Während Russland Armenien den Rücken stärkt, erklärt die Präsident Erdogan, dass die Türkei Aserbaidschan "bis zum Ende" beistehen werde. Es zeichnet sich damit ein Kaukasuskonflikt ab, in dem es zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Moskau und Ankara kommen könnte.

Von Marco Maier

Der Konflikt um das fast ausschließlich von Armeniern besiedelte und de jure zu Aserbaidschan gehördende Bergkarabach zieht sich nun schon einige Jahre hin. Schon 1918, nach der Unabhängigkeit beider Staaten, stritten sich beide Seiten um das Territorium, mit dem Zerfall der Sowjetunion brach der Konflikt erneut aus. Neben historischen Aspekten spielt auch der Umstand eine Rolle, dass die christlichen Armenier traditionell gute Beziehungen zu Russland unterhalten, während die muslimischen Aserbaidschaner stärker zur Türkei (früher zu Persien und dem Osmanischen Reich) hin tendieren.

Diese Differenzen begannen nun, nachdem es bereits Anfang der 1990er-Jahre zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam, erneut offen zu eskalieren. Dabei scheint es, als ob sich hiermit im Kaukasus erneut ein Stellvertreterkrieg entwickelt, zumal Russland die christlichen Armenier und die Türkei die muslimischen Aserbaidschaner unterstützt. Für die Türken sind die Aserbaidschaner ein Brudervolk, zumal die aserbaidschanische Sprache jene Turksprache ist, welche dem Türkischen am nächsten steht.

Russland selbst lieferte jedoch "Smertsch"-Raketenwerfer im Wert von 200 Millionen Dollar an Armenien, welche jedoch von russischem Militärpersonal bedient werden, da die Armenier selbst keine Spezialisten dafür haben und dafür erst ausgebildet werden. Vor rund einem Monat jedoch wurden diese Raketenwerfer nach Bergkarabach verlegt, weil man im Zuge der Spannungen zwischen Ankara und Moskau wohl schon damit gerechnet hatte, dass die türkische Führung angesichts der völkisch-religiösen Politik über die Turkvölker in der Region agieren könnte, so wie sie sich auch mit den Turkmenen in Syrien verbündete. Hier zieht die Türkei als "Hauptmacht" der Turkvölker eben die "türkische Karte", wie auch Russland als "Hauptmacht" der slawischen Völker (siehe auch Serbien) gerne die "slawische Karte" (neben der Orthodoxie) zieht.

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8 thoughts on “Bergkarabach: Kommt ein türkisch-russischer Stellvertreterkrieg?”

  1. Hier wird nicht nur die Türkei mitmischen, sondern auch die USA und die NATO, versteckt. Ich hoffe, daß Russland diese Front militärisch bald bereinigt! Und dann auf friedliche Weise eine Lösung findet! Der Konflikt wurde sicher vom Westen inszeniert.! Nachdem sich die Ukraine als Flopp erwiesen hat, gehts nun in  diese Region! War vorherzusehen!! Der Westen versucht, Russland in die Zange zu nehmen und einem Dauerstreß auszusetzen.Um es mürbe zu klopfen! Wie heißt ein arabisches Sprichwort: "Wenn man einen Rücken schläg, und er bricht nicht, wird er stärker" Und der eines Bären sowieso.

  2. Die Russen haben nie einen Stellvertreterkrieg geführt, wie das die USrael-Oberclique mit ihren Terror-Gruppen betreibt und damit einen in unzähligen Kriegsgebieten brutalen Staatsterrorismus führt. Russland ist – wie die letzten militärischen Auseinandersetzungen in der Ukraine und in Syrien zeigen – offensichtlich stützend mit Militärgerät, Training, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung daran, die Abwehr der unrechtmässigen Invasoren in einem Gebiet zu stärken, um dieses anschliessend zu befrieden. Mit Terror-Gruppen hat Russland nichts am Hut, im Gegenteil, diese schätzt Russland als ernst zu nehmende Gefahr ein, dies im Gegensatz zur USA, die die Terror-Gruppen ins Leben gerufen haben, diese mit Geld, Training, Waffen und Söldnern alimentiert und sie als Stellvertreter- und Banditen-Heere für sich arbeiten lässt.

  3. Die Situation erinnert an das Jahr 1877 als die Türkei auf dem Balkan provozierte und Russland dann als Schutzmacht der Christen eingriff und das Land kurzerhand erhoberte im Krieg Türkei gegen Russland. Auf dem folgenden Friedenskongress bestimmten Frankreich und England dann, die Abspaltungen Bulgariens und Rumaniens aber auch Albanien wurde offiziell "unabhängig" bzg. bekam einen neuen Herren.  Seit dem war die Türkei nur noch ein Spielball und musste ausländischen Konzernen Steuerfreiheit gewähren. Erst der deutsche Kaiser erwies durch die Eisenbahnlinie in den Irak nach Kirkuk der Türkei wieder Respekt und nahm sie somit in die internationale Liga auf. Auch sollte man sich einmal fragen, wer denn Atatürk nach vorne brachte, genau der Mann vor dessen Wandteppich heute jeder Reginalvertreter Anatoliens sitzt. Attatürk hat so rein überhaupt nichts von E. Weder optisch noch von seiner Einstellung zu Bevölkerung, Reglion und Nachbarn.

    Bei Arte gibt es über die Angelegenheit eine sehr interessante Doku, die auch noch zeigt, wie England dann die Regierungen im Irak einsetzte. Zufälligerweise hat die Dame, die das damals organisierte eine sehr große Ähnlichkeit zu einer gewissen Barbara Spectre.

    Arte "Mit offenen Karten" kann man wirklich empfehlen.

  4. Historisch gesehen könnte man den Konflikt auch anders bewerten. Als Fortsetzung des armenischen Völkermords vor hundert Jahren. Schliesslich blieb ja dieser Holocaust unvollendet. Er erstreckte sich damals nur auf die osmanischen Teile Armeniens. Aus dem ehemals russischen Teil Armeniens und Berg-Karabachs wurde der letzte Armenier noch nicht beseitigt! 

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