Japan verdeutlicht, warum die EZB-Geldpolitik gefährlich ist

Seit nunmehr rund 25 Jahren agiert man in Japan mit einer Politik des billigen Geldes. Geholfen hat es nichts, stattdessen viele Dinge verschlimmert. In der EZB ignoriert man das.

Von Marco Maier

Die Sicht der Verantwortlichen in Europa ist etwas einseitig und verklärt, wenn es um die japanische Geldpolitik geht. Denn der Fokus liegt lediglich auf der Deflation – besser: dem Fehlen dieser. Die anderen Faktoren werden jedoch außer Acht gelassen. Das ist gefährlich. Denn die Politik des billigen Geldes und der damit verbundenen Exzesse auf den Finanzmärkten haben weitaus dramatischere Auswirkungen als eine kurze Phase der Deflation.

Das was wir in Japan sehen ist nämlich eine massive Verschuldung des Staatshaushalts für Konjunkturpakete, gewaltige Spekulationsblasen an den Börsen und eine stark wachsende Umverteilung von den Armen hin zu den Reichen. Niedrige Kreditzinsen ermöglichen es nämlich auch den Vermögenden, günstig Geld auszuleihen und für deutlich höhere Renditen irgendwo auf dem Planeten anzulegen. Die Boomphasen in Südostasien (1993-97) samt dem nachfolgenden Crash und die verschiedenen Börsenbooms in den USA und China in den Folgejahren begründeten sich oftmals auch am starken Zufluss japanischen Kapitals. Allerdings führten diese Exzesse auch in Japan zu Finanzkrisen.

Wenn nun die EZB eine ähnliche Geldpolitik verfolgt, droht ein similares Szenario. Vor allem dann, wenn die Staatshaushalte die Niedrigzinsphase für staatliche Konjunkturspritzen verwenden. Immerhin mag es derzeit noch finanzierbar sein, doch spätestens dann wenn die Zinsen wieder anziehen – und das werden sie – wird es wirklich teuer. Oder glaubt irgendwer daran, dass Japan seine Staatsverschuldung von 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts überhaupt tragen könnte, wenn dafür 5 Prozent Zins fällig wären?

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Die Eurozone bewegt sich Dank der geldpolitischen "Glanzleistung" der EZB derzeit auf sehr dünnem Eis. Doch sowohl Japan als auch die USA, Großbritannien und die Eurozone können das Spiel nur verlieren. Das Problem des bestehenden Systems liegt ja einfach auch darin, dass die umverteilende Wirkung der Zinsen zu einer enormen Kapitalkonzentration samt Verwerfungen führt und eine Nullzinspolitik eben auch die Spekulationsblasen anfacht. Wie man es dreht und wendet, so muss das System irgendwie zusammenbrechen. Doch das kommt eben auch davon, wenn man nur in den ewig gleichen Bahnen denkt.

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2 Kommentare

  1. Warum wird Japan immer, als eigenverantwortliches Land, zum Vergleich herangezogen, welches nur sehr entfernt etwas mit dieser Pleiteunion in Europa zu tun hat?

    So sollte lieber der Augenmerk auf den IWF, sowie die EZB gerichtet werden, denen man nur noch eine Betriebsblindheit bescheinigen kann, in der man nicht sehen will oder kann, daß ihre Schuldensozialisierung, unter der Nichtbeachtung sämtlicher ökonomischer Regeln, in die gleiche Katastrophe führen muß, wie einst 1790 ein gewisser Alexander Hamilton den durch den Unabhängigkeitskrieg in den U.S.A. aufgehäuften Schuldenberg auf die gleiche Art wie die EZB heute, reduzieren wollte und das 1865 mit 600.000 Toten endete. Vermutlicht ist die deutsche Öffentlichkeit zu sehr vernarrt in ein neues 'Vom Winde verweht', da nur wenig gegen das GAS – Germany's Asset Stripping, von der Bankenunion über die illegale Staatenfinanzierung des 'QE' bis zu der Enteigung der Sparer und Steuerzahler durch die EZB unternommen wird, um nur die Eckpunkte der Aushöhlung der Kaufkraft dieses EUROsions-Systems zu nennen.

  2. Während die Europäische Zentralbank noch dabei ist zu entscheiden, ob und wann sie aufhören will, 500-Euro-Scheine zu drucken, hat die Bank von Griechenland, Teil des Eurosystems der EZB, bereits einen neuen Pflock im Krieg gegen das Bargeld eingeschlagen. Jedem, der einen 500-Euro-Schein zur Bank bringt, droht eine Geldwäscheuntersuchung.

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