Mann bei der Arbeit.
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Österreich: Niedriglohnsektor und Hartz-IV-Modell im Gespräch

Angesichts der inzwischen wieder recht hohen Arbeitslosigkeit in Österreich, werden radikale Maßnahmen angedacht. Darunter die Etablierung eines Niedriglohnsektors und ein Österreich-Hartz-IV. Dabei gäbe es bei den Lohnnebenkosten durchaus Spielraum, den man nutzen könnte.

Von Marco Maier

Bislang war Österreich eigentlich immer schon stolz darauf, mittels der Kollektivverträge für einzelne Branchen oder Berufe einen bundesweit gültigen Mindeststandard in Sachen Bezahlung, Arbeitszeiten, Kündigungszeiten und dergleichen zu haben. Dieses System sorgt dafür, dass es innerhalb der einzelnen Berufe und Sparten keinen Lohndruck nach unten gibt, zudem erweist sich das System als deutlich flexibler und gerechter als ein "flächendeckender Mindestlohn" wie nun in Deutschland, wo dieser für einen Friseur genauso gilt wie für einen Maurer oder Ingenieur.

Doch damit soll es bald schon vorbei sein, wenn es nach diversen Experten, wie zum Beispiel dem ehemaligen Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS) Christian Keuschnigg geht. Dieser geht nur nach dem Motto "Jede Beschäftigung entlastet den Sozialstaat" vor, weshalb das deutsche Hartz-IV-Modell inklusive Niedriglohnsektor als gutes Beispiel diene.

Allerdings liegt das Problem in Sachen Beschäftigung weniger in der Lohnhöhe, als vielmehr bei den Lohnnebenkosten, die in Österreich – im europäischen Vergleich – recht hoch sind. Pro 100 Euro Bruttoverdienst lagen diese im Jahr 2014 bei 36 Euro. Im EU-Schnitt mussten von den Unternehmen 31 und im Euroraum-Schnitt 35 Euro bezahlt werden. Wobei hier vor allem Frankreich (47), Belgien (44) und Italien (39) deutlich zur Anhebung beitrugen. In Deutschland hingegen müssen Unternehmen pro 100 Euro an Bruttolohn nur 28 Euro an Lohnnebenkosten einplanen.

Es kann nicht sein, dass eine Bekämpfung der Arbeitslosigkeit mit der Schaffung eines Niedriglohnsektors erfolgen soll, wenn es effektivere Maßnahmen für ein Beschäftigungswachstum gibt. Das bedeutet eben auch, dass man den Faktor Arbeit günstiger machen muss. Dann lohnt es sich für viele Arbeitgeber auch, zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen, ohne dass dies zulasten der Arbeitnehmer geht. Denn was nützt eine zusätzliche Beschäftigung, wenn diese sich nicht auf den Binnenkonsum auswirkt, weil die Menschen nicht genug verdienen? Zudem müssten die öffentlichen Haushalte dann trotzdem Geld bezahlen – und zwar in Form der Mindestsicherung, was einer finanziellen Alimentierung des (zukünftigen) Mindestlohnsektors entspricht und damit den "Aufstockern" in Deutschland gleichkommt.

Österreich braucht keinen Niedriglohnsektor, weil das Land ohnehin nicht mit den Billiglohnländern Asiens und Afrikas mithalten kann. Trotzdem kann man über den Hebel der Lohnnebenkosten versuchen, zusätzliche Beschäftigung zu schaffen und so die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Die Mindereinnahmen für die Sozialversicherung würden so zumindest teilweise wieder kompensiert. Als Rechenbeispiel: Ein Unternehmen mit 100 Angestellten die jeweils 2.000 Euro Brutto verdienen zahlt für diese jährlich alleine für den Dienstgeberanteil an der Sozialversicherung rund 600.000 Euro. Fällt dieser weg, könnten damit bis zu 20 neue Arbeitsplätze finanziert werden. Bei einer Halbierung des Beitrags wären immerhin noch 10 neue Stellen drin. Wie man sieht, gibt es da durchaus Handlungsspielraum, auch wenn man dafür bei den Sozialversicherungen endlich eine Reform durchbringt.

15 comments

  1. Sie bauen schon das Modell für den Migranten am Arbeitsmarkt. Und Herr und Frau Österreicher sind gezwungen, sich dem kompetitiven Wettstreit dort zu fügen. Was soll denn Hartz 4 bringen, außer Verarmung??? Wenig Lohn  bekommt man normalerweise für wenig oder schlechte Leistung. Also sollte Hartz 4 bei den Politikern als erstes eingeführt werden! Würde man mit den Steuergelder verantwortungsvoller umgehen, wäre Raum für eine Lohnnebenkostensenkung gegeben.

  2. Naja…bei Hartz 4 und Niedriglöhnern, die eventuell aufgestockt werden müssen zahlt die Rechnung eben der Steuerzahler, also wir. Deshalb wird das so gemacht. Es werden dann Subunternehmen gegründet, die Niedriglöhner beschäftigen. So sind die Firmen nicht gezwungen "teure" Vollzeitler selbst anzustellen. Ich denke schon, dass ich da nicht 100%ig richtig liege aber so grob stelle ich mir die Gedankenwelt dieser "Experten" vor. Man optimiert die Arbeitskosten der Betriebe auf Kosten des Steuerzahlers. Mehr ist das nicht. Das hat den tollen Nebeneffekt, dass man damit die Binnennachfrage reduziert und auf Billigware aus armen Ländern angewiesen ist. Die müssen die Waren (Kleidung z.B.) so billig herstellen, dass sich die Unterschicht des Westens das noch leisten kann. Das ganze ist also eine ganz tolle Abwärtsspirale für den Normalo. Allerdings nicht für die, die sich solche Dinge ausdenken…die werden reich und reicher. Immer wenn "Experten" sagen, wir brauchen das unbedingt und dringend und mit Panikmache daher kommen, ist höchste Vorsicht geboten und oft das Gegenteil von dem nötig, was uns erzählt wird. Die Löhne müssen RAUF, nicht runter. Die Bildung muss RAUF, nicht runter. Wenn Leute genug verdienen, kaufen sie mehr, gründen Familien und sichern die Rente. Seltsamerweise verstehen die "Experten" diese Zusammenhänge nicht. Naja, bald kommt ja TTIP für alle, dann haben sich diese Dinge sowieso erledigt. Wenn das Ding durch ist, gründe ich eine Firma und das einzige was ich dann mache ist, den Staat dank der Schiedsgerichte nach Strich und Faden zu verklagen. Damit komme ich dann auch über die Runden.

    • DasLebenDesBrian

      Genauso wie Obama es schildert läuft das. Allerdings, es wird die nächsten Monate noch überstehen, ein ganzes Jahr nicht mehr.

      Der Druck nach unten hat daraus ein Weltweite Wirtschaftskrise mit zugehöriger Deflation gemacht. Man war also quasi erfolgreich beim Wettrennen nach unten, wo nur der Geiz wirklich Geil ist.

      Worum es jetzt noch geht ist die Enteignung der Realwirtschaft durch die Finanzmarktindustrie. Die Unternehmer werden also im letzten Schritt von den Spekulanten platt gemacht, aufgefressen.

  3. Wenn die Österreicher in der breiten Masse verarmen möchten und zusehen wollen, wie der Einzelhandel in den Städten stirbt, mit der materiellen Verelendung Schmutz und Unrat wachsen, so ist die Einführung obiger "Maßnahmen" dringendst angeraten.

    Herzlichst Piefke

     

  4. Eine Absenkung der "Lohnnebenkosten" ist doch nichts anderes als eine Lohnsenkung, oder?

  5. Diese Idee mag ja richtig sein ABER würden Arbeitgeber tatsächlich Menschen einstellen die sie NICHT brauchen ? In der Theorie würde ich sagen könnte es mit 20 Arbeitnehmer mehr dann klappen doch wer würde annehmen das HEUTE schon Arbeitgeber auf Arbeitnehmer verzichten wenn sie diese wirklich brauchen ? So könnte man nach dieser theoretischen Idee zwar bei 1 Mio Arbeitnehmern dann 200000 zusätzliche einstellen aber werden die überhaupt gebraucht wenn Robotor,Maschinen und Computer diese Arbeit machen ? Ein NARR ( so meine Meinung ) wer denkt das 10 Mio solcher Steuervergünstigungen dann auch 2 Mio NEUE ! Arbeitsplätze schaffen .. siehe BRD > da werden 2 Mio Arbeitsplätze "geschaffen" in dem Mann aus 1 Mio Vollzeitstellen mal eben 2 Mio Teilzeitstellen macht = ein Zaubertrick !! mehr nicht …

  6. Das einzige wichtige Motiv ist das Gleiche wie in Deutschland, Proftmaximierung auf Kosten der Steuerzahler! Wer dabei auf der Strecke bleibt ist der Politik und erst recht der Wirtschaft scheißegal… Wenn die Österreicher das mit sich machen lassen dann haben sie in Kürze das selbe wie in Deutschland Massenverarmung, hierzu sei noch gesagt dass die Zahlen der Arbeitslosen Statistik massivst gefälscht sind. In Wirklichkeit gibt es in Deutschland mindesten 15-17 Millionen Abreitslose und nicht nur drei Millionen und jetzt kommen jährlich noch 1,5 Mio Asylforderer zzgl. Anhang dazu

  7. Wir brauchen eine deutliche Aufstockung der Mindestlöhne, damit es auch wieder für einen einfachen Arbeiter möglich ist, mit seiner Arbeit eine Familie zu ernähren. Wenn einzelne Unternehmen die Löhne nicht zahlen können, sollten sie ihre Bedürftigkeit bei den Jobcentern nachweisen und dort Lohnkostenzuschüsse beantragen dürfen.

  8. Kein Unternehmer hat Dtz. Vor neue Arbeitsplätze zu schaffen. Es soll nur mit wenig Aufwand der maximale Gewinn erzielt werden. (shareholdervalue) ….und der Konsument? Auch er ist von der Schnäppchenjagd längst gefangen. Marketingstrategien erzählen ihm ja laufend was er alles neues und hippes zu Dumpingpreisen benötigt um an der Gesellschaft teilhaben zu dürfen. Der globale Rückgang der Produktion und die Überproduktionshalden (zB deutsche Autofriedhöfe) geben einem völlig überbordenden kreditkarusell früher den Rest als wir alle Glauben(expondentialfunktion des Zinseszins) dann ist ein systemreset notwendig. Freiwillig durch Mitbestimmung der Bürger und Experten. Oder unfreiwillig…durch Revolution…seitens derer, die man Dtz. Aus dem System (gesellschaftlichem Leben) drängt. Im letzten Fall wird das blutvergiessen entsetzliche Ausmaße annehmen. (Sieh Geschichte) Zeit für einen weltweiten regimechange…mit Verstand und nachhaltigkeit! 

  9. Was macht die Länder mit europäischer Kultur so anziehend für den Rest der Welt? Nö, nicht Kunst und Kultur. Der materielle Lebensstandard. Den wollen die auch haben. Darum muß er weg.

  10. Glaub nicht dass man sowas einführen wird bei uns

    Im Grunde hat sich Österreich ja immer erhaben gefühlt gegenüber Deutschland weil man eben nicht dieses Hartz IV Sklavensystem hat

    Ist so ähnlich wo wir 'auf einmal' angefangen haben unsere Grenzen zu kontrollieren und uns daran aufgeilen…obwohl Ungarn als Erster damit angefangen hatte und von uns kritisiert wurde als fremdenfeindlich oder so

    Einfach nur heuchlerisch sowas

  11. Sind die wahnsinnig die Österreicher? Die soziale Atombombe Hartz4 wird Not und Elend wie in Deutschland über weite Teile der Bevölkerung bringen. Hartz4 war in der Höhe von 500 Euro für jeden Erwerbslosen gedacht und daraus sind 350 Euro geworden. Hartz 4 hat zur großen Verarmung der Betroffenen in Deutschland geführt. 2,5 millionen Kinder gehen hungrig ins Bett oder werden mit minderwertigem Frass gefüttert. Hartz4 ist der Untergang für ein geregeltes miteinander auf dem Arbeitsmark Soziale Marktwirtschaft gibt es in Deutschland seit 20 Jahren nicht mehr. Lasst die Finger von diesem Totschlaginstrument ihr lieben Österreicher!

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