Der Beginn des weltweiten Devisenkrieges

Beobachtungen und Schlussfolgerungen zur aktuellen Finanzpolitik eines Laien/Diplomingenieurs für Allgemeinen Maschinenbau, gedacht zur Anregung eigener Gedanken.

Von Thomas Roth

Vor einigen Tagen hatten wir gemeinsam das Vergnügen zu erleben, wie die Zentralbanken des Westens in den nächsten Kampf getrieben wurden. Wie es zu vermuten war, hatte der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, erklärt, dass man mehr Geld drucken wird, die Zinssätze weiter verringern wird und für die Rückkäufe von sogenannten schlechten Papieren jetzt nicht mehr nur 60 Mrd. sondern 80 Mrd. Euro im Monat bereitstellt.

Einfacher gesagt, hat Mario Draghi den Märkten klargemacht, dass er die feste Absicht hat, die Eurozone zur Seite der Politik der negativen Zinssätze zu bewegen. Dahinter verbirgt sich die Hoffnung, dass sich nach dieser Erklärung die Märkte aufraffen und wieder beginnen, zu wachsen.

Die Märkte zeigten sich jedoch nicht besonders beeindruckt. Das Bild der nahen Negativzinspolitik hatte sich als nicht genügend überzeugend erwiesen – der deutsche DAX ist nach der Erklärung des Signore Draghi erst einmal um bemerkenswerte 2,3 Prozent gefallen.

Vor zwanzig Jahren wären uns die modernen Bedingungen einfach wie ein Märchen erschienen. Wenn wir einem beliebigen Broker im Jahre 1996 gesagt hätten, dass der Zinssatz der Refinanzierung (der Zinssatz den Banken zahlen, wenn sie sich Geld beschaffen) bis auf Null Prozent gesenkt wird und die Zentralbank Papiere vom Markt für dutzende Milliarden aufkaufen wird, wären dem Broker sofort die Augen übergegangen. "Kauft alles auf, jetzt wird eine explosionsartige Steigerung kommen", hätte er uns empfohlen. "Da wird die Druckwerkbank die Indizes bis in die Stratosphäre treiben".

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Jedoch, ich wiederhole mich, so eine Bewegung war gestern auf dem Markt nicht feststellbar. Wenn auch Mario Draghi eben noch versprochen hat, mehr Geld in die Märkte zu pumpen, die haben auf dieses Versprechen mit Enttäuschung reagiert.

Der Grund ist einfach zu benennen – die Märkte warten nicht auf seine scheuen Andeutungen. Die Märkte warten darauf, dass die Zentralbanken mehr drucken: in der Größenordnung nicht etwa von dutzenden, sondern von hunderten Milliarden oder sogar Billionen.

Wir müssen noch einen Umstand beachten. Der Euro ist gestern in Bezug auf den Dollar auch gewachsen. Erstaunlich. Es würde scheinen, die Perspektive der Umschaltung der Druckwerkbank auf höhere Geschwindigkeiten sollte die europäische Währung schwächen. Aber die Märkte erwarteten, dass die EZB beginnt, ernsthaft Geld zu drucken: deshalb wurde jener kleine Schritt zur Seite der Negativzinspolitik, den gestern Mario Draghi gemacht hat, von ihnen nur wie eine Kurskorrektur aber nicht wie ein Kurswechsel wahrgenommen.

Wir beobachten mit Ihnen gemeinsam jetzt den Beginn des schon früher vorausgesagten globalen Devisenkrieges. Die Hauptökonomien der Welt werden jetzt maximal versuchen, ihre Währungen zu schwächen, um ihren Produzenten den Vorteil zu verschaffen, sich über den Import zu retten. Dazu werden die Zentralbanken die Zinssätze ins Negative senken und in großem Umfang frisch gedrucktes Geld für die Rettung der Bankrotteure bereitstellen.

Die EZB hat gestern den Zinssatz der Refinanzierung bis auf Null gesenkt und daraufhin ist der Zinssatz des Kundeneinlagengeschäfts noch tiefer in die negative Zone gefallen, bis auf Minus 0,4 Prozent inzwischen. Der folgende Schritt, wird höchstwahrscheinlich von der FED der USA gemacht werden – da die Amerikaner den Europäern nicht gestatten können, diesen Devisenkrieg zu gewinnen.

Russland wird inzwischen auf der sicheren Tribüne sitzen – aber es ist heiß da und auch die westlichen Freunde und Partner werden bald richtige Schmerzen haben. An den Devisenkriegen teilnehmen muss Russland auch nicht: das Kreditierungsniveau der russischen Wirtschaft ist zum Glück sehr niedrig, der Refinanzierungssatz befindet sich auf einem gesunden Niveau und der Rubel ist schwach genug, damit die russische Industrie mit den ausländischen Produzenten erfolgreich wetteifern kann.

Der Übergang zur Negativzinspolitik wird die Preise für das Erdöl stützen, was wiederum der russischen Zentralbank munter erlauben wird, die für das Abpolstern der Krise notwendigen Reserven anzusammeln.

Die Bank of Amerika prophezeit Russland übrigens in nächster Zukunft eine Deflation: Es wird sich zeigen, ob sich diese Prognose erfüllen wird. Gegenwärtig sinkt die Inflation in Russland schon und möglicherweise wird das von der Zentralbank gesetzte Ziel von 4 Prozent jährlicher Inflation ja sogar vorfristig erreicht werden.

Die Ereignisse entwickeln sich jetzt sehr schnell, das weltweite Finanzsystem ist äußerst labil. Deshalb, denke ich, dass das Rennen der Druckwerkbänke weiter gehen wird und es würde mich überhaupt nicht verwundern, wenn in den nächsten Monaten die Zentralbanken die Zinssätze bis zum Niveau Minus 3-4 Prozent senken werden. Noch tiefer nach unten zu senken, wird es sich nicht ergeben, weil ab einem Minus von 5 Prozent theoretisch der Zerfall des Banksystems beginnen sollte. Irgendwo beim Herangehen an das Minus von 5 Prozent wird das Banksystem wahrscheinlich anfangen zu schnattern und dann wird die Negativzinspolitik fließend in die Hyperinflation übergehen.

In diesen Tagen, am 15. und 16. März, wird die nächste Sitzung der Federal Reserve der USA stattfinden. Die zwingende Notwendigkeit, den Satz der Refinanzierung weiter zu verringern ist jetzt eine Aufgabe, die gerade vor der Fed steht, Aber wie üblich wird es nicht gleich in der nächsten Woche zu wichtigen Lösungen kommen. Aber früher oder später müssen die Amerikaner die Negativzinspolitik übernehmen – deshalb werden wir persönlich und sehr aufmerksam den Lauf dieser Sitzung folgen.

Zum guten Schluss noch ein Ratschlag. Wer bis jetzt noch nicht sein Geldvermögen in Sachwerte umgewandelt hat, läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Es nähert sich mit rasender Geschwindigkeit dem Moment, von dem ab Papiergeld nur noch als Fidibus Verwendung findet und alle Sachwerte durch die Decke stoßen. Bitte schön…

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5 Kommentare

  1. Fazit;

    Wir, der Kapitalismus bzw. Neudeutsch die Marktwirtschaft stecken in ner tiefen Systemkrise.

    Reformen und einen Ausweg wird es nicht geben. Irgendwo ist immer einer der in der Illusion Leben er könnt aus der Sache, den Umständen, als Sieger hervorgehen. Und weil alle zusammen die Angst vor der Zukunft, dem Ungewissen, eint wird der Laden vor die Wandfahren.

  2. Die EU-Banken können ab sofort geschätzte 2.000 Milliarden Euro deutsches Sparer-Vermögen als Sicherheit betrachten, denn Bundesfinanzminister Schäuble hat in einem FAZ-Artikel unauffällig mitgeteilt, dass die gemeinsame europäische Einlagensicherung kommen wird. Der Artikel hat für die Banken die juristische Gültigkeit eines offiziellen Schreibens des für sie weisungsbefugten Finanzministers. Die meisten Sparer werden erst 2024 bemerken, was das für sie bedeutet.

    Am 25. Januar 2016 erschien in der FAZ ein Artikel „von Dr. Wolfgang Schäuble, Bundesminister der Finanzen“. In einem langweiligen Fachjargon spricht Schäuble darin über „Europa zwischen Wunsch und Wirklichkeit“. Am Ende des Artikels äußert sich Schäuble zur von der EU geplanten „Vergemeinschaftung von Haftung“ – jenem Prinzip, nach dem zum Beispiel deutsches Sparer-Vermögen für die Rettung italienischer Banken benutzt werden könnte.

    1. Es gibt Auswege, die jedoch für den kleinen Sparer nicht absehbar sind: Gold Zertifikate, Konten im Ausland (Asien), Anlagen in der Schweiz, Immobilien, Fonds? Doch jeder Investor sollte sich bewußt sein, daß, so lange die USA Krieg führen, die Kosten durch Inflation gedeckt werden, der Euro ebenso abwerten muss, und die Gelddruckerei weiter läuft. Ist der Krieg endlich beendet, werden die Zinsen steigen, wer noch Schulden hat, wird böse erwischt werden! Doch bis dahin sind Schulden das Zahlungsmittel erster Wahl, ha ha!

    2. FAZ: "Lässt man die theoretischen Einschränkungen nämlich weg, lautet die Botschaft: Wenn die Schritte vollzogen sein werden, kann mit der Vergemeinschaftung begonnen werden. Schäuble stellt die Einschränkungen der Vergemeinschaftung nicht als aufschiebende Bedingung dar, sondern sieht sie lediglich als eine Frage der Zeit. Auf die Mithaftung aller Sparer für alle Bankrisiken im Währungsraum geht Schäuble nicht ein. Das braucht Schäuble auch nicht: Denn für den Juristen wird klar, dass die deutschen Sparer in die Haftung genommen werden. Es ist in „unserer Banken-Union“ beschlossen, weshalb das Risiko für die Sparer nicht mehr explizit erwähnt werden muss."

      Und ich kann erneut nur darauf verweisen, dass es Sinn macht, den Banken sein Geld zu entziehen. Die werden in nächster Zeit die Schrauben anziehen und unserem Leben das Bargeld entziehen. Damit besitzen sie die volle Verfügungsgewalt.

      Jeder, der das gelesen hat, weiß jetzt Bescheid. Handeln Sie oder lassen Sie es, Ihre Sache ..

  3. „Die werden in nächster Zeit die Schrauben anziehen und unserem Leben das Bargeld entziehen“….

    …..Und jeden „unliebsamen“ Bürger einfach ABSCHALTEN!

    Ohne bares Geld kann man Konten einfach sperren!- Jeder Bürger, der das gesamte Ausmaß dieser Versklavung nicht begriffen hat, wird dann sein blaues Wunder erleben. Sie können die Miete nicht mehr bezahlen, die Krankenkasse, den Einkauf, den Sprit für das Auto, die Abgaben, egal, welche, Handy, Telefon usw. usf.!

    Um es noch deutlicher zu sagen: ES GIBT SIE NICHT MEHR, auch wenn sie noch unter Menschen „wandeln“!

    Und es hoffe bitte niemand, dass sich „Regierungen“ gegen die „Märkte“ auflehnen, denn die „Märkte“ fungieren im Auftrag der City of London

    Die City of London ist die Nabe eines globalen Finanzrades. Die City of London ist der größte Finanzhandelsplatz der Welt und exterritoriales Gebiet. Es gehört nicht zu Großbritannien

    Dieses Gebilde mit 8.000 Einwohnern wird von der „City of London Corporation“ betrieben. 241 ausländische Banken haben ihren Sitz in der City. Brokerfirmen und Investmentbanken der USA haben große Teile ihrer Kundenvermögen dorthin ausgelagert.

    Britische Gesetze greifen in der City nicht, die „City of London Corporation“ hat eine eigene Staatlichkeit, eigene Gesetze und überwacht sich selbst. Ihre Manager handeln mit Wertpapieren und Devisen über alle Grenzen hinweg, aber kein Gericht kann sie belangen und keine Regierung ihre Geschäfte kontrollieren.

    Die „City of London Corporation“ betreibt die Fortsetzung der Weltherrschaft mit anderen Mitteln, nämlich die, die Nationen in einer Schuldknechtschaft zu halten.

    Fast 90 Prozent aller internationalen Kredite werden von sogenannten Offshore-Banken vergeben. Sie sind das, was in der öffentlichen Diskussion immer ehrfurchtsvoll mit >„Die Märkte“< umschrieben wird. Die „Offshorewelt“ ist die Welt von Piraten, die die Festländer erpressen. Dazu gibt es viele Instrumente: z.B., wenn

    ein Unternehmen einen Offshore-Kredit aufnimmt. Die Kosten dafür mindern im Inland die Steuern. Private Equity Firmen gelingt es so, Unternehmensübernahmen mit Kredit zu finanzieren, die Schulden werden den übernommenen Opfern aufgebürdet und die Gewinne aus der Finanzierung „offshore“ und anonym kassiert – im Fachjargon ein „leveraged buyout“ (eine mit Fremdkapital gehebelte Firmenübernahme).

    Alle Welt zittert vor ihnen. Unsere Politiker und ihre Berater bekunden immer wieder untertänigst, dass wir diese „Märkte“ auf keinen Fall verunsichern dürfen! Dieselben Politiker verraten und verhökern die Völker an diese Verbrecher!

     

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