Bloomberg: Russland verzichtet auf den Dollar beim Erdölhandel und startet eigene Termingeschäfte

Die russische Regierung ist in allernächster Zeit im Begriff, an der Sankt Petersburger Internationalen Rohstoffbörse (Spirnex), eigene Futures (Termingeschäfte) für das Hauptprodukt des einheimischen Exports – das Erdöl der Marke Urals – zu starten.

Von Thomas Roth

Das wird es dann auch ermöglichen, die Einkünfte aus den Verkäufen dieses Rohstoffs zu vergrößern und dabei von der Berechnungsgrundlage Dollar wegzugehen, was die Realisierung eines langjährigen Traumes vom Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, wird, schreiben die Journalisten von Bloomberg. Die Agentur teilte unter Verweis auf den Präsidenten der Spirnex, Alexej Rybnikow, mit, dass die Börse zur Zeit mit einer Vielzahl von  Marktteilnehmern verhandelt. "Ziel ist die Entwicklung eines Systems, in dem das Erdöl bewertet und dann gerecht und öffentlich verkauft wird", erklärte Rybnikow.

Zur Zeit wird mehr minderwertiges Urals (Urals-Öl – kurz: Urals – ist die für Russland wichtigste Rohölsorte, die als Referenz („Benchmark“) für den Ölhandel und -export dient. Urals-Öl ist eine Mischung – Blend – aus dem namensgebenden Öl aus dem Ural und der Wolgaregion.) mit Rabatt auf die internationale Nordseemarke Brent verkauft wird. Laut Rybnikow wird der Start eines eigenen Marktes mit Termingeschäften dem Land gestatten, über den Mechanismus der Preisbildung von Urals, die Einnahmen der einheimischen Gesellschaften zu verbessern.

Die Journalisten bemerkten auch, dass sich der Markt zum Start neuer Futures sehr positiv verhält, einschließlich Lukoil, Rosneft und Gazprom. Bis zur Eröffnung der Auktion wird die Nationalbank Russlands dazu beitragen – so wie es erwartet wird – bestimmte Verbesserungen in der Gesetzgebung vorzunehmen, um am Handel mit den einheimischen Börsenwaren und den Produktionsinstrumenten auch die Gesellschaften, die im Ausland registriert sind, zuzulassen.

Lesen Sie auch:  Öl bei 100 Dollar? Analysten warnen vor Versorgungskrisen

In einem Dokument, das auf der offiziellen Webseite von Spirnex vorgestellt ist, wird bemerkt, dass der Umfang der Futures zu Beginn 1.000 Barrels minimal und 720.000 Barrels maximal bilden wird. Für den erfolgreichen Start der Verträge auf dem Platz maximaler Liquidität werden in der ersten Etappe die Futures in US-Dollars gehandelt. Wenn die Futures in Rubeln nominiert werden, können die ausländischen Teilnehmer der Auktion auf die Notwendigkeit stoßen,  Rubelliquidität erwerben zu müssen. In dieser Situation werden dann auch die Devisenrisiken zusammen mit der Kursvolatilität (Volatilität, die auf der Grundlage der relativen (prozentualen) Kursveränderungen eines Finanzinstruments berechnet wird.) berücksichtigt.

Loading...

Wie der Präsident des Russischen Börsenbündnisses, Anatolij Gawrilenko, der "Russischen Zeitung" erklärt hat, arbeitet die Börse schon seit langem an der Einführung der Futures für Urals und kann, seiner Meinung nach, schon am Ende des Jahres so weit sein. Um solche Futures auf den Markt zu bringen, ergänzt Gawrilenko, ist zuallererst der politische Wille dafür notwendig. Nichtsdestotrotz gibt es zur Zeit keine Strategie für die Schaffung eines solchen Warenmarktes, aber in der Zentralbank versteht man, dass sie notwendig ist und es könnte schon im Sommer zu positiven Entwicklungen kommen.

"Es gibt schöne Plätze, die mit den Futures viele Jahre lang handeln. Und plötzlich kommen wir mit diesem Instrument. Natürlich, das wird zuerst eine kühle Beziehung sein. Und Fakt ist auch: damit unsere Futures die Achtung der weltweiten Spieler bekommen, müssen wir die Beständigkeit der Auktion, die Wendungen und die Umfänge gewährleisten. Und natürlich die Durchsichtigkeit unseres Marktes", resümierte der Experte.

In den zwei ersten Monaten des Jahres 2016 betrug der mittlere Wert des russischen Erdöles der Marke Urals 29,69 Dollar für das Barrel. Das ist 1,7 Mal weniger, als für die vergleichbare Periode von 2015. Damals kostete Urals 51,81 Dollar.

Lesen Sie auch:  Der Weg zum Autoritarismus ist mit Fiat-Währung gepflastert

Mitte April erklärte die erste Stellvertretende Vorsitzende der Zentralbank, Ksenija Judajewa, dass die volatile Situation auf dem Erdölmarkt die Grundlage für die Realisierung der grundlegenden Prognose der Zentralbank gibt. "Im Vergleich damit, dass sich jetzt plötzlich in Zusammenhang mit der Stimmung die Situation auf dem Markt heftig geändert hat, sieht er doch ausreichend konservativ aus, so dass wir meinen, dass 30 Dollar für das Barrel (als der Jahresdurchschnittspreis für das Erdöl) ein vernünftiger Wert in dieser Periode ist", erklärte sie.

Grundsätzlich geht die Zentralbank für 2016 von einem Jahresdurchschnittspreis des Erdöles Urals von 30 Dollar für das Barrel mit einer Entwicklungsmöglichkeit von bis zu 40 Dollar in 2018 vor. In diesem Drehbuch wird auch das Fallen des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 bis 1,5 Prozent für 2016 prognostiziert. Schon vor geraumer Zeit hatte allerdings auch Judajewa nicht ausgeschlossen, dass in diesem Jahr die Prognose verbessert werden könnte.

Teilen Sie diesen Artikel:

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: redaktion@contra-magazin.com nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

9 Kommentare

    1. Richtig, deswegen muss schnell noch ein Krieg, natürlich in Europa her, koste es was es wolle! Man ist Russland fleißig am provozieren, mit Hilfe ihrer kleinen Wadenbeisser, die man gerne verheizen möchte!

  1. Hoffentlich hält Putin durch. Die seit über 2000 Jahren immer gleichen Schmarotzer, die Gold-Morgs, werden versuchen ihn zu beseitigen.  Ich, Kennedy wollte der FED auch den Dollar entreissen. Der Saddam wollte auch vom ÖL-Dollar weg.

     

  2. Russland versucht, sich von der NWO abzunabeln. Allein deshalb ist Putin für mich ein Held.

    http://faceblogs.eu/index.php/geschichte/462-lenin-putin-und-die-russische-zentralbank?lang=de

    Der letzte vor ihm, der das versuchte, war JFK; und davor war's ein gewisser Herr aus Österreich. Ermorden können sie Putin offenbar nicht so einfach, also wird es wohl wieder Krieg geben….

    Wenn ihr Frieden wollt, killt die Eliten! – und nicht euch gegenseitig.

    1. Meine Rede ! Aber die Hoffnung daß die Masse der kleinen Blödmänner mal ein bischen schlauer würde kanst du vergessen . Erst arbeiten sie sich krumm und dusslig für ihre Eliten und dann schlagen sie sich gegenseitig tot für ihre Eliten . Damit diese noch reicher und mächtiger werden . Oder hat es das schon gegeben das ein normal Bürger oder ein Soldat irgentwas gewonnen hat bei einem Krieg . Jetzt müssen wir sogar noch für die Kriege von anderen gerade stehen , nur weil unsere überflüßige Elite das so will .

      Da frage ich mich für – was – haben wir die ganzen Jahre gearbeitet und Kinder großgezogen ?

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.