Über die Kurilenoperation oder wie Russen verstehen zu kämpfen

Angesichts der aktuellen Meldungen über Gebietsstreitigkeiten zwischen Russland und Japan bezüglich der Kurilen, ein Lehrstück über die Eroberung der Inseln durch eine völlig unterlegene Rote Armee.

Von Thomas Roth

In letzter Zeit liest man wieder häufig über Gebietsstreitigkeiten zwischen der Russischen Föderation und Japan. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel der gesamte Inselbogen der Kurilen (eine ca. 1.200 km lange Inselkette mit mehr als 30 großen und kleinen Inseln) gemäß den Beschlüssen von Jalta an die Siegermacht Sowjetunion. Der Gebietsstreit resultiert aus dem Friedensvertrag von San Francisco (1951). In diesem Vertrag hat Japan auf die Kurilen verzichtet, die Sowjetunion jedoch hatte den Vertrag nicht unterzeichnet. 1956 unterzeichneten die Sowjetunion und Japan dafür eine gemeinsame Deklaration. Darin erklärte sich die Sowjetunion bereit, im Falle eines Friedensvertrages die Inseln Schikotan sowie die Habomai-Gruppe an Japan zu übertragen. Japan erhebt aber Anspruch auf vier Inseln und beruft sich dabei auf einen bilateralen Handels- und Grenzvertrag von 1855, in dem diese Inseln als japanisch anerkannt worden waren. Auch im Vertrag von Sankt Petersburg 1875 hatte Japan die Kurilen erhalten und im Gegenzug auf seine Territorien auf Sachalin verzichtet. Die Beschlüsse der Konferenz von Jalta betrachtet Japan nicht als rechtsgültig.

Die Kurilenoperation im Zweiten Weltkrieg ist ein Muster von russischer Kampfkraft:

Die Japaner bereiteten sich lange Monate auf die Verteidigung der Kurilen vor. Es wurde ein System von Festungen geschaffen, dass es ermöglichte, einen mehrtägigen Beschuss aus den Hauptkalibern der Linienschiffe und auch Bombenangriffe zu überstehen. Die Festungen waren in den Felsen gebaut, mit einer Boden- und Wandstärke von 4 bis zu 50 Metern. Es gab eine Menge sorgfältig getarnter Geschütze aller Kaliber. Es wurden hunderte von Stellungen für die Infanterie und die Vorräte gebaut. Die Lagerhäuser wurden so dezentral angelegt, dass immer ein großer Teil von ihnen unversehrt bleiben musste. Die Effektivität des Systems war sehr hoch.

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Auf die Abwehr der Anlandung bereiteten sie sich auch vor. Auf die, die es schaffen würden, das Feuer der Uferartillerie und der japanischen Luftwaffe zu überstehen, warteten 25.000 Soldaten mit Schützenwaffen, 500 Maschinengewehren, 100 Panzer, sowie Granatwerfern, Minenwerfern, mit Feldartillerie, usw. Die Japaner bereiteten sich vor, mit den Amerikanern zu kämpfen, "nach allen Regeln zu kämpfen". Zuerst sollte der Beschuss der Linienschiffe, dann der Deck- und Sturmluftflotte erfolgen. Später sollte dann die Anlandung abgewehrt werden.

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Aber es kam anders. Man musste sich mit den Russen raufen… Über die unglaubliche Gewalt, mit der die Rote Armee gegen die unglücklichen Japsen (das ist nicht negativ gemeint) vorging, weiß die Weltgeschichte sehr wenig. Mit der Unterstützung von nur zwei armseligen Fregatten, mit vierzig Landungsschiffen (der große Teil von ihnen war gerade von zivil auf militärisch umgearbeitet worden) wurden 3.000 Menschen herangeführt. Marineinfanterie und Schützen der 301. Schützendivision. Ich werde gern noch einmal wiederholen: 3.000 Menschen. Gegen 25.000 Soldaten mit 100 Panzern, die sich auf den Kampf vorbereitet hatten, bis an die Zähne bewaffnet und durch gut vorbereitete Stellungen geschützt waren.

Zu allem Übel kamen sie in ein solches Hundewetter, dass nicht nur die Luftwaffe nicht flog, sondern auch den Schiffen kaum eine Stelle zum anlanden blieb. Die heldenmütigen Japaner hatten ihnen auch noch zu guter Letzt die Orientierungswimpel zerschlagen … Die erste Welle kam, 700 Menschen wurde unter heftigem Abwehrfeuer ausgeladen… Ungeachtet des Feuerschlags, der die Schiffe beschädigte und die Infanterie niederhielt, wurden die Japaner ins Innere der Insel zurückgeworfen. Zum Höhepunkt der Anlandung wurde der Gegenangriff: 18 Panzer mit Infanterieunterstützung. Die Russen tarnten sich einfach in den Spuren im Sand – man hätte denken können, die nackte Infanterie auf dem nackten Strand und das ohne jegliche Unterstützung wären eine leichte Beute. Aber irgendwie sind die Muschiki dazugekommen, aus irgendeinem Versteck hunderte Panzerabwehrwaffen zu erbeuten. 17 Panzer wurden durch frontale Treffer verbrannt, einer verschwand vor lauter Schrecken auf Nimmerwiedersehen. Die ohne die Panzer allein gelassene Infanterie wurde zurückgeschlagen, ein Teil zog sich freiwillig zurück, ein anderer Teil wurde verscheucht. Später haben noch die Pioniere den Batterien der Hauptkaliber das Maul gestopft und die Fregatten haben das Tankschiff, das auf den Sandbänken stand und von Japsen repariert wurde, mit ihren Geschützbatterien verbrannt.

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Der nächste Panzergegenangriff wurde nach dem bekannten Muster mit Unterstützung von 45-mm Kanonen wieder abgeschlagen … Dann konnte die nächste Landungswelle abgesetzt werden … Nach kurzer  Zeit haben sich die letzten Japsen ergeben. Ich hätte zu gern das Gesicht des Befehlshabers Kobajassi gesehen, als er meldete, dass er sich dem Gegner ergeben hat, dem er zahlenmäßig achtmal überlegen war…

Insgesamt: Ein glänzender Sieg, für kleines Blut errungen. Ein großer Teil der Beteiligten hat überlebt. Die Gründe des Erfolges waren:
1. Die Geheimhaltung und die Entschlossenheit.
2. Das hohe Niveau der Vorbereitung der russischen Truppen.
3. Der Mut und der Heroismus des Personalbestandes.
4. Die Organisiertheit der Handlungen aller Teilnehmer der Operation.
Ja, und drei Kommandeure führten die Menschen mit dem Banner in der Hand ganz persönlich in den Angriff. Zwei sind umgekommen. Die letzten Worte des einen von ihnen waren "die Höhe, trotz alledem, wir müssen sie nehmen". Und das war die persönliche Initiative dieser ganz gewöhnlichen russischen Soldaten. Niemand trieb sie mit Maschinenpistolen vor sich her…

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3 Kommentare

  1. Sag mal Mr. Roth, bei dir sind wohl mehr als nur ein paar Schrauben locker?! "Japsen" (das ist nicht negativ gemeint)…neiiin, natuerlich nicht…ich wuerde dir Hohlkopf in diesem Augenblick liebend gern Fresse einschlagen (das ist nicht negativ gemeint)

    Davon abgesehen ist dein Geschreibe Lichtjahre von der Wahrheit entfernt und Nippon tut Recht diese sogenannte Konferenz von Jalta – was nichts weiter war als ein Treffen zwischen Raeubern und Banditen welche zusammen die gestohlene Torte unter sich aufteilen wollten – nicht anzuerkennen! Im uebrigen waren diese Gebiete immer schon japanisch….Russen haben dort ueberhaupt nichts verloren genausowenig wie die Nachkommen ehemaliger europaeischet Wirtschaftsfluechtlinge, Diebe, Moerder, Wucherer und Querulanten auf dem Nordamerikanischen Kontinent etwas verloren haben….da sind sich beide sehr gleich!

    1. Naja, du verwechselst die Sowjetunion etwas mit der Russischen Förderation. Es mag sein, daß sich die Russen durch ihr von ihnen gewähltes Oberhaupt Putin zurecht rühmen können. Ein Jelzin wäre sicher kein Freund. Aber momentan wird klug verhandelt.

      War da nach Ende des Zweiten Weltkrieges nicht irgend etwas? – Mir ist so, als hätte ich gehört, daß die Sowjetunion nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges angegriffen wurde… von mehreren Nationen, die sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges unsere Freunde schimpfen.

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