Amoris Laetitia – Neue, heiße Luft aus dem Vatikan

Amoris Laetitia, „Die Freuden der Liebe“, heißt also der neueste, kreative Output von Papst Franziskus und seinen Kardinälen; wobei die Exzellenzen natürlich den sperrigen Begriff „Postsynodales Schreiben“ für ihren Märchenband bevorzugen. Sehen wir uns also mal an, was ausgerechnet den als verklemmt geltenden Katholiken-Häuptlingen zu diesem Thema eingefallen ist.

Von Marcello Dallapiccola

Wie kommt wohl ausgerechnet der Vatikan auf die Idee, sich mit den „Freuden der Liebe“ zu beschäftigen? Gilt doch die ganze Institution der katholischen Kirche gemeinhin nicht eben als der Liebe zugetan, was nicht zuletzt am Personal in den Führungsetagen sichtbar wird. Graue, vom Alter gebeugte Männer, die noch dazu ihr Leben lang einem Zölibat verpflichtet sind, das erst im Mittelalter von einem besonders lustfeindlichen Misantrophen auf dem Petersthron erfunden wurde – was nicht zuletzt zum Bruch mit der orthodoxen Kirche führte, die diese offensichtliche Verrücktheit nicht mitmachen wollte.
Dass nun ausgerechnet diese Herren einen Text zum Thema „Freuden der Liebe“ verfassen erscheint in etwa, als ob eine Hardcore-Pornoqueen eine theologische Exegese der Paulus-Briefe herausbringen würde.

Doch was sagt nun „Amoris Laetitia“ genau? Hauptsächlich viel salbungsvollem Geschwafel vom Kaliber „dass die körperliche Liebe als eine Teilhabe an der Fülle des Lebens in seiner (Christi) Auferstehung erlebt werde“ und dass „im Wesen der ehelichen Liebe selbst die Öffnung auf die Endgültigkeit hin vorhanden sei“ wird einem da um die Ohren gehauen. Was in drei Teufels Namen Otto Durchschnittschrist mit diesem hochgestochenen Palaver anfangen soll, erschließt sich einem nur schwer. Gut, die ach so hochheilige Institution der Ehe wird gepriesen, aber ist das wirklich so bahnbrechend neu in katholischen Kreisen, dass man dafür eigens ein postsynodales Schreiben verfassen muss?

A propos Ehe, auf ein seit langem drängendes Thema wurde auch eingegangen, nämlich auf das Problem mit den wiederverheirateten Geschiedenen. Dieses brennt vielen schon lange auf den Nägeln – unverständlicherweise, denn was sollte es zwei Menschen, die sich lieben schon kümmern, ob es jetzt dem Pfaffen passt oder nicht, dass sie beieinander liegen? Franziskus jedenfalls macht dieser Klientel Mut: Niemand dürfe auf ewig verurteilt werden, denn das sei nicht die Logik des Evangeliums. Also – vermutlich doch kein Höllenfeuer für Wiederverheiratete. Hallelujah.

Weniger Lichtblicke gibt’s für Homosexuelle. Obwohl gerade die katholische Kirche ja durchaus immer wieder im Verdacht steht, dass der überwiegende Teil deren Würdenträger dem anderen Ufer zuzurechnen sei, lässt Gott hier offenbar keine Gnade walten. Zwar spricht man sich für einen respektvollen Umgang und gegen jede Diskriminierung aus, aber heiraten, wie die „normalen“? – Das geht natürlich gar nicht.

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So bezieht sich auch die Aussage, dass man „also die erotischen Dimensionen der Liebe keineswegs als Übel oder Last verstehen dürfe, sondern sie vielmehr als ein Geschenk Gottes betrachten solle“, wohl eher auf das traditionell dimensionierte Zusammenspiel zwischen Mann und Frau. Wenn dann auch noch ein braves, katholisches Kindlein dabei rauskommt – umso feiner.

Bei allem guten Willen, den man Franziskus und seinen Kumpels ja nicht absprechen will – einige externe Berater und vielleicht sogar Innen hätte man schon zu Rate ziehen können, damit das Papier ein wenig mehr an Bodennähe gewinnt. An der Lebensrealität der meisten Schäfchen geht „Amoris Laetitia“ jedenfalls meilenweit vorbei – aber der Vatikan lebt schließlich seit geraumer Zeit vom Produzieren heißer Luft, und dem charismatischen Franziskus ist der Applaus sowieso gewiss.

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9 Kommentare

  1. Ohja , auch wenn die heiligen Herrschaften alle wie sie da sind , im Vatikan , ihr Dasein ganz sicher einer "unbefleckten Empfängnis" zu verdanken haben , so hat sich selbige doch in weiten Teilen der Bevölkerung noch nicht vollständig durchgesetzt . Denn die Schäfchen sind mehrheitlich Ferkelchen….nein sogar Pottsäue , die treiben`s nämlich grösstenteils ohne den kirchlichen Segen….(frei nach "Olaf" Schubert)

      1. Unaufgefordert paßt nicht. Gendergemäße Sexualaufklärung im Auftrag jener Partei, die auf grund ihrer Parteifarbe so eine gewisse Natürlichkeit ausstrahlt.

  2. Was die alles über Gott wissen. Was er mag, was er nicht mag, wen er mag, ( seine Vertreter natürlich ), wen er nicht mag, Der liebe Gott scheint eigentlich recht launisch zu sein, wenn man all die divergierenden Anordnungen, die die Religionen als ihre einzig gültige Wahrheit ansehen,genauer betrachtet. Manchen schreibt er sogar vor, was sie essen dürfen, was nicht, wie sich die Frauen sittsam zu kleiden haben, und wie man einen Straftäter göttlich bestraft. Hier hat der Islam anscheinden den engsten Kontakt zu Gott, er hat ihnen diesbezüglich die genauesten Instruktionen übermittelt. Das es sich dabei um einen Übersetzungsfehler seitens Mohameds handel könnte, wird nicht als Kalkül ins Auge gefasst. Auch hat er der katholischen Kirche seine fiesesten Foltermethoden verraten, um die Inquisitionsbeamten perfekt auszubilden. Dem Judentum hat er von vorne herein die erste Reihe im Welttheater zugewiesen, und alle pantheistischen Richtungen dürfen bangen, eines tages in der Hölle zu schmoren. Die Menschheit weiß viel von Gott und über Gott, lauter Dinge, die Gott nicht über sich weiß. Das beweist, daß er nicht allwissend ist. 🙂  Nein, er ist allwissend, im Gegensatz zu den irdischen Schwätzern. Und er muß eine Menge Humor besitzen, denn sonst  würde er die Religionen auslöschen. Das mit seinem Humor hat er mir zugezwinkert.  🙂  Diese Eigenschaft ist evident.

    1. Der liebe Gott ist gerade abwesend. Genaugenommen seit 2000 Jahren …. welche aber vor seinen Augen nur 2 Tage sind (Bibel).

      Wenn er aber wiederkommt  (Wiederkunftsgedanke in allen Religionen)  und sieht,was wir in 2 Tagen so alles vergeigt haben , da sollten wir uns schon mal auf was gefasst machen.

  3. Nun, von Sex versteht ja der zölibatär lebende Papst sicher eine Menge, oder irre ich mich hier?. Von seinen Erfahrungen kann der Stellvertreter Jesu Christi auf Erden ja den Unbedarften seine Ratschläge erteilen. Sicher gibt es auch Blinde die anderen erklären wie Farben aussehen.

  4. – daß die körperliche Liebe als eine Teilhabe an der Fülle des Lebens ….. –

    Deswegen wurde wahrscheinlich auch die farbenprächtige Schweizer Garde, um

    an der 'Amoris Laetitia'  teilhaben zu können, bis heute nicht aufgelöst.

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