Terror in Westeuropa – statistisch betrachtet

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Allerdings ist es auch manches Mal sinnvoll, einen Blick in die Statistik zu wagen, gerade in diesen Zeiten, in denen nach der totalen Überwachung gerufen wird.

Von Marcel Grasnick

In der Global Terrorism Database, einem Projekt der amerikanischen Homeland Security, durchgeführt von der Universität von Maryland, sind alle registrierten Terrorakte der letzten Jahrzehnte erfasst und online für jeden abrufbar. Und diese Statistik spricht gerade für Europa Bände. Zur Zeit ist wieder einmal der Ruf nach einer schärferen Überwachung sehr laut geworden, gerade nach den jüngsten Anschlägen von Paris und Brüssel. Natürlich spielen die terroristischen Attentate jenen in die Hände, die eben nach dieser lückenlosen Überwachung rufen. Doch die Zahlen der Statistiken sprechen – welche Überraschung – eine ganz andere Sprache.

In den kommenden Zeilen sollen weder die Terror-Akte schöngeredet, noch heruntergerechnet werden und die Opfer bleiben immer noch: unnötige, sinnlose und menschliche Opfer. Und jedes Opfer ist ein Opfer zuviel. Doch gerade wenn es um die Überwachung der Menschen und damit um den Verlust von Freiheiten geht, seien einmal folgende Fakten zur Veranschaulichung dargestellt:

In den 70er bis in die 90er Jahre hinein töteten terroristische Zellen, meist aus Europa stammend, jährlich circa 100 bis 400 Menschen in Europa. Seit 1990 nehmen die Opferzahlen rapide ab, vergleichbar mit der Talfahrt an der Börse, so makaber es auch klingen mag. Dennoch entfielen von 2001 bis 2014 "nur" 0,3 Prozent der Terroropfer auf Europa, während jedoch weltweit der Terror zunimmt – rund 80 Prozent aller Opfer in diesem Zeitraum sind Muslime! Es ist ein subjektives Gefühl, dass sich die Terroranschläge in Europa häufen und natürlich damit auch willkommene Gründe für die Geheimdienste und deren politische Lakaien, um nach mehr Überwachung zu rufen.

Vor einigen Jahren gehörte der Terror in Europa noch zum Alltag. Die katholische IRA in Nordirland, die baskische ETA in Spanien, die linksextreme RAF in Deutschland, die Roten Brigaden und die faschistische Ordine Nuovo in Italien sagen nur noch den älteren Semestern etwas, jenen Menschen, die um die 70er Jahre oder früher geboren wurden. Doch diese ganzen Zellen haben ihre Aktivitäten weitestgehend eingestellt – diese Lücke versuchen nun die Muslime zu füllen, doch weder in der "Qualität", noch in der "Quantität" der europäischen Terroristen vergleichbar.

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Im Jahr 2001 wurden weltweit 771 Anschläge verübt, davon 19 in Westeuropa. Im Jahr 2014 stieg die Zahl weltweit auf 6334, davon 3 in Westeuropa. Dabei besagt die Statistik allerdings auch eine wichtige Sache: Der politisch motivierte Terror nimmt ab, der religiöse Terror nimmt zu. Und bei all der Hysterie der Medien im Moment: Die Wahrscheinlichkeit in Europa Opfer eines Terroranschlags zu werden, liegt bei 0,002 Prozent. Im Gegensatz dazu liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Verkehrsunfall in Deutschland mit tödlichem Ausgang (laut dem Statistischen Bundesamt) bei 0,49 Prozent. Wo sind unsere Retter auf politischer Ebene mit dem Ruf nach sichereren Verkehrswegen? Nach dem Gesetz der Logik müssten die Millionen und Milliarden für die Überwachung aber ganz schnell umgebucht werden für den Ausbau des Verkehrswesens. Der wer sagt, dass Politiker und Medien logisch agieren?

Übrigens, die Wahrscheinlichkeit für 4 Richtige mit Superzahl und damit einem Gewinn von ca. 190 Euro ist mit 0,0097 Prozent fast fünfmal so hoch, als Opfer eines Terroranschlags in Westeuropa zu werden.

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2 Kommentare

  1. Wie der vorherige Kommentator schon anmerkte: Die Wirkung von Terroranschlägen auf eine offene westliche Gesellschaft wird verkannt, die ist nämlich weit verheerender als irgendwelche schicksalsbedingten Unfälle. Es geht beim Terror nie in erster Linie darum zu töten, sondern darum, Angst und Schrecken zu verbreiten. Der statistische Vergleich der Todesopfer von Terroranschlägen und Verkehrsunfällen ist einfach irreführend, dumm und unsinnig.

    Terror hat das Potential, eine ganze Zivilgesellschaft zu lähmen, deren Wirtschaft zu schädigen zu erodieren. Ein einziger Toter reicht schon. Denk mal, was in den Niederlanden passierte, als Theo van Gogh auf offener Straße ermordet wurde. Töte einen, und erziehe eine Gesellschaft.

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