Nachdem die Kurden im Irak bereits eine autonome Region haben, wollen dies auch jene in Syrien umsetzen. Die Spaltung des vom Krieg zerrissenen Landes beginnt – und damit auch ein neues Kapitel in der Neugestaltung der politischen Landkarte des Nahen Ostens.

Von Marco Maier

Die politische Landkarte im Nahen Osten wird derzeit neu gezeichnet. War schon der Vernichtungsschlag gegen Saddam Husseins Irak ein solcher Schritt in diese Richtung, so vollzieht sich in Syrien gerade der nächste. Treibende Hauptkraft sind sowohl hüben wie drüben die Kurden, welche bereits im Irak ihre autonome Region besitzen und weiterhin nach Unabhängigkeit streben. Nun folgen die Kurden in Syrien, die im Norden des Landes ihre eigene "Bundesföderation" aus den vorwiegend kurdisch besiedelten Bezirken Afrin, Dschasire und Kobane im Gebiet Rojava ausriefen.

Mit diesem Schritt setzen die Kurden Syriens jedoch nicht nur den nächsten Wegpunkt hin zu einem eigenen kurdischen Staat (der neben den irakischen und syrischen Kurdenregionen auch das türkische Kurdistan umfassen soll), sondern erhöhen damit auch den Druck auf Damaskus und Ankara.

Die syrische Regierung, die diese Erklärung der Kurden als "wertlos" bezeichnete, welche "keine rechtlichen, politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Auswirkungen" habe, sieht sich damit mit dem endgültigen Zerfall des Landes konfrontiert. Denn selbst wenn der "Islamische Staat" vernichtend geschlagen werden sollte, gibt es in der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit des Landes genügend radikale Kräfte, die ihrerseits in ihren Regionen ihren eigenen Staat (mit einer Saudi-hörigen Marionettenregierung) ausrufen könnten.

Auch in Ankara will man einen solchen Kurdenstaat an der eigenen Grenze nicht tolerieren, zumal die in Syrien vorherrschende PYD ein Ableger der in der Türkei verbotenen separatistisch-kommunistischen PKK ist, welche dort (sowie in der EU und den USA) als Terrororganisation gilt. Vor allem würde dies dazu führen, dass die Kurden in der Türkei selbst ihren Traum von einem eigenen Staat, Kurdistan, als realistische Möglichkeit betrachten könnten, was der PKK neuen Auftrieb verschaffen würde. Doch gegen die führt Ankara seit letztem Jahr wieder Krieg.

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Alles in allem scheint der Plan der US-Eliten aufzugehen: Nachdem schon der Irak gefügig gemacht wurde, kann man nun zumindest Syrien zerschlagen, nachdem sich Präsident Assad als zäherer Kerl erwiesen hat, als man jenseits des Atlantiks dachte – wobei man hier auch nicht Moskaus Hilfe vergessen darf. Doch wenn alles nach dem Schema läuft, welches geopolitisch für die USA ein positives Resultat bringt (also nachdem Plan A, Assad zu stürzen, nicht klappte, versucht man es eben mit Plan B, der Zerstückelung Syriens), ist Syrien als Staat bald Geschichte und noch die heutige Generation kann erleben, wie die politische Landkarte des Nahen Ostens komplett neugeschrieben wird.

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3 thoughts on “Kurdische Selbstverwaltung: Die Teilung Syriens beginnt”

  1. "Die Teilung Syriens beginnt"  –  Einen ganz fetten Happen hat sich der südliche und friedliebende Nachbar (die einzige Demokratie im Nahen Osten) Israel, über Völkerrecht und UN-Ultimatum hinwegsetzend, einverleibt. Er beutet seit eingen Jahren ( 2013) das unter den Golan-Höhen reichlich vorhandene Öl aus. Behilflich ist dabei ein US-Unternehmen namens GENIE-Energie, Anteilseigner Lord jacob Rothschild und Rupert Mudoch, der werte Dick Cheney steht beratend zur Seite.

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