Bahrain: Neuer Krisenherd am Persischen Golf

Noch vor fünf Jahren war Bahrain einer der wenigen Krisenherde des "Arabischen Frühlings" am Persischen Golf. Doch die einstigen sozialen Unruhen erhalten nun eine immer stärker werdende konfessionelle Note: Schiiten kämpfen gegen Sunniten.

Von Marco Maier

Das vorwiegend von Schiiten bewohnte Königreich Bahrain wird von einer sunnitischen Elite regiert. Was lange Zeit eigentlich kein Problem darstellte, weil die Teilung der Bevölkerung doch mehr sozialer Natur (Arm vs. Reich) ist und nicht auf unterschiedliche religiöse Ansichten beruht, wird angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran auch in Bahrain zu einem Politikum.

Im Jahr 2011 waren es vorwiegend die Schiiten, die zu Hunderttausende in der Hauptstadt Manama demonstrierten und von der Polizei und den von König Hamad bin Isa al-Khalifa zu Hilfe gerufenen Soldaten aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten brutalst vertrieben wurden. Daraufhin folgten das Kriegsrecht und die Ausrufung eines dreimonatigen Ausnahmezustands. Trotzdem zogen sich die Demonstrationen – wenngleich auch im kleineren Maßstab – bis heute weiter.

Es geht um die vielen kleinen Ungerechtigkeiten im Land. Als Schiiten werden sie von den sunnitischen Eliten im Land systematisch benachteiligt – in der Schule, auf der Arbeit und in der Politik. Die sunnitisch geführten Medien stellen sie in die Nähe der Mullahs in Teheran, obwohl die Bahrainis zwar gläubige Muslime sind, mit dem Fundamentalismus jedoch weitestgehend nichts anfangen können. Doch weil vor allem die Schiiten demonstrieren, wird ihnen diese Iran-Nähe einfach unterstellt.

Die Opposition im Land fordert demokratische Reformen im Königreich, wo das Staatsoberhaupt die Regierung ernennt (und entlässt), sowie das Parlament auflösen kann. Doch die will man seitens des Monarchen nicht gewähren. Hier geht es um den Machterhalt. Doch wenn es so weitergeht, könnten sich die Schiiten im Land vielleicht doch noch an den Iran wenden und um Hilfe bitten. Damit jedoch entstünde eine ähnliche Situation wie im Jemen, wo die Schiiten den von Saudi-Arabien unterstützten Präsidenten stürzten und nun Bürgerkrieg herrscht.

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Aber vielleicht verkauft Deutschland ja noch mehr Waffen in die Region, so dass künftige Aufstände effektiver niedergeschlagen werden können und sich ein "zweites Jemen" in Bahrain nicht ergibt. Im Vizekanzleramt der Bundesrepublik gibt es da so einen Herren, der das sicherlich absegnet.

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