Syrien & Irak: Der Kampf um die Ressourcen der Region

Syrien und der Irak versinken im Chaos. Der Arabische Frühling hat Bashar al-Assad geschwächt, was von Islamisten, USA, Saudis, Türken und Israelis genutzt wurde, um sich die Rohstoffe des Landes zu krallen. Russland, der Iran und die Hisbollah stützen die syrische Regierung und jeder versucht in diesem Chaos seine eigenen Interessen zu wahren.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Der Kampf gegen ISIS und den Terrorismus ist nur ein Aspekt unter vielen. Bei allen Problemen dieser Region – wie auch anderswo auf der Welt – muss man die Geschichte und die Kultur der einheimischen Bevölkerung verstehen, um die geschaffenen Probleme effektiv lösen zu können. Die Ignoranz der US-amerikanischen Politiker und deren Berater, die Gier der regionalen Mächte und der sunnitisch-schiitische Glaubenskrieg neben der „Untätigkeit“ der EU, ist wohl der Grund für den Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien. Aber diese Geschichte beginnt schon vor über 100 Jahren.

Im Ersten Weltkrieg, als die Region zum Osmanischem Reich gehörte, machten die Briten den Arabern, insbesondere den Wahhabiten, Versprechen von Unabhängigkeit und Wohlstand. Die Türken, als verbündete der Mittelmächte, hatten aber längst Teile des heutigen Irak und Syriens besiedelt, um die Ölquellen der Region besser unter Kontrolle zu haben. Das schwarze Gold war noch nicht lange als Energieträger in Gebrauch, aber im Ersten Weltkrieg wurde der stinkende Schlamm aus grauer Vorzeit zu einem kriegsentscheidenden Rohstoff. Bis in unsere Zeit, obwohl es immer mehr Alternativen gibt, hat die Relevanz von Öl und Gas immer weiter zugenommen.

Lawrence von Arabien, in Hollywood zum Helden hochstilisiert, wurde am Ende zum Verräter wider Willen an den Arabern. Denn die Briten und Franzosen haben die Territorien, die von der Türkei getrennt wurden, unter sich aufgeteilt und nur zögerlich – nach einem weiterem Weltkrieg – in die Unabhängigkeit entlassen. Die Ausbeutung der Rohstoffe aber haben sie sich zuvor gesichert. Autokratische, dem Westen hörige Regime, wurden eingesetzt, gestärkt und unterstützt. Aber ein weiterer „Spieler“ kam hinzu und setzte sich in der Region fest: Israel. Der jüdische Staat brachte Unruhe in die Beziehung zwischen dem Westen und den arabischen Tyrannen, was in einigen Staaten zum Wechsel von Königen zu Diktatoren führte.

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Die Baath-Partei übernahm die Macht in Syrien und im Irak und machte ein paar Clans reich und mächtig. Diese wandten sich der Sowjetunion zu, ohne aber die guten Geschäfte mit dem Westen zu vernachlässigen. Die Islamische Revolution im schiitischem Iran 1978 machte das Land zum Erzfeind der USA, was zur Aufrüstung und Krieg des Irak gegen das Nachbarland führte. Als Saddam Hussein aber Kuwait als Kompensation für seinen blutigen und kostspieligen Krieg forderte und kurzerhand besetzte, wurde er zur „persona non grata“ erklärt und die USA unter G. W. Bush führten einen Krieg an der Spitze einer breiten Koalition gegen den einstigen Günstling.

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Nach 9/11 hat der Sohn des US-Präsidenten George Bush senior, das Ziel seines Vaters zum Abschluss gebracht und den irakischen Diktator Saddam Hussein gestürzt. Die Rache der seit dem Krieg gegen den Iran unterdrückten Schiiten war knallhart. Das Land wurde von US-Truppen, Briten, Polen und anderen Bündnispartnern besetzt, die Führungsriege entmachtet, die sunnitischen Unterdrücker und die schiitischen Unterdrückten wechselten die Seiten und die Kurden haben sich faktisch ihren eigenen Staat geschaffen. Damit war der Nährboden für das Chaos bereitet, welches die gesamte Region inzwischen in ein Inferno verwandelt hat. Das Inferno wuchs nämlich über den Irak hinaus und stürzte auch Syrien ins Verderben.

Eine ganze Reihe von Staaten und Interessengruppen beteiligen sich an dem Wettkampf um die Rohstoffe. Vor allem Öl und Gas, aber auch das Wasser haben einen hohen Stellenwert in der sonst kargen Wüstenregion. Die Flüsse Euphrat und Tigris entspringen im Kurdengebiet der Türkei und sind die Lebensader des Irak. Es sind größtenteils die gleichen Staaten wie vor 100 Jahren, im erstem Weltkrieg. Doch damals gab es nur zwei Parteien, auch wenn bei diesen jeder seine eigenen Ziele verfolgte.

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Heute haben wir die syrische Regierung und wohl ein Dutzend Rebellengruppen, die mal mehr, mal weniger radikal, islamistisch/extremistisch sind. Demokraten, laizistische und gemäßigte Rebellengruppen hatten in Syrien keine Chance, da die radikalen Islamisten, vor allem ISIS und die al-Nusra Front, aber auch die syrische Armee immer brutaler, gewissenloser und grausamer wurden. Die USA haben Rebellen wahllos mit Waffen und Logistik unterstützt und dabei Islamisten mit aufgerüstet. Russland bombt seinerseits alles in Grund und Boden, was nicht auf Seiten Assads steht. Die Auswirkungen des Terrorkrieges sind Flucht und Vertreibung, wie Europa gerade auf verschiedenen Wegen zu spüren bekommt. Aber den Terror, den Syrer und Iraker täglich erleben, der kommt gelegentlich auch zu uns. Paris, London, Brüssel oder wo auch immer die nächste Terrorzelle zuschlägt, geben uns nur eine winzige Geschmacksprobe dessen, verglichen mit dem täglichem Leid der syrischen und irakischen Bevölkerung.

Warum das alles? Wie immer ist die Gier, besonders die Machtgier einiger weniger, die treibende Kraft hinter den Kämpfen. Die USA, mit deren Öl- und Gaskonzernen, der Rüstungs- und Waffenindustrie u. a. m., als treibende Kraft, haben maßgeblich zur Entstehung und zum steten Wachsen und Gedeihen dieses Krieges beigetragen. Ein weiterer „Störenfried“ ist die Türkei, die ein doppeltes Spiel spielt und ISIS unterstützt, während sie ankündigen, das selbsternannte Kalifat zu zerschlagen. In Wahrheit kaufen sie den Fanatikern das Öl ab und nutzen die Lage um den Kurden einen herben Schlag zu verpassen. Israel schiebt mal der einen, mal der anderen Seite Informationen oder Finanzmittel über Mittelsmänner zu und wartet entspannt, bis sich Assad und ISIS, der Iran und die Saudis, Schiiten, Sunniten, Hisbollah und so weiter, gegenseitig umgebracht haben.

Die neueste Eskalation zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Königreich Saudi-Arabien ist nur eine logische Folge des Stellvertreterkrieges, den die beiden regionalen Großmächte in Syrien und dem Irak schon länger führen. Wir haben es in Europa derzeit mit Flüchtlingsmassen zu tun, die einzelne Länder überfordern und ein Ansteigen von Aggression und Fremdenhass auslösen. Da sich die EU (Egoisten Union) nicht einig wird und jeder die Hilfesuchenden möglichst schnell über die Grenze ins Nachbarland abschiebt, schlägt hier die Stunde der Populisten, Hetzer und Panikmacher von Rechts einerseits und blind fundamentalistischen Idealisten und Pazifisten von Links andererseits. Beide Seiten manipulieren die Zahlen, bauschen auf, übertreiben, untertreiben, schüren Ängste oder verharmlosen. Auf Kosten derer, die dem Inferno des Krieges und des Hungerns entkommen sind.

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Europa sollte aber nicht auch noch in den Krieg eingreifen, sondern in Jordanien und dem Libanon Lager aufbauen und die humanitäre Katastrophe vor Ort eindämmen. Denn Morgen kann es uns treffen. Einem anderem Menschen zu helfen ist kein Gutmenschentum, sondern die Pflicht eines jeden mitfühlenden Menschen. Genauso muss man sehen, dass der soziale Friede in Europa immer mehr von Ängsten überschattet wird, die leicht in Hass und Gewalt umschlägt. Auch die Flüchtlinge, die mit Hasstiraden empfangen werden und denen Molotowcocktails die Bleibe abfackeln, werden nicht die zweite Wange hinhalten, sondern werden sich leichter von Terrorzellen rekrutieren lassen.

Die Welt – vor allem der Nahe Osten und Europa – steht im Flammen. Die Politik muss endlich handeln, um in Syrien Frieden zu schaffen. Erste Schritte könnten sich aber wieder als nutzlos erweisen, wenn Saudi-Arabien nicht endlich als das gesehen wird, was es ist: Ein Terrorregime, das für sein Öl und inzwischen auch für sein Geld vom Westen hofiert wird. Militärisch muss der IS bekämpft werden, bis sich die Terroristen in ihre Erdlöcher verkriechen und aus allen Städten und Dörfern vertrieben wurden. Aber auch Wirtschaft, Technik und Wissenschaft könnte zur Problemlösung beitragen, indem sie die Abhängigkeit unserer Gesellschaft von Öl und Gas beendet. In diesem Sinne: „Ohne Streitobjekt, kein Streit!“

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7 Kommentare

  1. jeder euro, den wir zur tankstelle tragen, fördert diese gewalt und dringt bis mitteleuropa vor, daher kein erdöl aus nahost, sondern umweltenergie für unsere fahrzeuge, damit der strom auch seinen wert hjat!

  2. GENAU Fed – BANK OF ENGLAND – AUSSCHUSS 300 – Geheimgesellschaften (Masonic Bestellungen – Bestellungen Zion -bilderberg Verein – Juden) Bush-Familie Handel GERMAY – Iran ist richtig – in der Freimaurer EU Soros Mediengehirnwäsche Menschen – Nicht-EU-Ost-
    Ungarn unterstützt Polen im Streit mit der Slowakei ++ EU: Einstellungsstopp für muslimische Flüchtlinge -Polen Andert Mediengesetz: Juncker pocht auf Elle Verfahren

    1. ????? Wieder mal ein Kommentar der NICHTS mit dem Artikel zu tun hat und nur irgendwelche V-Theorien propagieren will. Bleibt bitte beim Thema und nutzt unser Magazin nicht als Werbeplattform für eure Ideen. Wer Werbung machen will, muss dafür zahlen, wie jeder andere auch!

      Wenn das aber den Artikel betreffen soll, dann formuliere das so, dass man es auch versteht…

  3. Wie immer sehr guter Text. Ich schwärme davon so gut schreiben zu können. Mit dem Inhalt bin ich diesmal auch völlig einverstanden, was wohl nicht immer der Fall ist. 

    1. Ja, Meinungsvielfallt ist aber wichtig. Man muss und kann auch gar nicht einverstanden sein mit allem, doch man sollte anderen Meinungen mit Respekt begegnen wie sie es auch machen, was leider aus der Mode zu kommen scheint. 

      Hierfür mein Dank.

  4. Dem Westen geht’s um die Öl- und Gasreserven, das ist das Wichtigste. Aber Syrien ist kein Bürgerkrieg.

    „Die Waffen kommen aus dem Ausland, die Kämpfer kommen aus dem Ausland, die Agenda kommt aus dem Ausland. Während syrische Kräfte kämpfen, um die Kontrolle über ihr Land zurück zu erringen und die Ordnung innerhalb ihrer Grenzen wieder zu errichten, geht das Märchen vom „syrischen Bürgerkrieg“ weiter. Zweifelsohne gibt es Syrer, die gegen die syrische Regierung sind, und sogar Syrer, die mit Waffen gegen die Regierung gekämpft haben und damit gegen das syrische Volk, aber von Anfang an (tatsächlich schon vor dem Beginn) ist dieser Krieg aus dem Ausland betrieben worden. Ihn als „Bürgerkrieg“ zu bezeichnen, ist eine falsche Bezeichnung, genauso wie die Bezeichnung derjenigen, die mit Waffen kämpfen, als „Opposition.“ Es ist kein „Bürgerkrieg,“ und diejenigen, die gegen die syrische Regierung kämpfen, sind keine „Opposition.“ „Uslon Gunmar

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