Robert F. Kennedy: „Die Araber hassen uns, weil wir unsere Ideale verraten haben“

US-Politiker Robert F. Kennedy, Neffe des Ex-Präsidenten John F. Kennedy, analysierte in einem Artikel die Auswirkungen der US-Politik im Nahen Osten. Seine Antwort ist deutlich. Auch ergeben sich Parallelen aus der Geschichte zur Gegenwart.

Von Marco Maier

Für Robert F. Kennedy ist das Verhältnis der Araber zu den Amerikanern kein Einfaches. Aber er sucht die Schuld nicht beim Islam oder der Ideologie, sondern vor allem im Verhalten der Amerikaner den Arabern gegenüber. Auf den Punkt gebracht schrieb er in seinem Artikel für das US-Magazin "Politico": Sie hassen nicht "unsere Freiheiten". Sie hassen es, dass wir unsere eigenen Ideale in ihren eigenen Ländern verraten haben – für Öl.

"Amerikas widerwärtiger Rekord von gewalttätigen Interventionen in Syrien – den Amerikanern kaum bekannt, aber umso mehr den Syrern selbst – säte den gewalttätigen islamischen Dschihadismus auf fruchtbaren Boden, welcher nun jegliche effektive Antwort unserer Regierung erschwert und verkompliziert, die Herausforderung des 'Islamischen Staates' anzunehmen", so Kennedy. Er mahnt dazu an, dass sich die amerikanische Öffentlichkeit und die US-Politiker der Vergangenheit bewusst werden müssen, da ansonsten eine weitere Verschärfung des Konflikts droht.

Kennedy verwies auch darauf, dass die IS-Führer eine militärische Intervention in Libyen provozieren wollen, weil sie – laut einem Bericht der New York Times – aus eigener Erfahrung wissen, dass sie daraufhin mit freiwilligen Kämpfern überschwemmt werden und die Stimmen der Mäßigung keine Chance mehr haben. Dies würde die islamische Welt nur noch weiter gegen die USA zusammenschweißen.

"Um die Dynamik zu verstehen, müssen wir die Geschichte aus der syrischen Perspektive betrachten und teilweise die Samen des aktuellen Konflikts. Lange bevor wir im Jahr 2003 den Irak besetzten, haben wir den sunnitischen Aufstand ausgelöst, der sich in den 'Islamischen Staat' verwandelt hat. Die CIA hat den gewalttätigen Dschihadismus als eine Waffe des Kalten Krieges genährt und die Beziehungen zwischen den USA und Syrien mit einem giftigen Paket belastet", schrieb Kennedy weiter.

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Dieser Aktionismus sei in den USA nicht unumstritten gewesen. Sein Onkel, John F. Kennedy, beschwor damals im Jahr 1957 noch als Senator die Eisenhower-Administration, den Arabern das Recht auf Selbstbestimmung zuzugestehen und forderte ein Ende der amerikanischen imperialistischen Einmischung in den arabischen Ländern, wie der US-Politiker schrieb. "Im Laufe meines Lebens und besonders während meiner häufigen Reisen in den Nahen Osten, erinnerten mich unzählige Araber an diese Rede", so Kennedy. Dies sei das deutlichste Statement jenes Idealismus gewesen, welches sie von JFKs Rede erwartet hätten. Ein Aufruf, die USA auf die hohen Werte der Atlantik-Charta zu verpflichten – die formelle Zusage, dass alle ehemaligen europäischen Kolonien nach dem Zweiten Weltkrieg das Recht auf Selbstbestimmung erhalten sollten.

Es war Franklin D. Roosevelt, welcher die anderen alliierten Führer dazu brachte, die Atlantik-Charta im Jahr 1941 zu unterzeichnen – dies war nämlich offiziell seine Vorbedingung, damit die USA die europäischen Mächte im Kampf gegen den Faschismus unterstützen würden. Doch später begann die Einmischung der USA in die inneren Angelegenheiten der arabischen Länder und anderen islamischen Staaten in der Region (Persien/Iran, Afghanistan…). Vor allem für die Araber war dies ein Verrat durch die Amerikaner, weil diese ihre Freiheitsideale – welche sie stets als Schild vor sich her trugen – mit ihren Interventionen verraten haben. Vor allem die CIA-Operationen und -Putsche in Jordanien, Syrien, Iran, Irak und Ägypten blieben den Menschen dort im Gedächtnis. Der sogenannte "Bruce-Lovett Report" listet all diese verhängnisvollen Interventionen auf und verdeutlicht, wie sehr die CIA für den wachsenden Antiamerikanismus verantwortlich zeichnet.

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"Das ist die blutige Geschichte, welche die modernen Interventionisten wie George W. Bush, Ted Cruz und Marco Rubio vergessen, wenn sie ihren narzisstischen Tropus darüber rezitieren, wie die Nationalisten im Nahen Osten 'uns für unsere Freiheiten hassen'. Zum Größten Teil tun sie das nicht, allerdings hassen sie uns dafür, dass wir sie um ihre Freiheiten – unsere eigenen Ideale – in deren eigenen Grenzen betrogen haben", so Robert F. Kennedy in seinem Artikel weiter.

In einem historischen Abriss erklärte Kennedy, wie Präsident Eisenhower und die Dulles-Brüder (CIA-Direktor Allen und Außenminister John F. Dulles) im arabischen Nationalismus eine Gefahr sahen, welche mit dem Kommunismus gleichzusetzen wäre – und so unterstützten sie Diktatoren in Saudi-Arabien, Jordanien, Irak und im Libanon, wobei sie Marionetten mit konservativen dschihadistischen Ideologien bevorzugten, weil sie darin einen Gegenpol zum egalitären Kommunismus sahen – und dies speziell in jenen Ländern, wo die arabische Selbstbestimmung die Ölkonzessionen der US-Firmen bedrohten.

So auch in Syrien, wo die sekulare Führung bezüglich eines transarabischen Pipeline-Projekts von Saudi-Arabien aus über Syrien in den Libanon zögerte. Dann wurde mittels der CIA einfach geputscht. Hier zeigt sich übrigens auch eine Analogie zur heutigen Zeit: Auch heute wollen die Golfstaaten eine (Gas-) Pipeline von Katar aus über Syrien leiten, um so den Europäern eine Alternative zum russischen Erdgas bieten zu können. Doch Präsident Assad weigerte sich, womit er zum Abschuss freigegeben wurde.

Die USA brauchen sich also nicht darüber zu wundern, dass sie in den arabischen Ländern so verhasst sind. Wer für die Profite von privaten Unternehmen und aus purem politischen Eigennutz andere Völker verrät, muss auch die entsprechenden Konsequenzen tragen.

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4 Kommentare

  1. Da ist was wahres dran. Aber nicht nur deshalb verachten sie uns, sondern weil wir Ungläubige als Nichtmoslems in ihren Augen sind. Andererseits haben sie schnell von uns gelernt und nützen die gottlose Technokratie zu ihrem Vorteil gegen uns. Vor allem in der Finanzwelt! Und beim Einkauf unserer Wirtschaft! Sie schlagen uns mit unseren eigenen Defiziten!

    1. Das ist alles sehr hoch gegriffen,da  der Islam eine männliche Religion(Ideologie) ist und für die Männer besteht der größte Hass darin, dass nichtislamische Frauen, wie die Europäerinnen es wagen, nicht als veritable Jungfrau in die Ehe zu gehen. Für sie sind europäische Männer die größten Waschlappen der Welt, dass sie eine virgo non intacta in die Ehe führen, das ist für sie  unvorstellbar. Nicht umsonst macht auch heute noch die Mutter der Ehemänner morgens nach der Hochzeitsnacht den Bluttest. Man ma ges Mittelalter nennen oder man mag es auch gut finden, immerhin ist man der "erste" bei der Ehefrau und um darum geht es und sonst um nichts, jedenfalls bei dem Durchschnittsmuslim.

  2. Robert F. Kennedy Jr. muss genau wissen wovon er spricht. Sein Vater, der frühere US Senator, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Justizminister und Bruder des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, Robert F.Kennedy Sr. wurde 1968 in der Eingangshalle des Hotels Ambassador in Los-Angeles vom Pälästinenser Sirhan Bishara Sirhan erschossen weil er Israelfreundliche Positionen vertreten hatte und die Lieferung von Kampfflugzeugen an Israel befürwortete!

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