Für den Frieden? Ukrainer demonstrierten in Lissabon

In Lissabon demonstrierten Ukrainer „für den Frieden“, doch die militaristischen Forderungen und die Teilnahme nationalistisch-faschistischer Gruppen macht dies zu einer unglaubwürdigen Veranstaltung.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Seit Mitte der 90er Jahre leben Ukrainer, Russen und Moldauer in Portugal. Durch die Krise sind viele in ihre Heimat zurückgekehrt. Doch der Krieg in der Ukraine hat die ukrainische Gemeinde in Portugal wieder anwachsen lassen. Zwischen Krise und Krieg eingequetscht wollen sie endlich Frieden. Das ihre Sicht der Dinge etwas einseitig ausfällt, ist nachvollziehbar, hilft dem Frieden aber nicht im geringsten.

Krieg ist immer auch ein Kampf um die öffentliche Meinung. So sind auch Demonstrationen, Protestaktionen „Märsche für den Frieden“ oder „gegen den Krieg“, immer auch eine Form der Einflussnahme in einem Konflikt. Der Krieg in der Ukraine ist da keine Ausnahme und während auf dem Roten Platz in Moskau für den Frieden und für eine Abspaltung des Donbass in der Ostukraine demonstriert wird und Tauben freigelassen werden, haben die Ukrainer in Lissabon und vielen anderen Städten für ihre Version eines Friedens demonstriert.

Lissabon, 28. Februar 2016. 200 Demonstranten nahmen an einem internationalen Protestmarsch gegen den Krieg in der Ukraine teil. Unter den vorwiegend ukrainischen Demonstranten waren auch einige portugiesische Friedensaktivisten und Freunde der in Portugal perfekt integrierten Osteuropäer. Die Botschafterin der Ukraine ließ es sich ebenfalls nicht nehmen an der Aktion teilzunehmen, um so „ein Zeichen zu setzen.“ Im Gegensatz zu früheren Demos waren diesmal keine Russen dabei, um für eine friedliche Lösung einzustehen.

Zwischen den blau-gelben Fahnen und Plakaten, waren auch Mütter, die mit den Fotos ihrer gefallenen Söhne an eine friedliche Beilegung des Konflikts appellierten. Doch auch eine rot-schwarze Fahne der KUN war zu sehen. Keiner der Beteiligten schien sich sonderlich daran zu stören, dass die Fahne der Nationalisten, die den Krieg bis zum letzten Tropfen Blut fortführen wollen, auf dieser „Friedensveranstaltung“ Flagge zeigten. Damit verlieren selbst die, die eine Aussöhnung wollen und wirklich für den Frieden auf die Straße gehen an Glaubwürdigkeit.

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Pavlo Sandokan sagte gegenüber dem portugiesischen TV-Sender SIC: „Wir bitten die Länder der ganzen Welt diesen Krieg zu stoppen, weil natürlich die Ukraine gegenüber Russland, bei 150 Millionen Russen und nur 43 Millionen Ukrainern ein relativ kleines Land ist. Auch ist Russland militärisch eines der stärksten Staaten und daher brauchen wir die Hilfe der ganzen Welt. Wir können diesen Krieg nicht alleine stoppen. Wir haben es versucht, mit großen Opfern, diese Aggression aufzuhalten, aber wir brauchen die Hilfe der ganzen Welt um diesen Krieg zu stoppen.“

Es ist etwa ein Jahr her, da klang das noch deutlich versöhnlicher. Doch inzwischen haben sich die Feindbilder schon klar in die Herzen der Menschen gebrannt. Hochkonjunktur für Nationalisten, deren Kriegsverbrechen inzwischen als „legitime Notwehr“ bezeichnet werden. Wie will man Frieden bekommen, wenn man die Kriegstreiber nicht nur nicht verurteilt, sondern auch noch mit sich mitmarschieren lässt? Wie kann man von Frieden reden, wenn man dann – durch die Blume, aber doch klar verständlich – die Länder der Welt um militärische Hilfe gegen „die russische Invasion“ bittet?

Zu einem Krieg braucht es immer zwei Seiten. Nach über zwei Jahren in diesem blutigen Konflikt, sind viele Menschen kriegsmüde und nur die Profiteure auf beiden Seiten sorgen dafür, dass Friedenspläne kläglich scheitern. Wie viele Söhne, Väter, Brüder und Ehemänner müssen noch sterben, bis Russen und Ukrainer ihren Regierungen deutlich sagen, dass sie keine Waffen wollen, sondern Brot; keine Söldner, sondern Ärzte und Lehrer; keinen Tod, sondern Leben…? Mit „Friedensmärschen“ auf denen man um Waffen, Söldner und Blutgeld bittet, wird man jedenfalls keinen Frieden bekommen.

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3 Kommentare

  1. Da werden die Ukrainer vergeblich warten, das Westeuropäer ihr Leben aufs Spiel  setzen einen unsinnigen Krieg mit Russland zu führen. Warum pocht man in Kiew auf etwas was die Ostukrainer gar nicht wollen und noch deutlich in der Mehrheit sind. Referendum wenn man Ei*r hat, dann liegt es schwarz auf weiss und Basta. Das sollte dann akzeptiert werden wenn man  Demokratie vorgaugelt.

  2. …..ich kann's schon nicht mehr hoeren…..was soll denn das sein, Ukraine??? Fakt ist….ein Land oder Staat war es nie und ist es auch heute nicht! Mann sollte diesen Flecken Erde aufteilen in Stuecke, so wie sie frueher waren…..der Osten gehoert zu Russland und der Westen zu den Nachfolgestaaten der K&K-Monarchie……uebrigens passt das auch ethnisch wunderbar….aber die weltweite Zionmafia wuerde dann ihre Stadthalter-Oligarchen verlieren und jede Menge Einfluss……

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