Dem Donbass einen mächtigen und sehr schnellen Schlag zufügen

In den letzten Wochen hat sich die Lage im Donbass verschärft. Wenn man die aktuelle Lagemeldung von General Bassurin zur Kenntnis nimmt, dann denkt man, der Krieg geht weiter. Offenbar ist man in Kiew der Auffassung, dass Moskau in Syrien alle Bomben und Geschosse verbraucht hat, und deshalb jetzt eine gute Zeit für den Angriff wäre. Das ist natürlich ein Scherz, aber wie immer, beinhaltet er ein Körnchen  Wahrheit. Was geschieht an der Linie der Berührung zwischen Noworossija und der Ukraine?

Von Thomas Roth

Die laufende Prüfung auf Schwachstellen

Die ukrainische Armee tastet den Frontverlauf auf Stellen ab, durch die man auf die Republiken feuern kann, ohne eine schmerzhafte Antwort auf die Finger zu bekommen. Die Intensität des Beschusses seitens der Ukrainischen Streitkräfte (USK) wächst. Außer mit Schützenwaffen und den anderen Waffen der Infanterie werden auch schon lange die Granatwerfer, Panzerabwehrwaffen und Waffen der Truppenluftabwehr verwendet. Es sind die Granatwerfer, die Panzerkanonen und die 122-mm/152-mm der Haubitzen im Einsatz, manchmal und zunehmend ist auch reaktive Artillerie zu hören. Es kommen Zivilisten um, es kommen auch Militärs um. Zur Front kehrt sogar ganz unverhohlen jene Technik zurück, die auf der Grundlage von "Minsk-2" abgeführt wurde und dabei hatten die Ukrainer schon bei weitem nicht alles abgeführt. Wobei die Mission der OSZE wie immer nichts sieht. Und es ist auch völlig natürlich, die Streitkräfte der DVR und der LVR bleiben nicht im saldo und antworten.

Zusätzlich zu diesem massiven Geplänkel und den Artillerieduellen wurden von der ukrainischen Armee die Versuche erneuert, die Verteidigung, insbesondere in Richtung Donezk und Gorlowka aufzuklären. Durch Scheinangriffe (genannt gewaltsame Aufklärung) wird versucht, den Gegner zu zwingen, sein Verteidigungsschema offen zu legen. Im Schutz des Beschusses versuchen die USK auf leisen Sohlen, neutrales Territorium einzunehmen, das heißt, die Orte und die Punkte, wo keine Truppen sein sollten. So eine Taktik gestattet es, von Erfolgen zu posaunen (wir haben das Dorf oder das Wohnviertel eingenommen) und näher zu den Positionen des Gegners vorzurücken, um sich für den Angriff vorzubereiten.

Das versucht die ukrainische Armee u.a. auf der Nordflanke der Front bei Gorlowka, im Bezirk Sajzewo und im Bezirk Jassynowata. Jassynowata ist als Transportknotenpunkt für die DVR außerordentlich wichtig. Deshalb ist das Interesse klar. Aber es ist auch klar, dass beliebige Versuche, dort einzudringen, abgeschlagen werden. Als Antwort auf die Besetzung des neutralen Geländes hatten es die Truppen der DVR, die unter dem Beschuss saßen, endgültig satt und haben Operationen zum Herausdrücken der USK aus den Industriezonen begonnen.

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Die ukrainischen Träume vom Blitzkrieg

Die ganze Strategie des Aufbaus der Streitkräfte der Ukraine ist auf einer Idee aufgebaut – dem Donbass einen mächtigen und sehr schnellen Schlag zuzufügen. Die Berechnung beruht darauf, dass Moskau entweder verschlafen, oder sich verspäten, oder ganz und gar nicht reagieren wird, die Republiken sozusagen abgibt. Sie denken wirklich, dass sie die Sache schon hinkriegen werden, dass sie die Territorien erobern können.

Wahrscheinlich hat man in Kiew die vollkommen eindeutige Erklärung von Wladimir Putin schon vergessen: "Russland wird eine militärische Niederlage der Republiken nicht zulassen". Aber die Gehirne dieser einfachen Gestalten haben das verdrängt und die leeren Räume in ihren Köpfen sind gefüllt mit Bildern ihrer Träume von der Wiederholung des Erfolges der kroatischen Armee in den Operationen "Blitz" und "Sturm" (1995), die möglich wurden durch den Verrat der Führung Serbiens an den Brüdern in der Serbischen Krajina.

In Kiew versteht man, dass die Klasse, die Standhaftigkeit und die Motivation der ukrainische Armee die der Armeen der Republiken kaum erreicht, also will man eine deutliche zahlenmäßige Überlegenheit erzielen. Deshalb bildete die Ukraine das ganze vorige Jahr über aktiv neue Truppenteile aus. Gegenwärtig existieren in den USK 2 Panzerbrigaden, 10 mechanisierte Brigaden, 5 Mot.-Schützen Brigaden, eine Gebirgsinfanteriebrigade, 4 Luftlandebrigaden sowie 5 Artilleriebrigaden und eine Brigade sowie 2 Regimenter Mehrfachraketenwerfer. 9 Verbände davon wurden erst nach dem Herbst 2014 gebildet. Das heißt, nachdem die USK zum ersten Mal vernichtet wurden. Das zweite Mal war nach Debalzewo. Es ist heute faktisch nicht feststellbar wieviel Personal in den Truppen wirklich dient. Falsche Statistika durchziehen die USK von oben bis unten. Aber es gelang wohl, die Personalsstärke der Kiewer Gruppierung auf dem Donbass, von 50-60.000 auf bis zu 80.000 Kämpfer anzuheben.

Es gibt keine Aggregate und Ersatzteile

Wenn diese Truppenteile mit der Technik nach Sollstärke ausgerüstet wären, dann hätten sie 550 Panzer (bis zum Krieg gab es in den USK insgesamt 636 Panzer), mehr als 2.500 Schützenpanzer und SPW, mehr als 1.500 Geschütze und Selbstfahrlafetten und mehr als 350 RS 30. Ja, nur diese Technik steht ihnen bis jetzt nicht zur Verfügung. Alles das, was mehr oder weniger möglich war, wieder belebt zu werden, haben sie schon wiederbelebt. Für die übrige Technik fehlt es an Aggregaten, ihre Vorräte sind erschöpft. Neues aus Russland wird es nicht geben, in ihrem Europa gibt es auch nichts umsonst zu beschaffen, man bräuchte dazu viel Geld. Umsonst gibt es für den Krieg gegen die Russen bei den Europäern höchstens was auf die Schnauze. Bei oder über Weißrussland etwas zu kaufen? Das wird sich auch nicht ergeben.

Das heißt, in den Truppen bildet sich das vollkommene Mischmasch von Technik, das äußerst kompliziert ist, sowohl zu reparieren wie auch zu bedienen. Bei der Artillerie gibt es die gleiche Not. Es gibt noch ein Problem, es gehen die Vorräte an sowjetischer Munition zu Ende und es gibt keine Neuproduktion. Es gibt wenig Chancen, dass es gelingen wird, das alles zu regeln. Ein weiteres echtes Problem ist das Fehlen von Ersatzrohren für die Panzer und besonders für einige Typen der Artillerie. Nichtsdestoweniger gibt es ca. 80 Prozent der Panzer der Sollausstattung. Bei der anderen Technik ist alles deutlich schlechter, es gibt nicht mal die Hälfte vom Soll. Man rettet noch mit einzelnen kleinen Arbeiten den einen Lastkraftwagen und den anderen Jeep. Insgesamt ist die ukrainische Armee einmalig: Brauchbar für genau einen Schlag.

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7 Kommentare

  1. Wenn an dem Bericht ein Tröpfchen Wahrheit ist, wird es interessant sein , der Entwicklung zuzusehen. Schade nur, dass dabei so viele Menschenleben umkommen werden.Es wird vor allem interessant werden  beobachten zu können, wie hoch die psychische Mentalität der ukrainischen Soldaten sein wird. Ich weiß es nicht!!

  2. warum befreit sich die Menscheit nicht davon,wir wären soviele…

    Ganz einfach, darum… https://www.youtube.com/watch?v=m8QT9TbCuL0
    (Video bis zu Ende hören)

    Die Menschheit muss erst wieder einmal so richtig den Krieg in voller Härte am eigenen Leib zu spüren bekommen, bevor sie sich überhaupt Gedanken machen. Bis dann wird es aber für einige Milliarden Menschen zu spät für sie sein – siehe Georgia Guidestones http://new.euro-med.dk/20140923-haltet-die-menschheit-unter-500-mio-georgia-guidestones-soeben-mit-2014-an-vorbereiteter-stelle-ausgeschildert-botschaft-der-illuminatenfreimaurer-an-die-welt.php

     

  3. aber das wird auch der anfang vom ende sein,,,denn die amis warten nur auf einen grund gegen die russen loszuschlagen , sieht man ja an ihrer ansammlung von millitärtechnik rund um russland.

    hinzu kommt das putin ein strassenkind ist , das gelernt hat zuerst zuzuschlagen bevor man ihm auf die fresse haut.und was passiert wenn die ukrainische armee verliert,der donbass mit hilfe von russland vorrückt,und sich die anrainser estland lettland und litauen in den konflikt einmischen aus angst vor den russen , den sie nicht trauen können , denn die diktatur stalins und der nachfolgenden diktatoren haben die noch lange nicht aus ihren köpfen raus und ihre angst ist groß.wenn also putin das ganze etwas grösser macht dann, als es gut ist,dann haben wir baba wanga in der realität umgesetzt gesehen.

  4. Dummheit wird immer bestraft werden. Der Ukrainekonflikt kostet der EUSA täglich, je nach Gefechtslage, zwischen 2,5 bis 4 Millionen Euro, da die Ukraine bankrott ist. So kann sich diese EUSA selber ausrechnen wann sie pleite ist, wenn im Donbass ein Guerillakrieg nach dem Vietnammuster weitergeführt wird, welcher sich als schneller und langer Schlag, allerdings nicht in der vom Westen  gewünschten Richtung, auswirken wird.

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