Ist eigentlich jemand #JeSuisLahore?

Nach #JeSuisCharlie, #JeSuisParis und nun #JeSuisBruxelles wäre es auch einmal an der Zeit, der vielen Anschlagsopfer außerhalb Europas zu gedenken. Nach dem jüngsten Anschlag im Irak folgte nun einer in Pakistan.

Von Marco Maier

Mindestens 70 Menschen, darunter 29 Kinder, kamen bei einem Selbstmordanschlag in der pakistanischen Millionenstadt Lahore ums Leben, über 340 Menschen wurden dabei verletzt. Ein Mitglied der pakistanischen Terrorgruppe Jamaat ul-Ahrar, ein Taliban-Ableger, soll sich mit 20 Kilogramm Sprengstoff im Gepäck auf dem Park in die Luft gesprengt haben, wo Hunderte Christen der Stadt den Ostersonntag verbrachten. Aber auch muslimische Familien verbrachten den Tag im beliebten Park.

Nach dem blutigen Anschlag im Irak vor wenigen Tagen, als sich ein IS-Mitglied bei der Siegerehrung eines Fußballturniers mitten zwischen den feiernden Menschen in die Luft sprengte und Dutzende Menschen mit in den Tod riss, ist dies schon der zweite Anschlag seit Brüssel, bei dem Hunderte Menschen wegen solcher Selbstmordattentäter getötet oder verletzt wurden.

Anschläge wie dieser passieren ständig. Im Nahen Osten, in Afrika und eben auch im Mittleren Osten. Jährlich sterben in diesen Regionen zehntausende Menschen durch Attentate und Anschläge extremistischer Gruppen. Da erscheinen die wenigen Anschläge durch Islamisten in Europa geradezu als Ausnahmen.

Dennoch werden solche Anschläge in Europa nur beiläufig aufgegriffen, sofern es dabei nicht wie im Fall der Anschläge auf die Hotels in der Elfenbeinküste auch mal Europäer erwischt. Es sind ja ohnehin nur Araber, Muslime, Afrikaner, Pakistanis und was weiß ich was, oder? Dass der gestrige Anschlag in Lahore etwas mehr Aufmerksamkeit erhält, mag wohl einerseits daran liegen, dass am Osterwochenende die Zahl der medial verwertbaren Meldungen recht gering ist – andererseits traf es ja dieses Mal auch Christen, nicht "nur irgendwelche Muslime". Aber ein #JeSuisLahore samt pakistanischer Flagge im Profilbild der Facebook-Nutzer darf man wohl auch jetzt nicht erwarten. Und auch der Eiffelturm oder das Brandenburger Tor werden gewiss nicht in den Farben der pakistanischen Flagge angeleuchtet.

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Sicher, angesichts des Terrors weltweit müsste man beinahe täglich die Flaggen wechseln und der Opfer gedenken – trotzdem wirkt es doch sehr einseitig, wenn nur jene Menschen Beachtung finden, die zufällig in einem Land in der Nähe bei Anschlägen sterben, während die anderen Menschen nur eine Randnotiz bleiben. So nach dem Motto: "Oh, da hat es ja wieder gerummst". Und das wars dann auch schon.

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Ein Kommentar

  1. So ist der Westen.

    Der westen kann im Iraq kein Polzeistaat einfüren wie sie es jetzt in Europa vor haben.

    Fakt ist es sterben mehr Muslime bei Terrorangriffen als andere Glaubensrichtungen.

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