Amerikanische Panzer als Hauptpreis im Kampf der baltischen Tiger

Es hört sich seltsam an, aber zwischen den drei kräftigen "baltischen Tigern" tobt zur Zeit eine ernsthafte Beißerei um den Titel des "wertvollsten Partners" der westlichen Welt. Eine große Rolle bei der Rauferei spielt eine tödliche Mischung aus nationalem Ehrgeiz und dem großen Geld der ausländischen Wirtschaftshilfe, die die militärische Finanzhilfe mit einschließt.

Von Thomas Roth

Im Budget der USA sind Kosten in Höhe von 502 Millionen Dollar für die Gegenwirkung zur "russischen Aggression" in Eurasien eingestellt. Das ist auf ganz Osteuropa angelegt und wie viel wem letzten Endes zufallen wird, ist eine Frage des persönlichen Engagements, heißt es. Wobei nicht alles Geld ist. In Ergänzung zu verschiedenen ähnlichen Programmen hat das State Department noch 47 Millionen Dollar für die US-Agentur für internationale Entwicklung (USAID) gewählt. Ebenfalls zusätzlich werden vom Pentagon 170 Millionen Dollar für die Hilfeleistung bei der Modernisierung der Streitkräfte der Mitgliedsländer der NATO in Ost- und Südosteuropa bereitgestellt. Für jeden der Staaten der Baltischen Länder sind sogar Teile dieser Summen schon sehr wesentliches Geld. Deshalb werden die baltischen Staaten bei der Beibehaltung der äußerlichen Freundschaft und Partnerschaft, untereinander kämpfen bis zum Tode. Sie sind wie Tiger ineinander bis zum Tode verbissen.

Wenn wir mal für einen Moment auf die Karte blicken, um nachzuvollziehen, ob ein russischer Einmarsch Sinn machen würde, so wird offensichtlich, dass die Besetzung der Baltischen Länder ohne Vorstoß in die operative Weite völlig sinnfrei ist. Der Besatzer bekommt überhaupt keine wichtigen Vorteile. Bezüglich irgendwelcher Rohstoffe gibt es dort auch nichts interessantes. Von der Logistik her ist es einfacher, durch Weißrussland und Polen zu fahren, oder wenn es gar nicht anders geht, dann muss man halt einschiffen und übers Meer sofort nach Deutschland oder in die Niederlande fahren. Das Einzige, was einer solchen Operation einigermaßen Sinn geben könnte, ist die Errichtung einer direkten Landverbindung bis nach Kaliningrad. Allerdings muss man in diesem Fall – als Angreifer wegen der Notwendigkeit der Sicherung der Flanken – das ganze Territorium der Baltischen Länder vollständig einnehmen.

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Basierend auf dieser Situation begründet sich in erster Linie der ganze jetzige antirussische hysterische Anfall der baltischen Limitrophe. Die militärischen Berechnungen und die zahlreichen Kommando-Stabsübungen, entweder von den lokalen Armeen durchgeführt oder auch von den Fachkräften im Pentagon, zeigen ganz klar auf, dass die Streitkräfte der baltischen Länder für die russische Armee kein wesentliches Hindernisses darstellen. Das Ergebnis etwas beeinflussen könnte nur die dauerhafte Unterbringung von großen Kontingenten der NATO-Truppen auf dem baltischen Territorium. Und da die übrigen europäischen Partner in der Allianz sich nicht gerade beeilen, es zu machen, so sind alle Blicke der baltischen Tiger auf die USA gerichtet.

Dadurch zeigt sich Amerika in einer aussichtslosen Situation. Es hat in Europa ungefähr 64.000 Soldaten und Offiziere stationiert, was etwa 10 Prozent aller amerikanischen Streitkräfte ausmacht. Für die Sicherstellung der Verteidigung eines so umfangreichen Territoriums ist das wenig Personal, nur es gibt grad keine Möglichkeiten zusätzliche Einheiten in Europa zu stationieren. Gleichzeitig erfordert aber die Verschärfung der eigenen amerikanischen Rhetorik von der Größe der russischen militärischen Bedrohung anschauliche Schritte zu ihrer angeblichen Neutralisierung. Und wieder stimmt es mit den Wünschen des Oberkommandos der NATO überein, die amerikanische militärische Macht in Europa zu demonstrieren.

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Im übrigen, wir leben in einer Welt, in der die schöne Geste mehr zählt, als das reale Anliegen. Die amerikanischen Politiker haben sich so eine Geste erdacht. Noch im Frühling des vorigen Jahres sagten sie einmütig, dass aus Gründen der Ökonomie und des Geldes und der Sicherheit des US-Militärs die Militärkontingente im Ausland nicht erweitert werden, so konnte schon im Sommer die New York Times ihren Lesern vom Beginn der Erörterung des Planes von der Verlegung von 5.000 Mann Militär und bis zu 1.500 Einheiten an Kampftechnik nach Europa berichten. Welche Geheimnisse um diese Entscheidung auch gemacht wurden – bis dann auch die Finnen genau darüber Bescheid wussten, war es kein Geheimnis mehr. Lännen Media hat erklärt, dass nach den bei den Journalisten vorhandenen Nachrichten, die Amerikaner eine Brigade versprochen hätten, die bis zu 9.000 Mann stark ist und etwa 500 Panzer M1 "Аbrams" in Estland aufstellen wird. Wobei die Stationierung nicht nur zeitweilig geschehen soll. Diese Mitteilung hat die Wirkung einer Bombe in der öffentlichen Wahrnehmung gehabt. Sogar das russische Außenministerium hat seine Unzufriedenheit in diesem Zusammenhang geäußert.

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Im übrigen, für das Amt von Sergei Lawrow war das ein gewöhnlicher protokollarischer Schritt. Für die baltischen Länder war das eine Nachricht, die zu größter Aufgeregtheit führte. Für Estland zum Beispiel. Schon das fünfte Jahr kämpfte Riga mit Vilnius um den Status der Lieblingsfrau Washingtons. Litauen hat gute Gründe, auf die ideale geographische Lage Bezug zu nehmen und beansprucht für sich die Bildung des führenden Logistikzentrums der ganzen Nordflanke der Zentralen Gruppe der Truppen der NATO. Das hat auch was mit Ansehen zu tun. Außerdem gibt es noch das große Geld für die Bildung der umfangreichen Lagerhäuser für Versorgung in Litauen, der Orte der ständigen Unterbringung der Technik und der Belegschaft. Und es bleibt noch ein Überschuss an Geld für die Modernisierung der Auto- und Eisenbahninfrastruktur. Für die kleine baltische Republik ist es buchstäblich ein Goldregen. Freilich, Lettland hatte genau solche Pläne.

Auf nicht sehr offiziellen Kanälen, ist über die USA eine Welle von allerlei Anfragen hereingebrochen, die Washington schon nicht mehr einfach ignorieren konnte. Ungeachtet der heißen Wünsche und der Notwendigkeiten, etwas in Folge der klangvollen Worte über die unbedingte entschlossene Verstärkung Europas und die festen Schritte zur Stationierung von Kräften für die Reflexion der wachsenden russischen Militärdrohung, sahen sich die USA gezwungen, Klarheit zu schaffen. Und dann gaben die Verteidiger der europäischen Sicherheit in der Botschaft der USA in Tallinn dazu eine Erklärung ab.

Keines der baltischen Länder wird eine Panzerbrigade zur ständigen Dislozierung bekommen. Die Pläne des Pentagons sehen wirklich die Verlegung zusätzlicher Kräfte nach Europa vor. Aber leider wird es nur eine mechanisierte Brigade, d.h. ca. 4.000 Menschen für das ganze Osteuropa, nicht nur für die Länder des Baltikums und Polen, sondern auch für Bulgarien, Rumänien und, möglicherweise Ungarn. Damit schrumpft die Brigade konkret für die Baltischen Länder zu einem einzigen Bataillon zusammen. Wobei noch nicht ganz klar ist, wo seine ständige Basis eingerichtet werden soll. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das in Polen geschieht. Auch in Litauen, Lettland oder Estland wäre es möglich. Aus dem Bestand dieses Bataillons könnte man eine Kompanie nehmen, d.h. etwa hundert Menschen mit zehn Panzern stationieren. Und das war alles. Keine großen Basen oder führende Logistikzentren. Und als Höhepunkt ist dann noch vorgesehen, mit den Kompanien alle neun Monate zu rotieren.

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Die ganzen Geschehnisse gehören in das Theater des Absurden. Die Berechnungen des Obersten a.D. der Armee der USA, Douglas Macgregor, auf die heute das Pentagon oft verweist, zeigen deutlich auf, dass sogar die Unterbringung (und nur in Litauen) von fünf ganzen amerikanischen mechanisierten Brigaden keine zuverlässige Verteidigung gewährleisten. Die russischen Truppen schlagen die Kräfte der NATO nicht später als nach 3-5 Tagen und gehen dann in die operative Weite hinaus. Damit die Chancen auf den Erfolg ungefähr gegeben sind, muss Amerika in den Baltischen Ländern mit nicht weniger als 20 Brigaden oder etwa 21 Bataillonen in jedem der Länder antreten und nicht mit einem Bataillon für alle drei.

In dem Zusammenhang entsteht eine vernünftige Frage – warum sollte Russland mit Panzern angreifen und dabei Mensch und Technik in den Ruin treiben im Verlaufe von direkten Kampfhandlungen, ist es nicht einfacher, sich 2-3 mal zu bekreuzigen und alles das mit bloßen Händen zu greifen, was von den Baltischen Ländern übrig bleibt? Daraus lässt sich ganz eindeutig ableiten, dass es von Anfang an nicht um irgendwelchen Schutz für die Baltischen Länder geht. "Geschieht das" dann wird diese Handvoll Panzer entweder verhältnismäßig leicht evakuiert oder einfach ihrem Schicksal überlassen. Im übrigen, hinter dem Ozean rechnet niemand ernsthaft mit einem russischen Einmarsch. Dafür sehen aber diese Panzer auf den Werbefotografien doch wirklich sehr schön aus. Und wie lustig die baltischen Tiger für sie springen, wie im Zirkus.

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5 Kommentare

  1. Richtig, ein russischer Einmarsch ins Baltikum und nach Polen steht in Moskau noch nicht auf der Tagesordnung. Noch nicht deshalb, weil sich dieses natürlich angesichts der ebenso ständigen wie lächerlichen Provokationen seitens dieser Länder gegenüber Moskau auch mal ändern könnte, wenn z.B. dort Putin durch einen Hardliner abgelöst werden würde. Das Baltikum und Polen sollten sich nicht darauf verlassen, daß der Westen sich wegen ihnen in einen Krieg mit höchst ungewissem Ausgang gegen Russland und womöglich auch noch gegen China hineinziehen lassen würde. Besser sollten sie, solange es noch geht, das naheliegende ins Auge fassen und eine gute Nachbarschaft zu Russland entwickeln, anstatt mit verklärtem Blick ins ferne Washington zu schauen.

  2. Ich glaube das ganze Provokationsszenario wird die Russen nicht jucken. Sie haben auch null Interesse an den baltischen Staaten, genauso wenig am falschen,landräuberischen, scheinkatholischen Polen und der Restukraine(außer russischem Teil) . Und diese Länder sind saublöd sich von USrael für ihre Zwecke mißbrauchen zu lassen. Es erscheint auch zweifelhaft, ob es den USA damit gelingt -wie offensichtlich ist- einen offensichtlich geplanten Krieg  in Europa zu veranstalten. Rußland und China haben schon verlauten lassen, dass ein Krieg in den USA stattfinden wird.Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das Besatzungs -und Kolonialland Deutschland einen Finger für die ostamerikanische Teufelsbrut bewegen wird. Lassen wir doch die baltischen Staaten, Polen und GB für die USA kämpfen. Viel Spaß dabei!

  3. Ja ,ja, US. Panzer…die französische AMX 30 sind und bestimmt nicht auf dem Weg nach Ost-Europa ,da schon lange ausser Dienst gestellt.

     

  4. Den Amis feht das Geld und der Wille, aber für ein gutes Zeichen reicht es wohl. Militärisch betrachtet sind die Panzer unbedeutend, aber man kann sie ja auch gegen einen möglichen Bürgerkrieg in Europa einsetzen. Wie auch immer, es sind verzweifelte Rettungsversuche eines sterbenden Regime. 

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