Mallorca: So kann man die Touristen auch fernhalten

Die Schlagzeile könnte lustiger nicht sein: Deutschlands siebzehntes Bundesland, Mallorca, wird Ende 2016 steuerlich weiter an Deutschlands Bürokratie angepasst.

Von Marcel Grasnick

Zwar gehört diese Neuigkeit für mich persönlich zu den eher unwichtigen Neuigkeiten, aber sie ist interessant genug, um sich damit einmal kurz auseinanderzusetzen. Und so neu ist sie auch gar nicht, ehrlich zugegeben. Doch wenn man ohne die "normale" Presse lebt, sind solche alten Neuigkeiten doch auch eine Neuigkeit. Und ehrlich, Mallorca ist ein schönes Fleckchen Erde, um sich zu entspannen und dem alltäglichen Wahnsinn in Deutschland ein Stück weit zu entfliehen, sofern Ballermann und Co. gemieden werden.

Ab Ende 2016 wird eine Kurtaxe auf allen Baleareninseln erhoben: "Die Besucher werden dazu beitragen, das Paradies der Balearen zu erhalten", so Tourismusminister Biel Barceló. Tatsächlich ist die Haupteinnahmequelle auf den Inseln eben der Tourismus. Doch, da möchte man sich fragen, wohin versickern all die Millionen, die die erholungssuchenden Urlauber mit sich bringen? Was ist mit den 18 Prozent Mehrwertsteuer? Und warum reichte die einmalige Ökosteuer nicht, die Ende 2002 erhoben wurde? Man sollte doch meinen, dass ein Teil der Umsätze dahingehend investiert wurde, um die Schönheit der Inseln zu erhalten? Anscheinend nicht, sonst wäre dieser Schritt nicht nötig gewesen.

Dass den Ballermann-Sauftouristen jeder Cent abgeknöpft wird und strengere Regeln gelten sollen, ist durchaus verständlich, nachvollziehbar und zu befürworten. Doch haben die Inseln schon ein wenig mehr zu bieten – und muss man alle Touristen dafür büßen lassen? Warum nicht gleich den Ballermann schließen und dafür vernünftige Touristen holen? Dann fehlt wahrscheinlich der größte Teil der Umsätze. Schließlich ist es schon eine eigene, kleine Welt, in der sich die Menschen gehen lassen können.

Und: Ein ganz wichtiger Punkt bei den Überlegungen ist der Umstand, dass mehr als die Hälfte der Deutschen sich nicht einmal mehr einen Urlaub im Jahr leisten können. Wenn nun noch die Kurtaxe dazu kommt und die Tourismusbranche daraus das Resümee zieht, die Preise ebenfalls ein wenig anzuziehen und noch eine kleine Gewinnmarge darauf zu schlagen, dann bleiben noch mehr Urlauber weg. Urlaub ist einfach nur noch purer Luxus – und Mallorca stand bisher für günstige Erholung. Doch dieser Ruf wird damit gewaltig Schaden erleiden. Die Zukunft wird es zeigen, ob wir dann doch bald nur noch die tatsächlichen 16 Bundesländer haben und Mallorca mehr international wird.

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3 Kommentare

  1. In den "Sodom & Gomorra Zonen" Ballermann und Co. konnte ich die "obszöne Dekadenz" der ru(h)mvollen "Verteidiger des Abendlandes" ungeschminkt bestaunen. Keine weiteren Fragen, Euer Ehren.

  2. Richtig! Weit über die Hälfte der "Buntenbürger" KÖNNEN sich nicht mal ein Woche Urlaub irgendwo erlauben! Dann jene, die dennoch oder trotzdem ein wenig Lebensqualität erübrigen können…oft auf die Hoffnung eines milden Winters, wegen der Heizung…denen noch mehr und immer noch mehr abzunehmen, ist, als würde man die Kuh, die man melken möchte, schlachten. Machts nur…ist eh bald mal wieder für Jahre vorbei, mit Urlaub ohne Angst.

  3. Die Kurtaxe wird bereits an vielen anderen Orten erhoben, stellenweise sogar städteweise. Solange sie nur einmalig mit der Anreise erhoben wird und sich in einem akzeptablen Rahmen hält (z.B. € 20.-), sehe ich da keine Probleme. Wenn sie es allerdings übertreiben sollten, okay….

     

    Allen ein frohes Osterfest

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