Schoigu hat die Träume Japans von der Rückführung der Südkurilen zerschlagen

Die unendlichen und aufdringlichen Bitten der Japaner, ihnen den Südteil der Kurilenkette zurückzugeben, blieben bei der russischen Seite nicht unbemerkt. Allerdings werden die Japaner mit dem Ergebnis kaum zufrieden sein.

Von Thomas Roth

Der Chef des russischen Verteidigungsministeriums, Sergei Schoigu, hat den Befehl veröffentlicht, auf den Kurilen schon im laufenden Jahr die Uferraketenkomplexe "Bastion" aufzustellen. Eine Batterie eines Bastion-Komplexes besteht aus 12 Raketen-Startvorrichtungen mit überschallschnellen “Onyx" (Jachont) – Marschflugkörpern. Jede Rakete hat einen 290-Kilogramm-Sprengkopf. Es genügen zwei bis drei Raketen, um eine Fregatte zu versenken. Fünf Onyx-Raketen genügen, um einen Flugzeugträger zu versenken. Ein solcher Sprengkopf reißt ein Loch von S-Bahn-Wagen-Größe. Ebenfalls wird der Komplex "Bal-E" (3K60 Bal: Landbasierte Anti-Schiff-Lenkwaffe, Reichweite 120 km, seit 2008 im Dienst) aufgestellt. Gleichzeitig werden die neuesten unbemannten Flugapparate stationiert.

Dabei hat der Minister den planmäßigen Charakter der Stationierung erklärt, die im Rahmen eines Programms der Umrüstung durchgeführt wird. Die Uferraketenkomplexe sollen einen sicheren Schutz vor dem Angriff vom Meer aus bieten, als geeignete Abschreckung für Schiffe eines potentiellen Gegners einer beliebigen Klasse dienen, sowie die Durchführung von Anlandeoperationen verhindern.

Die russischen Militärs werden sich nicht auf die Schiffsabwehr beschränken. Außer der Entfaltung dieser Mittel im Raum der Kurilen wird die Kontrollzone des Luftraumes wesentlich vergrößert. Schoigu hat berichtet, dass die aufgestellten Arsenale sicher erlauben werden, Flugzeuge und Raketen des potentiellen Gegners in allen Höhen zu treffen: in geringen, mittleren und großen.

Nur zur Erinnerung: Japan besteht auf der Übergabe des Südteiles der Kurilenreihe: der Inseln Iturups, Kunaschir, Schikotan und der Inselgruppe Chabomai, die die Sowjetunion im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs erhalten hat. Russland erklärte mehrfach, dass von der Rückführung irgendwelcher Territorien an Japan nicht die Rede sein kann. Als Geste des guten Willens bot die russische Regierung den Japanern an, das Territorium gemeinsam wirtschaftlich zu nutzen und dabei den jetzigen juristischen Status zu erhalten, aber Tokio will auf so eine Variante verzichten, schreibt die russische Presse.

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Dabei reagieren die Japaner von Zeit zu Zeit auf die Besuche der russischen Amtspersonen auf den Südkurilen unangemessen. Zum Beispiel, im Jahr 2012 äußerte das Außenministerium Japans seinen Protest in Zusammenhang mit dem Besuch des Chefs der russischen Regierung, Dmitri Medwedew. Im vorigen Jahr protestierten die Japaner gegen den Besuch des bevollmächtigen Vertreters des Präsidenten im Fernöstlichen Föderationskreis, Juri Trutnews. Die Proteste wurden auch im Verlauf des Besuches anderer russischer Amtsträger ausgedrückt. Die russische Seite äußerte in allen ähnlichen Fälle ihr Bedauern über die Versuche Japans, die allgemein anerkannten Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs zu revidieren.

Die aktuellen Vorgänge um die Kurilen sind ein Musterbeispiel für die russische Außenpolitik à la Putin. Man versucht Konflikte aufzulösen, indem man dem Gesprächspartner einen Vorschlag macht, der für beide Seiten maximal vorteilhaft ist. In diesem Fall wäre Russland bereit, japanischen Investoren Aktienpakete von seinen Erdöl- und Gasprojekten anzubieten. Zusätzlich wird den Japanern die Zusammenarbeit bei der Entwicklung des Gesamtprojektes "Kurilen" versprochen. Laut russischen Informationen wird dort eine wirtschaftliche Zone neuen Typs vorbereitet.

Zu allem Überfluss wurden im Inneren der Südkurilen eine Menge Bodenschätze entdeckt: Gold, Silber, polymetallische Erze, die Zink enthalten, Kupfer, Vanadium und so weiter. Einen besonderen Wert stellt das Erz des Metalls Rhenium dar, das insbesondere bei der Produktion von reaktiven Motoren Verwendung findet. Es gibt Vorräte an vulkanischem Schwefel und Thermalwasser – was die wertvollsten Ressourcen für die Entwicklung eines gemeinsamen Tourismus sind.

Jeder weitere oder besser folgende Vorschlag ist für die Gegenseite schlechter. Siehe jetzt dort. Und beachten Sie die Reichweiten der Raketen und die Entfernungen zur koreanischen Halbinsel und zum japanischen Territorium. Das passiert, wenn man eigene Interessen den Amerikanern opfert. Glückwunsch!

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15 Kommentare

  1. Japan als gezwungene Prostituierte der USA wird in den sauren Apfel beißen müssen. Interessant ist nur, daß die USA noch nie die Konsequenzen ihrer Kriegsverbrechen tragen mußten, hatten sie doch das Glück, nie einen Krieg auf ihrem Territorium führen zu müssen. Gegen wen auch, es gibt keinen Feind, der sie angreift, nur selbstgemachte Gegner, die als solche aufgebaut werden, um sie überfallen zu können. Und das gilt in der von ihr dominierten westlichen Hemisphere als Demokratisierung. Japan hatte das Pech, seine US gleichen Raubzüge zu einer Zeit zu machen, wo es noch verpönt war. Zumindest im "Wertesystem der Allierten" gegenüber Besiegten! Die USA hat ein Prinzip. Wo immer ein siegreicher US Stiefel seinen Abdruck hinterlassen hat, wird es zum US Protektorat erklärt. Wobei der semantische Unterton den Schutz betreffend nicht wirklich darunter fällt!

  2. Die  Russen werden sicherlich nicht den gleichen fehler begehen, wie beim Abzug aus Mitteleuropa, wo sofort die Amis nachgerückt sind.

    Südkurilen sind nix für die Amis!

  3. Die Kurilen sind gestohlene japanische Inseln so wie Ost- und Westpreußen, Pommern und Schlesien gestohlenes Deutschland sind. Eine Konsequenz des Aufgabe Ostdeutschlands ist die Aufgabe Restdeutschlands im jetzigen Zuwanderungsprozeß – einmal Aufgabe, immer Aufgabe – bis zum Untergang. Die Japaner tun recht, die Rückgabe der Kurilen zu fordern. Daran ist nichts aufdringlich – es sei denn für Unterstützer von Landräubern. Die Angebote der Russen sind als Zeichen ihres schlechten Gewissens zu werten. Im übrigen: wie stabil ist ein territorial riesiges Land, wenn es an kleinen Landflächen wie die Kurilen oder auch Ostpreußen glaubt festhalten zu müssen  ?

    1. Japan`s damalige aggressive Hegemoniebestrebungen mit Millionen von Toten in Korea und China hat einfach den Verlust nach sich gezogen. Erschwerend kommt hinzu, daß sich Japan jahrzehntelang geweigert hat, die Kriegsschuld auf sich zu nehmen und sich dafür zu entschuldigen! Das war eine Kriegsmaschinerie, die alles niederwalzte, besonders die Zivilbevölkerung wurde nie verschont und hat in den beiden erwähnten Ländern schreckliches Leid erdulden müssen. Im Ausgleich dafür nehmen sich die verlorenen Gebiete bescheiden aus, auch wenn sie an Russland gefallen sind!

      1. Zu Kriegsschuldfragen: Es schreibt immer der Sieger die Geschichte. Es ist ehrenwert an Opfer zu erinnern – jedoch sollte aller Opfer gedacht werden: der Atombombenopfer, der Opfer der gnadenlosen Bombardierungen der japanischen und natürlich unserer deutschen Städte. In diesem Zusammenhang die Bombardierer als Menschenrechtsbeglücker zu verehren, erscheint befremdlich. Auf wieviel toten Gebeinen nordamerikanischer Ureinwohner wurde das Menschenrechtsreich errichtet ? Und ganz aktuell: wie steht's mit meinem Menschenrecht der körperlichen Unversehrtheit ? Wenn ich in Baltimore, Detroit, Chicago etc herumlaufe, ist mir nicht immer ganz geheuer. Schon mal erlebt ?

        Und zum Schluß: wie steht's mit der US-Kriegsmaschinerie heutzutage –  1 Million tote Iraker etc. Jetzt wird gejammert, wenn die Folgen des Einsatzes dieser Kriegsmaschinerie sich hier bemerkbar machen. Aber das war vorher – in den 90er Jahren – nicht der Rede wert. Man hat sich an den tatsächlichen und angeblichen Untaten der Besiegten ergötzt. Sonst gab's ja nichts zu schreiben.

    2. "…an ostpreussen glaub festhalten zu müssen" – tatsächlich? 

      die rückgabe königsbergs wurde noch vor 25 jahren angeboten – wollte man aber genau so wenig haben, wie einen friedensvertrag und die loslösung der staatlichen instanzen vom handelsrecht. 

      1. Interessant, haben die Russen Ostpreussen den deutschen angeboten? Habe ich nie von gehört. Ich weiss nur, dass Russland dem Adenauer angeboten hatte, die DDR abzutreten um eine Wiedervereinigung möglich zu machen, wenn Deutschland neutral wird. Adenauer der Verräter hat abgelehnt, er wird sicher vom Vatikan selig gesprochen.

        1. Meines Wissens wurde das nördliche Ostpreußen für 5 Mrd. DM angeboten. Kohl/Genschner lehnten ab – wahrscheinlcih auf US-Druck, denn James Baker hatte doch gesagt, die Deutschen sollten nie wieder dorthin zurückkehren. Hätte man sich jedoch auf das Gorbatschowsche Angebot eingelassen, wäre das nördliche Ostpreußen heute NATO-Gebiet. Man schießt sich also lieber ins eigene Rindfleisch als den Deutschen irgendetwas zugute kommen zu lassen. So sind sie – die lieben Freunde – und zwar nicht nur in dieser Frage.

  4. Man muss eigentlich zwei Aspekte auseinanderhalten. Der erste ist der Rechtsanspruch Japans auf die südlichen "Kurilen", der zweite die strategische Lage der Inselkette. Hier muss man in die Geschichte zurückblicken. Die Japaner haben seit dem 18.Jahrhundert die vier südlichen Kurileninseln besiedelt. Für sie gehörten die Inseln zur nördlichen japanischen Hauptinsel Hokkaïdo. 1855 wurde zwischen Japan und Russland einen Vertrag abgeschlossen. Beide Länder waren sich nämlich auf Grund der Besiedelung der nördlich von Hokkaïdo gelegenen Insel Sakhalin (jap.Karafuto) in die Quere gekommen. In einem Interessenausgleich verzichtete Japan auf Sakhalin und bekam als Ausgleich die gesamte Inselkette der Kurilen zwischen Hokkaïdo im Süden und der russischen Halbinsel Kamtschatka im Norden zugesprochen. Nach der Niederlage Russlands im  russisch-japanischen Krieg 1905 wurde die Grenzziehung nochmals verändert, die südliche Hälfte Sakhalins wurde japanisch. 1945 eroberte die Sowjetunion die vor Kriegsende noch Japan den Krieg erklärt hatte, das südliche Sakhalin und die Gesamte Inselkette der Kurilen, auch die schon im 18.Jahrhundert japanischen Südinseln. Das Problem ist: 1951 schloss Japan in San-Francisco ausschliesslich einen Friedensvertrag mit den Westallierten, bis heute wurde kein Friedensvertrag mit Russland vereinbart. In St Francisco verzichtete Japan zwar auf die Kurilen, liess aber keinen Zweifel daran, dass die Südinseln nicht als Teil der Kurilen, sondern als historischer Teil Hokkaïdos angesehen wurden. Die Amerikaner nahmen in diesem Streit keine Stellung. Aus historischen Gründen kann man also durchaus der japanischen Rechtsauffassung beipflichten die Inseln wären besetztes japanisches Gebiet.

    Ein zweiter Aspekt darf man aber nicht ausser acht lassen: die strategische Lage der Kurilen. 

    Der einzige russische Tiefseehafen am Pazifik Vladivostok ist von Süden her nur durch das japanische Meer, zwischen Japan und Korea zu erreichen. Im Kriegsfall könnte dieser Zugang leicht blockiert werden. Von Osten her gibt es einen zweiten Zugang über das Ochotskische Meer, einem Randmeer des Pazifiks. Das ochotskische Meer ist im Süden aber von den territorialen Gewässern der Inselkette der Kurilen vom Pazifik getrennt. Und gerade hier liegt das russische Dilemna. Die südlichen Kurilen erstrecken sich auf etwa ein Drittel der ganzen Inselkette. Würden also die Russen die Inseln an Japan zurückgeben, hiesse das sich im Kriegsfall selbst einzumauern und vom Pazifik abzuschneiden.

    In einer Entspannungsphase zwischen Ost und West, wie unter Gorbatschow wäre ein solches Zugeständnis vielleicht noch denkbar gewesen. Jetzt aber, da Putin feststellen musste, dass die NATO wider alle Absprachen in Osteuropa bis zur Ukraine nachgerückt ist, wäre eine solche Kapitulation in Fernost völlig illusionär.

  5. genau das ist der springende Punkt Herr Meiers.

    Nichts hinzu zu fügen.

    Herr Prieborn. Wenn Sie ein verfechter der Strategie und der Politik der USA sind

    dann bleiben Sie es.Bitte bevor man aber die Geschichte von 1800 bis heute ändern will

    die Ursachen erfragen und darüber nachdenken was vieleicht für die menschheit besser wäre.

    Ein Kreigtreiber USA uns Nato ? Ich weiß nicht.

  6. Japan hatte im 2.WK. einen  Beistandspakt mit dem dt. Reich.

    Trotzdem beteiligten sie sich nicht am dt. Präventivschlag "Barbarossa"

    Stattdessen attakierten sie die USA.

    Zum Dank für die Rettung der Sowjetunion;

    bei japanischer Beteiligung am Rußlandkrieg wäre die SU mit Sicherheit zusammengebrochen;

    überfielen die Russen  1945 das angeschlagene Japan—

    Undank ist der Welten Lohn

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