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Der allgemeine Angriff gegen Daesh

Die Situation an der Front entwickelt sich für Baschar al-Assad günstig. Das Regime des Waffenstillstands hat der syrischen Armee gestattet, neue Angriffsgruppierungen zu schaffen und den Terroristen einige empfindliche Schläge zuzufügen. Vor dem Hintergrund des andauernden Angriffs im Norden Latakijas und der Provinz Idlib, der die Zerstörung der Kommunikation der Oppositionellen in diesen Bezirken zur Folge haben soll, hat die Armee dort noch eine Schläge ausgeführt:

Erstens wurde die Gruppierung östlich von Damaskus zerschnitten.
Zweitens ist die Armee zum Angriff übergangen und hat die Kämpfer vom "Weg des Lebens" (Strasse nach Aleppo) zurückgeworfen.
Drittens, die Armee hat den Angriff im Raum Palmyra erneuert. Zusammen mit dem Angriff der Kurden in Richtung Dejr-ez-Zor droht damit Daesh das Zerschneiden des von ihnen kontrollierten Territoriums.

Entgegen ihren bisherigen Methoden haben die "Tigr" dieses Mal versucht, im direkten Angriff die Verteidigung Palmyras zu überwinden. Das misslang. Also ging man wieder zum bewährten Einkreisen über, besetzte die strategisch wichtigen Höhen und versucht seit dem, durch Aufklärungsvorstöße weiche Stellen zu ermitteln. Im flachen Gelände, im Westen von Palmyra, werden die T90 eingesetzt, sie sind für Daesh faktisch unzerstörbar. Damit wird kompensiert, dass die russischen Flieger wegen der vielen Denkmäler dort nicht eingesetzt werden sollen. Das dauert nur noch Tage dann laufen die IS-Truppen davon. Ihnen wurde die Ausbruchsmöglichkeit in Richtung Norden/Raqqa gelassen, dass dann in der nächsten Etappe genommen wird.

Es ist überhaupt sehr wahrscheinlich, dass die Front von Daesh in allernächster Zukunft fallen wird. Den allgemeinen Angriff der Kurden im Norden Syriens, der Angriff der Regierungsarmee des Iraks, der Druck Assads aus dem Westen, haben zur Überbeanspruchung der Kräfte des terroristischen Staates geführt.

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Im Falle der schnellen Zerschlagung von Daesh (selbst wenn Reste der Hauptgruppierungen den Krieg in halbpartisanenartiger Methode – mit Unterschlupf bei sunnitischen Glaubensbrüdern muss man rechnen – fortsetzen würden) wird Baschar al-Assad einen offensichtlichen Vorteil bei den Verhandlungen mit der Opposition bekommen. Die mächtige Armee, beflügelt vom Sieg, unterstützt von der Macht der Streitkräfte der Russischen Föderation, gegen die Reste der letztmalig vor einem halben Jahr einheitlichen Antiassadfront, jetzt praktisch ohne Daesh und
al-Nusra-Front, das ist ein Argument, dem nichts besonderes entgegenzusetzen ist. Und besonders dann nicht mehr wenn in diesem Moment die Versorgungswege der der Oppositionellen aus der Türkei und Saudi-Arabien durchgeschnitten sein werden.

Die Teilung Syriens – Der Plan B der USA?

Es ist offensichtlich, dass die Positionen des Westens im Nahen Osten in letzter Zeit wesentlich schwächer geworden sind. Washington kann nicht mehr operieren wie es möchte und sich bewegen wie es ihm lieb ist, wie es einst im Irak war. Die syrische Krise ist dank des Eingreifens der Russischen Föderation in einem ganz anderen Stadium. Moskau gelang es, die Hauptsache grundsätzlich umzubauen, nämlich die Kräfteverteilung in der Region und die Positionen des legitimen Präsidenten Assad. Allerdings sind die USA immer noch in der Lage, den Ausgang des Krieges zu beeinflussen.

Wenn der Waffenstillstand zerstört wird oder man nicht zu den erhofften Ergebnissen kommt, dann kann die Situation vollkommen eskalieren und beginnen nach einem anderen Drehbuch abzulaufen. Ich denke, alle erinnern sich an das Schicksal Jugoslawiens, Libyens und des Iraks. Im syrischen Konflikt kommt erschwerend hinzu, dass die innenpolitischen Auseinandersetzungen der USA an Einfluss auf dem nahöstlichen Kriegsschauplatz gewinnen. Trump, der Vertreter der Gruppe, die eine Änderung der Weltordnung hinnehmen würde und Clinton, die mit ihrer Gruppe strikt dagegen arbeitet, haben auch völlig unterschiedliche Lösungsansätze für Syrien.

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7 thoughts on “Syrien: Waffenstillstand und wie weiter?”

  1. Man sollte sich nicht vormachen: Die angelsächsischen Hegemonalmächte haben die Aufteilung Syriens und des Iraks und sodann die politische Neuordnung des Nahen Osten beschlossen und von dieser Agenda werden sie keinesfalls abweichen. Es sind rein taktische Gründe, die zum einstweiligen Waffenstillstand geführt haben, allen voran der US-Wahlkampf, die außer Kontrolle geratenen Migrationsströme und die zunehmende Destabilisierung der Türkei und Saudi Arabiens. Dies will man zunächst in den Griff bekommen und in die gewünschten Bahnen lenken. Danach gehen die Auseinandersetzungen weiter. Die RF und die SAR sollten darauf vorbereitet sein und das derzeitige Intermezzo nutzen.

  2. Gut zusammengefasst! Die Meinung vom Kollegen "Buergerblick" deckt meine restlos. Es wird in der Region keine Ruhe geben. Israel´s geheime Rolle wird wie immer unter den Teppich gekehrt! Präsident Assad´s leibliches Wohl kann keine Versicherungsgesellschaft auf der Erde garantieren…

  3. Klasse Bericht! Der Krieg ist militärisch beendet aber noch nicht vorbei. Jetzt ist es ein politischer Krieg, mit vielen mächtigen Interessen. Man kann nur für den Frieden und die Menschen dort hoffen.

  4. Russland hat sich mit dieser Aktion den gehörigen Redspekt verschafft und gleichzeitig seine Rüstungsindustrie gepusht, wobei diese Geschäfte den Ausfall aus Erdöl teils wettgemacht haben. Nebstbei wurden wichtige ERFAHRUNGEN zur Verbesserung der Waffen gemacht,was nur im Kampfeinsatz möglich war.

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