Die neue Seidenstraße und der tausendjährige Knoten

Zentralasien erweist sich als wichtiges Drehkreuz des innerasiatischen Handels, zudem finden sich dort wertvolle Ressourcen. China hat dies erkannt und investiert in die Region.

Von Thomas Roth

Heartland-RimlandWenn ich auf eine Weltkarte schaue und dabei Zentralasien unter dem Aspekt der Raumanalyse betrachte, dann kann ich sehr deutlich erkennen, dass dieses Gebiet Eurasiens eine wichtige Kreuzung von Reiserouten in Ansiedlungen verschiedener Völker ist. Wenn man sich der aktuellen Sprache der Geowirtschaft bedient, dann ist das in erster Linie ein Drehkreuz, dass die Ströme menschlicher Ressourcen mit den Naturschätzen verbindet. Die Länder, die sich diesen Knoten teilen, sind die Empfänger dieser Ströme. Sie sind auch Akteure, die sich  in der Wechselwirkung der Zonen von Rimland und Heartland befinden, die auch sichtbare Ströme bilden und natürlich, an ihrer ständigen Zirkulation interessiert sind.

Wer mehr über diese geopolitischen Grundlagen erfahren möchte kann hier nachlesen: The Heartland Blog

Fünf Länder Zentralasiens – Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan, Tadschikistan und Turkmenistan – mit einer Gesamtfläche von 4 Millionen Quadratkilometern – befinden sich an diesem wichtigen Punkt, der Asien und Europa verbindet, durch den im Altertum die Große Seidenstrasse führte. Diese Staaten, mit einer allgemeinen Bevölkerungszahl von mehr als 60 Millionen Menschen, verfügen über reiche energetische und Bodenschätze. Sie könnten auch die Chance nutzen, einfach auf dem Zug Chinas mitzufahren, um so mehr, als schon in der gegenwärtigen Etappe eine kolossale Arbeit von seiten Chinas gemacht worden ist. Die zentralasiatischen Staaten, die vor kurzem die wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit bekamen, streben danach, ein eigenes, das heißt, vollständiges innerstaatliches Transportnetzes, vor allem eisenbahngestützt, weiter zu verstärken. Am erfolgreichsten entwickelte sich Kasachstan, in vieler Hinsicht dank dem ihm zufallenden sowjetischen Transporterbe.

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Für Peking ist Kasachstan als Tor nach Zentralasien wichtig, durch das die wichtigsten Transport- und energetischen Korridore gehen sollen, die die Volksrepublik China mit dieser Region verbinden. China entwickelt das Straßennetz, bildet Tunnel und Terminale, schafft die Kanäle für die Lieferung der eigenen Produktion nach Zentralasien und dehnt dadurch die Absatzmärkte aus. Unter verschiedenen Teilnahmemöglichkeiten wählt die chinesische Seite immer die langfristigen Vorzugskredite.

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Mittels der schnellen und wirksamen Rekonstruktion hat China den Durchsatz des Eisenbahnnetzes nach Kasachstan auf bis zu 10 Mio. Tonnen bei den Ladungen per anno und bis zu 120.000 Container im gleichen Zeitraum entwickelt. Kasachstan hat im Jahre 2001 die Bahnlinie Aksu-Delegen und im Jahre 2004 Chromtau-Altynsarin gebaut, was es ermöglicht hat zu fahren, ohne die Grenze zweimal überqueren zu müssen. Dabei möchte ich darauf hinweisen, dass durch diese Maßnahmen ein Teil des Güterstromes, der früher von der Eisenbahn Russlands befördert wurde, jetzt im innerkasachischen Netz bewegt wird.

Der Einfluss Chinas im postsowjetischen Raum, insbesondere zeigt sich das in der Eisenbahnsphäre, ist bemerkenswert. So hat in den letzten Jahren Turkmenien in China 66 neue Diesellokomotiven und 64 Waggons gekauft, es sollen bald noch 113 Waggons (hauptsächlich zur Personenbeförderung) nachbestellt werden. Nach den Vertragsbedingungen bezahlte Turkmenien nur 15 Prozent des Wertes dieser Lieferungen. Den übrigen Teil kompensierte der Kredit, der von der Gesellschaft Capital-Longji Sci-Tech Co. Ltd, für einen Zeitraum von 8 Jahren bei einem jährlichen Zinssatz von 3,6 Prozent gewährt wurde. Früher kaufte Turkmenien die Eisenbahntechnik in Russland ein.

In Usbekistan realisierte China das Projekt der Elektrifizierung der Eisenbahnstrecke Tukumatschi-Agancharan. Außerdem wurden auf der Grundlage eines Vertrages von 2010, der zwischen der staatlichen Aktionärgesellschaft "Usbekistan Temir Yollari" (usbek. Eisenbahn) und der Gesellschaft "Zhuzhou" aus China geschlossen wurde, 75 Elektrolokomotiven für 53 Mio. Dollar geliefert.

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Die Arbeit der Eisenbahnen und das Eisenbahnnetz der Republik Usbekistans selbst haben in den Jahren der Unabhängigkeit  wesentliche Veränderungen erfahren. Es wurden einige neue Richtungen von transkontinentaler Bedeutung, die alle einen direkten Ausgang nach China, Iran und der Türkei – zu den Häfen dieser Länder -haben. Auch die Transitströme der Ladungen in diese Richtungen sind heftig angewachsen.

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