Die Straße(n) des Todes – wer kein Geld hat, riskiert sein Leben

Auf Europas Straßen herrscht Krieg. Die Autofahrer brettern über die Landstraßen wie die letzten Henker und auch die LKW-Flotten, Fernbusse und Kleintransporter meiden die Autobahnen, weil sie sich die Maut sparen wollen oder vielmehr, nicht leisten können. Heruntergekommene Straßen, schlecht gewartete Fahrzeuge und auf den Fahrern lastender Zeitdruck führen zu tödlichen Unfällen.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Es ist schon traurig, wie sehr die ökonomische Situation eines Menschen dafür verantwortlich ist, wie sicher er sein Leben führen kann. Einfach gesagt: Wer Geld hat, läuft weniger Gefahr Schaden zu nehmen oder gar zu sterben, als jemand der kein, oder nur wenig Geld hat. Das trifft nicht nur bei Dingen wie der Gesundheitsversorgung, der Qualität der Ernährung oder des Wohnraums zu, sondern auch bei der Art zu reisen. A380 der Lufthansa oder DC9 von Easy-Jet, Ryan Air, German Wings. Bummelzug oder ICE, Luxus-Reisebus oder umgebauter Transporter. Mercedes C-Klasse in einwandfreiem Zustand oder Opel Corsa, Fiat Panda, Citroen AX  mit mehr als 20 oder 30 Jahren, der sich gerade mal so durch den TÜV geschummelt hat.

Dazu kommt seit einiger Zeit immer mehr ein Unterschied zwischen denen, die sich die Autobahnmaut leisten können und denen, für die es nicht weiter tragbar ist zu den teuren Spritpreisen auch noch den modernen Wegelagerern einen Straßenzoll zu zahlen. Die Transportunternehmen, sei es für Waren oder für Passagiere, müssen in einem gnadenlosen Konkurrenzkampf an allen Ecken sparen, was zu Mogeleien bei den Ruhezeiten, fahrlässiger Wartung und eben auch der Wahl der günstigsten Strecke führt, die nicht selten auch die gefährlichste ist. Manche Straßen sind auf Grund ihrer Lage auf den Haupthandelsrouten Europas besonders stark befahren, schlecht gewartet und als „Straßen des Todes“ bekannt.

Lesen Sie auch:  Die Erdbevölkerung schrumpft - nur die Zahl der Milliardäre nimmt zu

Am Karfreitag gab es wieder Arbeit für Gevatter Tod. Gleich 12 Seelen holte er sich auf einer Landstraße im Herzen Frankreichs, in der Nähe von Allier, Moulins. Die EN 79 ist so eine Route du Morte, der in diesem Fall portugiesischen Gastarbeitern aus der Schweiz zum Opfer fielen, die in einem Kleintransporter auf dem Weg in die Heimat waren. Der Mercedes Sprinter, der aller Wahrscheinlichkeit nach illegal umgebaut wurde und wohl kaum mehr als 9 Passagiere hätte transportieren dürfen, kam von seiner Spur ab und krachte frontal auf einen LKW. Die Insassen des Lasters hatten nur ein paar Prellungen und auch der 19 jährige Fahrer des Transporters kam mit leichteren Verletzungen davon. Als einziger Überlebender des Transporters, kommt seine Psyche nicht mit dem Gedanken klar, 12 Menschen, zwischen 7 und 63 Jahre alt auf dem Gewissen zu haben. Doch er hatte weder Alkohol noch Drogen im Blut und alles spricht für einen Sekundenschlaf als Unfallauslöser.

Spanier und Portugiesen gehören zu den Hauptopfern der Straßen des Todes, die sich quer durch Frankreich, durch Spanien und bis an die Strände Portugals erstrecken. Die wichtigsten Strecken, die von den fast einer Million Portugiesen die im Großraum Paris wohnen, genommen werden, führen durch das Baskenland und dann quer Richtung Süd-West auf Straßen ohne Mautgebühren, die aber dennoch vor einiger Zeit zu „Autovias“ (Schnellstraßen) ausgebaut wurden. Seitdem die „Krise“ die öffentlichen Kassen Spaniens plündert, beschränken sich Wartungsarbeiten auf ein Minimum. Es vergeht kein Tag ohne schwere Unfälle auf dieser Strecke. Nicht selten fallen ganze Familien diesem Wahnsinn zum Opfer. An der spanischen Grenze endet der „Highway to Hell“ aber nicht. Auch Portugal hat seine Todesstraßen.

Lesen Sie auch:  US-Milliardäre haben seit Beginn der "Pandemie" 1 Billion Dollar zugelegt

Loading...

Portugal hat ab Ende der 90er Jahre und vor allem mit Blick auf die Fußball-Europameisterschaft 2004 ein Netz sogenannter SCUT-Autobahnen (kostenfreie Autobahn) aufgebaut. Doch seit 2011 wurden diese konzessioniert und eine Maut eingeführt. Seitdem häufen sich die Unfälle, Staus, Umweltverschmutzung, auf den Nebenstraßen der Ex-SCUT. Seit fünf Jahren kämpfen die Anrainer für die Abschaffung der Maut. Besonders die für Tourismus, Handel und Exportindustrie wichtigen Verbindungen zu Spanien, wie die „Via do Infante“ an der Algarve oder die A28, die an der Nordküste Porto mit Galizien verbindet, werden gemieden und sorgen so für ein Chaos auf den gebührenfreien Landstraßen in der Umgebung. Die LKWs der Transportunternehmen und die Busflotten können sich die Maut einfach nicht leisten, müssen aber die verlorene Zeit auf den langsameren Strecken kompensieren. Also wird Gas gegeben.

Der schlechte Zustand der Straßen ist also nicht abzustreiten, wird aber durch andere Umstände ergänzt. Fahrlässigkeit bei der Wartung der Fahrzeuge, Übermüdung der Fahrer, manchmal auch Alkohol oder Drogen führen auch zu Unfällen. Zeitdruck bringt die Fahrer dazu Schuhmacher zu spielen und riskante Überholmanöver durch zu führen. Aber Auslöser für die ganze Misere ist … die Misere. Kein Geld für die korrekte Wartung der Fahrzeuge, keine Zeit zu verlieren, denn Zeit ist Geld und es ist kein Geld da, um die Straßen in Schuss zu halten. Und dann wäre da noch die Gier. Die Unternehmen die für die Instandhaltung der Ex-SCUT in Portugal hohe Mautgebühren verlangen und dazu noch vom Staat eine Gewinngarantie haben, wollen dass die Nebenstraßen in einem schlechtem Zustand sind. So fahren mehr auf ihren teuren Straßen!

Lesen Sie auch:  US-Milliardäre haben seit Beginn der "Pandemie" 1 Billion Dollar zugelegt

Das Fazit ist ein Europa mit guten Straßen für die die es sich leisten können – und mit „Straßen des Todes“, für die die Armen und für Unternehmer denen ein paar Euro mehr in der Tasche wichtiger ist, wie das Leben ihrer Mitarbeiter. Traurige Welt in der wir Leben. An alle Urlauber habe ich einen Rat: Nutzt die Autobahn, auch wenn es etwas teurer kommt und Leuten Geld in die Taschen spült, die es nicht verdient haben. Aber Sicherheit geht vor.

Hier noch mein Beileid an die Angehörigen der Todesopfer von Moulins.

Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

3 Kommentare

  1. …Mercedes C-Klasse in einwandfreiem Zustand oder Opel Corsa, Fiat Panda, Citroen AX  mit mehr als 20 oder 30 Jahren, der sich gerade mal so durch den TÜV geschummelt hat.

    Traurig das man als Sklave nur Opel Corsa, Fiat Panda, Citroen AX etc. mit mehr als 20 oder 30 Jahren fahren kann – obwohl man 20 oder 30 oder 45 Jahre hart geknüppelt hat.

    Man bleibt halt Pack als Sklave der Zeitarbeit !

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.