Dank Erdogan: Die Türkei manövriert sich ins Abseits

Recep Tayyip Erdogan schafft es mit seiner dünnhäutigen, egozentrischen Art, sämtliche Partner vor den Kopf zu stoßen. Selbst Barack Obama zeigt ihm nun die Rote Karte. Der türkische Präsident manövriert sein Land international ins Abseits.

Von Marco Maier

Die höchst eigensinnige und wenig strategische Politik des türkischen Präsidenten verschafft ihm wenig Freunde. Kritik an der Reislamisierungspolitik und dem harten Umgang mit oppositionellen Kräften gab es zwar schon immer, doch so lange die türkische Führung zumindest außenpolitisch halbwegs "auf Linie" war, sah man zumindest auf politischer Ebene weitestgehend darüber hinweg. Immerhin sorgte er lange Zeit ja auch für einen Entspannungskurs mit den Kurden, wodurch Erdogan auch die politische Linke in Europa halbwegs besänftigen konnte. Doch diese Zeiten sind lange vorbei.

Mit dem Abschuss des russischen Kampfbombers und der Ermordung eines Piloten durch von der Türkei unterstützte turkmenische Rebellen über Nordsyrien sorgte die Führung in Ankara dafür, dass sich ganz Russland gegen die Türkei stellte. Die Touristen blieben aus und die Sanktionen Moskaus treffen das Land auch in anderen Wirtschaftsbereichen. Dann brachte Ankara auch noch die Führung in Bagdad gegen sich auf, als man türkische Truppen in der autonomen kurdischen Region im Nordirak stationierte und diese partout nicht wieder abziehen wollte. Die guten Beziehungen zum "Islamischen Staat", zur Al-Nusra-Front und anderen Islamistengruppen in Syrien sorgen ebenfalls für außenpolitische Probleme.

Dann begann der Krieg gegen die Kurden aufzuflammen, wodurch die ohnehin schon schwierigen Beziehungen zur politischen Linken in Europa wieder zu Feindseligkeiten führten. Als dann die Rundumschläge gegen die Presse- und Meinungsfreiheit kamen, war dies insbesondere für die Europäer und Amerikaner ein "no-go". Verschärft wurde dies durch die Angriffe Erdogans auf westliche Diplomaten, die einen Journalistenprozess beobachten wollten. Die türkische Haltung in der Flüchtlingskrise und bei den Verhandlungen mit der EU brachte ebenfalls "böses Blut" hervor – vor allem bei den (Rechts-)Konservativen.

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Mit der rüffelnden Reaktion auf die Festnahme eines türkischen Geschäftsmanns in den USA, der sehr gute Beziehungen zur AKP-Führung hat, pisste er jedoch wieder einmal den Amerikanern ans Bein. Genauso mit den Vorwürfen, dass die Amerikaner mit der Unterstützung der Kurden in Syrien der Terrororganisation PKK zu helfen. Dies hatte nun zur Folge, dass man ihm in Washington die kalte Schulter zeigt. Denn als Erdogan gestern zu einem Gipfel über nukleare Sicherheit nach Washington reiste, lehnte US-Präsident Obama ein Treffen samt eingehenden Gespräch mit dem Amtskollegen ab. Sehen wird er ihn aber dennoch, zumal auch Obama selbst am Gipfel teilnimmt.

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Über kurz oder lang wird die Türkei mit solch einer Politik jedoch völlig isoliert dastehen. Selbst die NATO-Partner hatten vor einiger Zeit deutlich gemacht, dass sie die Türkei sicher nicht dabei unterstützen werden, wenn diese aus persönlichen Gründen seitens des Präsidenten einen Krieg mit Russland beginnt. Gute zwischenstaatliche Beziehungen erreicht man so gewiss nicht.

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4 Kommentare

  1. Ja, so ist das  EU stattt eure Grenzen selbst zu schützen, werden diesen Banditen noch die Euros in den gefrässigen Rachen geworfen, die er sowieso nicht anwendet für das, was er soll. Aber so ist der Islam allgemein, ins Gesicht wird viel versprochen und hinterrücks gebrochen. Das werden wir bestimmt auch bald hier erleben. Eine Integration wird niemals zustande kommen.

    1. Nein wird es nicht….und dieser aufgeblasene Gockel wird dafür sorgen, dass "SEINE LEUTE" schön auf Linie bleiben !

      Empfehle das Compact-Magazin (April)  "Merkel im Erdowahn"  da steht alles, was wir wissen sollten .

  2. Die von Israel gelenkte USA und ihre Versallen haben die heutige Türkei mit dem Diktator Erdogan und seiner Macht, die hauptsächlich wegen seiner wichtigen strategischen Lage vorhanden ist, erschaffen und nicht anders. Nun ist er mächtiger denn je und lässt sich nicht mehr so leicht im Zaun halten, wie es viele der Westmächte gerne hätten. 

    Nach Ende des 2. Weltkrieges musste die bis dahin neutrale Türkei, auf Druck der Alliierten dem Deutschen Reich 1945 symbolisch den Krieg erklären, um einen Sitz in den Vereinten Nationen zu bekommen und einem drohenden Krieg aus dem Weg zu gehen. Nach der Teilnahme an dem von der UNO geführten Koreakrieg 1950 und der 1952 erfolgten Aufnahme in die NATO, putschte sich das Militär insgesamt dreimal (1960, 1971, 1980) an die Macht, während 1974 unter Berufung auf den "Londoner Garantievertrag" der Nordteil Zyperns besetzt wurde. Wegen seiner  besonderen strategischen Lage zwischen Europa, Asien und Afrika und der Tatsache, dass die Türkei einer der größten Anzahl der aktiven Soldaten unterhält, lagern im NATO-Stützpunkt Incirlik bis heute Atomsprengköpfe.

    Mit seiner Partei AKP hat Erdogan in den vergangenen Jahren, seine konservativ-religiöse Bevölkerung zu einer nach europäischen Vorstellungsvermögen unglaublichen Glaubensgemeinschaft umgeformt, um letztendlich das Präsidentenamt zu stürmen. Seine Staatsführung, mit einer Ausrichtung auf ein autoritär-präsidiales System, hat sich zu einem "Staatssystem Erdogan" entwickelt und er wird nach den Wahlen 2017 länger im Amt sein wie der vergötterte Republikgründer Atatürk. Und auch dann könnte er nochmal als Präsidentschaftskandidat antreten und seine religiösen Regeln mit seiner staatlichen Macht durchknüppeln. Wer wird ihn aufhalten?

     

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