Der Presserat und der Pressekodex

Die Leitlinien des deutschen Presserats sind zwar nicht verbindlich, geben jedoch eine gewisse Richtung für die Berichterstattung vor. Dementsprechend hagelt es immer mehr Beschwerden. Auch gibt es viele Schlupflöcher.

Von Marcel Grasnick

Für jeden Journalisten gibt es in der Ausbildung und Ausübung des Berufes Leitlinien, die zu befolgen eine Art Kodex ist. Dieser Kodex wurde vom deutschen Presserat erarbeitet und unterliegt einer ständigen Überarbeitung. Daneben gibt es auch noch praktische Regeln, die ungeschriebenen Gesetze für einen Journalisten. Wie die Wirklichkeit aussieht, sei erst einmal wertfrei dahingestellt.

Praktische Regeln:

  • Eine Quelle allein ist ungenügend. Für eine aussagekräftige Nachricht braucht es mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen.
  • Bei Konflikten sind beide Seiten zu betrachten und klar darzulegen.
  • Ein guter Journalist macht sich keine Sache zu eigen, auch wenn er persönlich davon überzeugt ist. Gerade bei solchen Themen, die einen Journalisten berühren, sollte ein gewisses Mindestmaß an kritischer Distanz gewahrt werden

Der Pressekodex darf aus urheberrechtlichen Gründen nicht voll wiedergegeben werden, ist aber auf der Homepage des deutsche Presserates für jeden einsehbar.

Der umfassende Kodex beinhaltet 16 Punkte, die die Berufsethik des Berufes Journalist darstellen und vor allem ein wichtiges Merkmal klar definieren: die Neutralität zur Berichterstattung. Dabei gilt dieser Kodex nicht nur für die Journalisten, sondern auch für ihre Brötchengeber, die Verlage. Wie jedoch mit diesem Kodex umgegangen wird, liegt beim jeweiligen Journalisten oder Verlag selbst. Es ist immerhin keine bindende Richtlinie, sondern dient der freiwilligen Selbstkontrolle. Denn die Richtlinien sind in vielen Bereichen sehr schwammig formuliert, wie im deutschen Rechtswesen üblich. Alles eine Sache der Auslegung?

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Die Debatte darum wurde erneut entfacht durch die Journalisten und Konsumenten der Medien, die sich – gerade in Bezug auf die Silvesternacht in Köln – von der Berichterstattung durch die Presse bevormundet fühlten und gefühlt mehr Informationen durch die sozialen Netzwerke bekamen als durch die sogenannten Leitmedien. Selbst Chefredakteure von Tageszeitungen fanden die Richtlinien des Kodex eher hinderlich in der Berichterstattung als hilfreich. Wie immer ist es nur die Frage, wie die Formulierungen zu deuten sind.

Punkt 12 des Pressekodex bezieht in dem Fall Sylvesternacht Köln Stellung: Bei der Berichterstattung über Straftaten sollte die ethnische Zugehörigkeit der Verdächtigen nur dann erwähnt werden, wenn für das Verständnis des Vorgangs ein begründeter Bezug zur Sache steht. Doch davor scheuen sich die meisten Journalisten und verstoßen damit gegen die Neutralität. Warum sollten Ross und Reiter einer Sache verschwiegen werden? Ist es diskriminierend zu erwähnen, dass sich Angehörige einer ethnischen Gruppe an Angehörigen einer anderen ethnischen Gruppe vergangen haben? Der Schlusssatz im besagten Punkt besagt nämlich dazu: Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte. Doch welche Gruppe ist in diesem Fall die Minderheit?

Ein anderer Punkt, und zwar der sechste, besagt, dass Journalisten oder Verleger neben der publizistischen Tätigkeit, um die Glaubwürdigkeit der Presse zu wahren, keine anderen Tätigkeiten ausüben sollten. Sollte jedoch eine solche Person tatsächlich neben der Funktion als Journalist in einer Regierung, Behörde oder anderem Wirtschaftsunternehmen tätig sein, so wäre die strikte Trennung zu beachten. Der Lobbyismus wird wie immer dabei nicht erwähnt, geschweige denn die Zugehörigkeiten zu anderen Nichtregierungsorganisationen. So ist es kein Wunder, wenn ein Chefredakteuer Mitglied der Atlantikbrücke ist, für diese ein Regierungspapier erarbeitet und dieses dann unkritisch in einem Artikel betrachtet. Halt, finde den Fehler. Regierungspapier?

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Die große Frage allerdings lautet, wie der Kodex umgangen wird, wenn Verlage zu 100 Prozent einer Partei angehören. Es gibt da eine gewisse sogenannte sozialistische Partei, die damit als Eigentümer mehrerer Tageszeitungen der Neutralität ein Schnippchen schlägt. Also fehlt in dem Kodex der wichtige Punkt zur wirtschaftlichen und politischen Neutralität, gewiss nicht ohne Grund.

Übrigens bietet der Presserat auch ein Forum für diejenigen, die meinen, Journalisten oder Verleger hätten den Kodex verletzt. Eine Beschwerdestelle gibt die Möglichkeit, Presse und Journalisten einer Rüge zu unterziehen. Dabei weist die Statistik, vom Presserat selbst veröffentlicht, einen steten Zuwachs an. Das Jahr 2015 galt als Rekordjahr mit 2358 Beschwerden nach einem ebenfalls als Rekordjahr bezeichneten Jahr 2014 mit 2009 Beschwerden.

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4 Kommentare

  1. Es gibt einen Unterschied zwischen Kritik und Ressentiments

    Es wird sich niemand als Antisemit bekennen, aber weil die Ressentiments da sind, nennt man das Antizionismus, sauber politisch verkleidet. Es hat nichts mit der Kritik an Israel zu tun, die verständlich ist.

    Man muss nach den Motiven der Kritiker fragen. Es gibt einen Unterschied zwischen Kritik und Ressentiments.

    Bei Kritik geht es immer darum ein Verhalten zu kritisieren, was vollkommen richtig ist. Aber bei Ressentiments geht es darum, eine Existenz in Frage zu stellen.

    Bei einer Kritik werden jüdische Personen kritisiert, wie Rockefeller, Warburg und wie sie alle heißen, das ist vollkommen richtig und nachvollziehbar.

    Wenn man die Juden allgemein verunglimpft, dann sind das Ressentiments, dann ist die Motivation ein bodenloser Hass, der ist für eine humane Gesellschaft nicht hinnehmbar. Das ist Verbreitung von Hass, welches die Gefahr in sich birgt, die Existenz der Juden selbst in Frage zu stellen.

  2. Der Vatikan steht hinter der Judenhetze

    Anhand gerade erst zugänglicher Quellen aus dem Geheimarchiv des Vatikans zeigt der Historiker David Kertzer, in welch hohem Maß der Vatikan und seine Päpste seit der Französischen Revolution in die Entstehung des modernen Antisemitismus verwickelt, ja eine der Haupttriebkräfte der Dämonisierung der Juden waren. Der heftig umstrittene Papst Pius XII. stand nur am Ende einer langen Tradition.

    Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.10.2001

    Der Historiker David I. Kertzer hat bei seinen Forschungen zum katholischen Antijudaismus neben der katholischen Presse vor allem neues Material aus den 1998 zugänglich gemachten Archiven der ,,römischen Inquisition" ausgewertet – und die Ergebnisse sind, nach Ansicht von Gustav Seibt, ,,schockierend und müssen Epoche machen". Klar kann Kertzer, so Seibt, die Parallelen zwischen religiösem Antijudaismus und der Entstehung eines rassischen Antisemitismus aufzeigen. Nicht nur hat der Vatikan jahrzehntelang das schlimme Gerücht vom jüdischen Ritualmord an Kindern eifrig verbreitet, ,,die Nähe der Kirche" zu "antisemitischen Strömungen" kann Kertzer, wie Seibt betont, für alle wichtigen katholischen Nationen belegen. Die katholischen Presse hat sich ohne Scham an der antisemitischen Hetze beteiligt. Das Beweismaterial sei ,,erdrückend", ,,unwiderleglich" mache das Buch klar, wie nahe sich Antijudaismus und Antisemitismus auch ideologisch gekommen sind.

    Nun haben wir  ,,alternative Online-Portale'' wo die Hetze im Interesse des Vatikans gegen Juden weitergeführt werden kann. Hier können sich solche Erfüllungsgehilfen wie Judas von Bern profilieren und weiter die Juden zum Sündenbock machen.

    Zur Erinnerung, das Ziel des Vatikans ist die Ausrottung der Juden.

    Der aus der katholischen Kirche ausgetretene Bischof Gerard Bouffard von Guatemala, der sechs Jahre im Vatikan das Bindeglied von Papst Paul II. und dem Jesuitengeneral Hans Peter Kolvenbach war sagte am 25. Sept. 2006 ,,Ich weiß aus erster Hand, dass der Vatikan mit der Absicht der Vernichtung der Juden alles in Israel steuert und überwacht”, um einen weltweiten Konflikt, der letztendlich Amerika, den Nahen Osten und Israel zerstören wird, herauszubringen.

     

     

  3. DvB unterlegt alle seine Behauptungen mit klaren Quellennachweisen und erweist dadurch den übrigen Kommentatoren u.a. einen nützlichen Informationsdienst. Darüber hinaus konnte ich bei keinen der Beiträge undemokratische oder unredliche Absichten erkennen. Daher ist es unverständlich und enttäuschend, daß sie seine Beiträge nicht mehr veröffentlichen wollen. Sind sie doch nicht so unabhängig wie sie Glauben machen wollen? Nebenbei bemerkt schränken sie auch meine Beiträge stark ein. Ich wende mich in meinen Beiträge immer nur gegen den undemokratischen und destruktiven Mainstream, was gefällt ihnen daran nicht!

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