EU-Kommission lässt Lampen-Hersteller weiter legal mogeln

Während bei den Abgaswerten von Autos oder dem Energieverbrauch von Kühlschränken eine harte Hand regiert, dürfen Lampenhersteller weiterhin legal beim Stromverbrauch mogeln. Zulasten der Kunden, selbstverständlich. Die EU-Kommission sieht keinen Handlungsbedarf.

Von Redaktion/dts

Anders als angekündigt will die EU-Kommission nun offenbar doch nicht gegen systematische Tricksereien bei den Angaben zum Stromverbrauch von Lampen vorgehen. Das geht aus einem Anfang Februar bei der Welthandelsorganisation (WTO) eingereichten Reformentwurf hervor, der der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt. Demnach würden die Leuchten-Hersteller von einer Verschärfung der Regeln bei der Messung des Stromverbrauchs verschont. Die Hersteller ermitteln die Leistungs- und Verbrauchsdaten ihrer Lampen selbst. Die EU-Kommission gewährt ihnen dabei bisher große Spielräume von zehn Prozent, eigentlich um mögliche Messfehler auszugleichen – die sogenannten Toleranzen. Dank moderner, präziserer Messtechnik wissen die Unternehmen allerdings deutlich genauer, wie effizient ihre Produkte tatsächlich sind.

Auf die selbst ermittelten Werte können sie deshalb die alten, hohen Messtoleranzen zulasten der Kunden aufschlagen. Die Lampen verbrauchen damit mehr Strom als auf der Verpackung angegeben oder liefern weniger Licht. Das wollte die EU-Kommission ändern, hatte sie im Dezember angekündigt. In der entsprechenden Passage des nun vorgelegten Reformentwurfs ist davon allerdings keine Rede mehr – im Gegenteil: Nach Angaben der Hersteller, heißt es dort, müssten viele Lampen-Typen sofort komplett vom Markt genommen werden, wenn die Messtoleranzen nicht mehr so ausgenutzt werden dürften wie bisher.

Im Klartext bedeutet das, dass die allermeisten Lampen eigentlich so ineffizient sind, dass sie nach geltendem EU-Recht gar nicht verkauft werden dürften, die Kommission den Herstellern den legalen Verstoß gegen die Regeln aber weiterhin ermöglichen will. Die Brüsseler Behörde weiß seit 2011, dass die Licht-Branche das Schlupfloch gezielt und flächendeckend ausnutzt. Das hatte eine Sprecherin im Dezember gegenüber der "SZ" eingeräumt. Der Fehler liegt dabei in der Ökodesign-Richtlinie der EU: Sie legt unter anderem fest, wie viel Strom eine Lampe bei einer bestimmten Lichtstärke verbrauchen darf und wie hoch die Messtoleranzen sind.

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Wie genau diese Abweichungen aber verrechnet werden dürfen, ist nicht eindeutig vorgegeben. Insgesamt, so schätzt der europäische Umweltschutz-Dachverband EEB, könnte die EU nun allein durch den fortgesetzten Missbrauch der Toleranzen bei Lampen ihre Stromspar-Ziele im Jahr 2020 um 10,2 Terawatt-Stunden jährlich verfehlen. Das entspricht der Stromerzeugung eines größeren Kernkraftwerks. Hinzu kämen die Mehrkosten für die Kunden, die geschätzt 1,65 Milliarden Euro mehr für Strom bezahlen müssten, als eigentlich versprochen, heißt es in dem Zeitungsbericht weiter.

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12 Kommentare

  1. Das ist die EU, wie wir sie kennen :

    Die Leuchtmittel sind fünf- bis zwanzigmal teurer als die alten Glühlampen, geben schlechteres Licht, sind teilweise schneller kaputt und machen den Bürgerhaushalt zur Giftmüllkippe.

    Also : Alles vom Feinsten.

    Ein Tipp . Glühlampen kann man nach wie vor kaufen, wenn man nach "Vibrationsfesten" sucht. Die kosten etwa das zweinhalbfache der alten Lampen und halten ewig.

  2. Vermutlich waren die Schmiergelder für die EU-Oberidioten hinreichend großzügig bemessen. Daher liegt kein "Handlungsbedarf" mehr vor – die haben schon verhandelt! Auch die Energielobby kann zufrieden sein – es wird weiterhin viel Strom benötigt. Aus Sicht de EU-Verbrecher ist also alles in Ordnung.

  3. Der Klüngel mit den Lobbyisten ist doch allseits bekannt. Die Waschlappen in der EU sind noch geschenkt zu teuer für den Steuerzahler. Die ganzen Pappnasen müssten hinweggefegt werden. Hoffentlich kommt mal wieder jemand, der sich nicht kaufen lässt und diesem neoliberalen Gesindel den Garaus macht.

  4. Die billigstens LED-Lampen gibt’s bei netto. Haltbarkeit 25.000 Stunden.

    Selbst, wenn die 10% mehr verbrauchen und nur 20.000 Stunden halten, sind die das beste Geschäft.

    1. Bei den LEDs wird regelmäßig vergessen, wieviel Strom deren Netzteil zieht – auch wenn sie aus sind.

      Kann man durch Anfassen prüfen : Was warm wird, zieht Strom.

      1. Wenn eine LED-Lampe, egal ob Hochvolt (ohne Netzteil) oder Niedervolt (mit Netzteil) über einen Hauptschalter geschaltet wird, zieht die auch keinen Strom.

  5. Was bedeuten 10% in der Praxis bedeuten?  Bei einer LED-Lampe für 4-5 Euro mit 4 Watt Leistung, die eine 40 Watt Glühlampe ersetzt, wären das max. 0,4 Watt, also 0,4 kWh oder 10,8 Cent pro Jahr (bei 1000 Stunden Brenndauer und 27 Ct./kWh). Im Vergleich zur 40 Watt Glühlampe spart die 4 Watt LED 9,72 EUR pro Jahr. Der ökonomische und ökologische "Schaden" durch 0,4 Watt Mehrverbrauch hält sich in überschaubaren Grenzen. Erheblich mehr wäre laut Umweltbundesamt gewonnen, wenn sich die Verbraucher endlich von ihren veralteten Glüh- und Halogenlampen verabschieden würden!

  6. LED-Lampen gibt es für wenige Euro beim Discounter. Die Hersteller müssen bei der Messung der Leistungsaufnahme keine "Messfehler" ausgleichen noch ist dafür "moderne, präzisere Messtechnik" nötig. Das Problem der Hersteller sind Schwankungen in der Fertigungsqualität der elektronischen Komponenten. Dafür gibt es 10% Messtoleranz, wenn die Behörden die Produkt überprüfen. Das heißt aber nicht, dass ein Hersteller die 10% von vorneherein einplanen darf. Wäre auch dumm, weil er dann keinen Spielraum mehr hat, wenn die Serienproduktikon streut. Freilich  – das könnte man alles verhindern – wenn man deutlich teurere Lampen produzieren würde. Will das der Kunde? Nein! Also…

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