EU-Bankenabwicklung: Geldhäuser müssen ihre Bilanzen aufräumen

Gerade Italien soll im Bankenwesen ein Vorbild für Europa sein. Italien habe sich gerade mit der EU auf eine Bad Bank geeinigt, welche Kredite von mehr als 200 Milliarden Euro abarbeiten soll und das völlig ohne Staatshilfen. Eine Bad Bank wäre eine Lösung für viele Länder, so Elke König. In Zukunft sollen auch große Banken abgewickelt werden können, somit wird es kein "to big to fail" oder "systemrelevant" mehr geben. 

Von Redaktion/dts

Europas oberste Bankenabwicklerin glaubt, dass die Geldhäuser in der Euro-Zone dringend ihre Bilanzen aufräumen müssen: Im Gespräch mit dem "Handelsblatt" beklagt Elke König, Chefin des Brüsseler Single Resolution Boards (SRB), "strukturelle Defizite" in der Finanzbranche. "Der europäische Bankenmarkt ist nach wie vor überbesetzt, und wir haben das Thema der notleidenden Kredite", warnt König.

Als Vorbild für eine Lösung des Kredit-Problems nennt die Aufseherin Italien. Das Land hat sich gerade nach langem Streit mit der EU auf eine sogenannte Bad Bank geeinigt, die den italienischen Geldhäusern helfen soll, notleidende Kredite von 200 Milliarden Euro abzuarbeiten. "Italien hat eine Konstruktion für eine Bad Bank gefunden, die auf eine Marktlösung ohne Staatshilfen setzt", erläutert König. "Solch eine Lösung taugt für viele Länder. Auch Deutschland hat damit gute Erfahrungen gemacht."

Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 hat sich das Volumen der faulen Kredite in den Bankbilanzen der Euro-Zone auf rund eine Billion Euro mehr als verdoppelt. Königs Behörde hat mit dem Jahreswechsel ihren vollen Betrieb aufgenommen und soll dafür sorgen, dass sich in Zukunft auch große Geldhäuser im Notfall abwickeln lassen, ohne dass die Steuerzahler eingreifen müssen. Nach den dramatischen Kursverlusten der Banken zu Jahresbeginn betont König, dass sie "weit davon entfernt" sei, sich "grundsätzliche Sorgen um die europäische Bankenlandschaft zu machen".

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Die massiven Kursverluste der Banken zu Jahresbeginn sind für sie kein Symptom für eine neue Bankenkrise: "Natürlich erfreut einen das nicht, aber ich sehe Börsenentwicklungen auch immer mit ein bisschen Abstand. Die Stimmung kann sehr schnell kippen, auf einmal ist die Welt, die vorher rosarot aussah, tief betrübt", betont die ehemalige Chefin der deutschen Finanzaufsicht Bafin. Ihrer Meinung nach sind die Börsenturbulenzen "eher ein sich selbst verstärkendes Phänomen, als dass tatsächlich grundlegend neue Schwierigkeiten aufgetaucht wären". Sollte es aber doch zu einer größeren Schieflage kommen, sieht König ihre Behörde einsatzbereit: "Natürlich wäre es uns lieber, wenn wir ein oder zwei Jahre mehr zur Vorbereitung auf den Ernstfall hätten. Aber die grundsätzlichen Prozesse funktionieren. Außerdem gibt es ja nicht nur uns, sondern ein ganzes Netzwerk an nationalen Abwicklungsbehörden, auf das wir im Ernstfall zurückgreifen können. Ich bin sicher, dass wir mögliche Herausforderungen gemeinsam meistern können."

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7 Kommentare

  1. Jeder Handel der nicht auf reale Werte beruht muß verboten werden, Papiergold, Wetten, verschleierte Risiken usw.. Wetten gehören in Wettbüros und nicht in Finanzgeschäfte. Die Schwankungen der realen Werte sind schon Risiko genug. Jede große Bank redet den Politikern ein sie wären die Besten und schon wird nichts gemacht, weil die denken dann gibts richtig Steuergeld auf die vermeintlichen Gewinne, in Wirklichkeit verzocken die Banken alles zu gunsten einiger weniger Supereichen und die Steuergelder und das Geld der Sparer fließen in Richtung der Banken.

  2. Banken, Staaten, Sozialversicherungen überall Löcher da wird wohl alles zum blechen heran gezogen werden. Sollte da noch jemand an die Sicherheit seines Ersprten bei der Sparkasse glauben ist er bedauernswert. Am Ende wird es Negativzinsen hageln zu lasten der Sparer und Sonderabgaben für Immobilien. Der Reset ist auch nicht vom Tisch ! Also das Ersprte raus aus dem Bankensektor.

    http://homment.com/Negativzinsen

     

  3. Theodor Waigle in seiner Funktion als Finanzminister der BRD sprach einmal über seine "aktive" Bilanzierung beim Bundeshaushalt.

    Mein Professor in Unternehmensführung und Bilanzierung fragte uns in der Vorlesung, was denn aktive Bilanzierung sei.

    Schweigen.

    Nun sagte er es ist schlichtweg die Bilanzfälschung und dazu noch vorsätzlich.

    1. Auf's wesentliche reduziert basiert doch unser gesamtes Wirtschafts und Finanzsystem auf einer Illusion.

      Also wie schlimm ist ein Betrug innerhalb einer Illusion? Am Ende kann es also garkein Betrug sein.:-)

  4. @ Hans e

    also nein aber auch, das kann dein professor nich so hart ausgedrückt haben, das hätte dem armen theo aber weh getan. das muss man gefühlvoll formulierren etwas so: banditen, abzocker bescheisser hazardeure finanzielle luftpumpen,,,,,,,,,,,,,lufthol………………

  5. In der Finanzwelt ist der Gewinn des Einen der Verlust des Anderen, da im Finanzsektor keine ralen Werte geschaffen werden. Nun kann sich jeder ausmalen wo er unterm Strich steht, da ja jede Generation Finanzkrisen erlebt hat.

  6. Elke König hat übersehen, daß das Zombiebankensystem inzwischen 'too big to save' geworden ist und man ohne das Aufheben des EUROsions-Systems sehenden Auges in die größte Finanzkatastrophe der Finanzgeschichte rennt, denn die halbherzigen Maßnahmen mit dem Pfusch der Kaufkraftaushöhlung des Euro durch die EZB hat die Situation nur noch verschlimmert. Info u.a.in der WiWo: 'Vor dem Kollaps wächst der Goldberg noch schneller' So ist es eine weitere irrige Annahme, daß sich durch die  'bad banks' die Schulden verringert würden. Diese werden nur buchungstechnisch verschoben und bestehen nach wie vor und werden bei der Endabrechung der kommenden Währungsreform den Euro in seiner Kaufkraft wertlos machen!

     

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