem die große Gefahr, dass dies zu einem Dominoeffekt avanciert. So wachsen auch in Dänemark (welches in Sachen Sonderwünsche gleich hinter den Briten liegt) immer mehr Bedenken hinsichtlich der EU-Mitgliedschaft. Auch Ungarn hat schon mehrfach damit gedroht, die EU verlassen zu wollen. Gewinnt diese "Fluchtbewegung" erst einmal an Dynamik, folgen bald auch Frankreich (Stichwort: Front National) und Österreich (Stichwort: FPÖ). Die Schotten (und ggf. auch die Waliser), die dann die Union mit London auflösen, weil sie lieber in der EU bleiben wollen, stehen dann vielleicht sogar ohne EU da.

Was die Eurokrise nicht schaffte und woran auch die Flüchtlingskrise scheiterte, gelingt somit einem einzelnen Mann – David Cameron. Er, der die Europäische Union eigentlich nur zu einem wirtschafts- und finanzliberalen Casino für die in der City of London sitzenden Spekulanten machen wollte, sorgt nun sogar dafür, dass die Grenzzäune zwischen den einzelnen Ländern wohl wieder hochgezogen werden und die global agierenden Finanzeliten wohl für weitere Jahrzehnte keinen völlig deregulierten 500-Millionen-Einwohner-Markt erhalten. Eigentlich müsste man dem britischen Premierminister dafür sogar noch dankbar sein. Er ist dann vielleicht sogar jener, der etwas Böses tun wollte und vielleicht doch etwas Gutes tat.

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10 Kommentare

    1. @loup ……….ich auch und zwar aus ganzem Herzen !!!

      Übrigens lieber Marco Maier; Ich hoffe der 23.Juni.2016 wird die Neuauflage des 24.Februar 1848.

       

      p.s.: jeder linke Gutmensch der hier reinschaut und das liest, soll bevor er/sie bezüglich 1848 gleich wieder lösbrüllt (ist in Österreich Mode geworden bei den Linken) vorher Geschichte lernen. 1848 war der Ausgangspunkt unser aller Freiheit in Europa und der Ausgangspunkt für unsere Grundgesetze, um welche wir heute wieder kämpfen müssen. (z.b.Pressefreiheit; Abschaffung Feudalherrschaft etc)

  1. Ich bin mir fast sicher, dass das Ergebnis gaaaaanz knapp für die EU ausfallen wird. Nur so ein Verdacht. Da kommen einem auch Wahlergebnisse von 4,9% in den Sinn. Naja. Läuft das ganze eigentlich per Touchscreen ab? Wenn ja, möchte ich aus meinem Eingangssatz das Wort "fast" streichen.

  2. "…der Anfang vom Ende der Europäischen Union eingeläutet wurde, sondern der klägliche Rest des einstigen britischen Empires…" Und genau deshalb glaube ich nicht, dass es den Briten am Ende wirklich möglich schein wird, aus diesem €U-Gefängnis auszusteigen. Diese €U wurde maßgeblich von der City of London mit formiert. Die werden zu verhindern wissen, dass es bei der "Abstimmung" zu einem Ergebnis kommt, dass das Ende ihrer Herrschaft einläutet!

  3. Das Wahlergebnis steht schon heute fest genauso wie beim schottischen Referendum: GB wird Teil der EU bleiben. Es sei denn, die Engländer schaffen es wie bei den letzten Landtagswahlen in der BRD, ein flächendeckendes Netz von Beobachtern zu installieren, die die Auszählung der Stimmen überwachen – wobei ich nicht weiß, ob das in GB erlaubt ist.

  4. cameron hat die chance verpasst die eu zu reformieren. wie alle betrüger ( panama papers ) ist auch er nur auf seinen vorteil ( england ) aus, lady thacher war genauso blind kohle kohle und die eu soll bluten für die inselaffen. der brexit wird nicht kommen draghi obama ferkel und wie sie alle heißen beschwören drohen beten das englische volk an. selbst der oberste eu betrüger jean claud junker lallt seinen david an bitte bleib unser lieber freund. was solls drauf geschissen, auf die regierung der insel, nicht auf die bürger.

  5. Rette sich wer kann! Wer möchte schon gerne bei der Gesamtpleite dieser

    EUdSSR, wie es sich mit Griechenland, Frankreich, Italien, Spanien und den

    anderen 'Nehmerländern' abzeichnet, dabei sein, wobei Deutschland allein jetzt

    schon, wenn man die unausgeglichenen Target II Salden betrachtet, seinen

    Konkurs anmelden kann.

  6. Austritt aus EU ist sicher drin, aber ob sich Großbritannien nach nem eventuellen EU-austritt ebenfalls auflöst halt ich dann doch etwas für unwahrscheinlich

  7. David Cameron reisst nicht die EU auseinander, sondern die Bevölkerung will die EU verlassen. Andernfalls wählt sie einfach die Regierung bei den nächsten Wahlen ab. Hier ist – wie in vielen anderen EU-Ländern zu beobachten – die Bevölkerung immer bestimmter gegen die diktatorischen EU-Machenschaften und gegen die eigene eu-freundliche Regierung. Die österreichischen Wahlen haben das ja nun auch klar und deutliche gezeigt, vorher war es die Wahl der Holländer, die die Assoziation der Ukraine an die EU ablehnte, auch ein klarer Appell gegen die EU-Machenschaften. Diese Entwicklung nimmt immer mehr Fahrt in Europa auf und ist nicht mehr aufzuhalten. Die Europäer haben begonnen, sich wirksam gegen das hinterhältige EU-Konstrukt zu wehren.

  8. Es wird wohl Ende mai/Anfang Juni weitere Zugeständnisse für GB geben, was dann den Ausschlag für ein knappes Ja zur EU geben wird. Wir sollten bedenken, GB hat den höchsten Schuldenstand aller EU-Länder (2300 Milliarden), noch vor BRD und Frankreich, bekommt zudem noch den größten Teil seiner Zahlungen in den EU-Haushalt rückerstattet. Außerdem würden die Asylanten, denen auf dem EU-Festland bislang das Einreisen nach GB verweigert wird, nicht mehr von Frankreich zurückgehalten werden müssen. Was das für das britische Sozialsystem bedeuten wird, kann sich ein jeder ausmalen. –  Wünschen würde ich mir den Ausstieg (besser Rausschmiß) allerdings.

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