Studie: Lebensmittel aus konventioneller Landwirtschaft stark pestizidbelastet

Die Belastung von Lebensmitteln aus konventioneller Landwirtschaft mit Pestiziden ist laut einer Studie so hoch, dass viele davon nicht als Säuglingsnahrung verkauft werden dürften. Bei den Bio-Produkten hingegen erfüllen demnach 95 Prozent der Nahrungsmittel die Grenzwerte.

Von Redaktion/dts

Die meisten Lebensmittel aus konventioneller Landwirtschaft sind so stark mit Rückständen von Insekten- und Unkrautvernichtungsmitteln belastet, dass sie nicht als Säuglingsnahrung verkauft werden dürften: Demgegenüber halten 95 Prozent der ökologisch erzeugten Produkte den Grenzwert für Säuglingsnahrung von 0,01 Milligramm pro Kilo ein, so das Ergebnis einer Studie im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen, über die die "Berliner Zeitung" berichtet. Danach enthielten normale Kiwis im Schnitt 3.000 Mal so hohe Pestizidkonzentrationen wie ökologisch erzeugte. Bei den elf ausgewählten Bio-Obstarten waren die Pestizidgehalte laut Studie im Mittel 350-mal niedriger als im Obst aus konventioneller Produktion.

Bio-Gemüsearten und Kartoffeln unterschritten demnach die Pestizidwerte der konventionellen Produkte um das 30-fache. Die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen, Nicole Maisch, bezeichnete den Befund als erschreckend. "Vor allem Mehrfachbelastungen mit unterschiedlichen Pestiziden können zur Gefahr werden. Die Wirkung solcher Pestizidcocktails wird bei Zulassung und Risikobewertung völlig unzureichend berücksichtigt", sagte die Grünen-Abgeordnete der Zeitung. Maischs Fraktionskollege Harald Ebner mahnte politische Konsequenzen an: "Minister Schmidt muss dafür sorgen, dass besonders fragwürdige Pestizide wie aktuell das wahrscheinlich krebserregende Glyphosat keine neue EU-Zulassung bekommen."

Studienautor Lars Neumeister hatte die Ergebnisse von fast 58.000 Stichproben ausgewertet, die die Lebensmittelüberwachungsbehörden der 16 Bundesländer in den Jahren 2011 bis 2013 untersucht hatten. In allen 37 Produktkategorien – vom Apfel bis zur Zitrone – wiesen Bio-Lebensmittel deutlich niedrigere Rückstandsgehalte auf als die konventionellen Vergleichserzeugnisse. Von den elf getesteten Obstsorten wiesen konventionell angebaute Früchte nur zu 16 Prozent keinerlei Rückstände auf, aber 94 Prozent der Bio-Erdbeeren. Unbedenkliche Werte von unter 0,01 Milligramm wurden in weiteren zehn Prozent der konventionellen und zwei Prozent der ökologischen Erdbeeren nachgewiesen. Umgekehrt bedeutet das: Nur vier Prozent der Bio-Früchte überschritten den Grenzwert für Säuglingsnahrung, aber fast drei Viertel der konventionellen. Ähnlich große Unterschiede wurden für Äpfel, Bananen, Birnen, Weintrauben und Zitronen festgestellt. Kiwis und Orangen waren dagegen auch ohne Bio-Siegel zu über 50 Prozent rückstandsfrei.

Ein vergleichbares Bild ergab die Auswertung der Getreide-, Gemüse- und Kräuterproben. Für die 16 untersuchten Gemüsesorten liegt der Anteil der nicht oder nur minimal belasteten Bio-Produkte fast durchweg bei über 90 Prozent. Immerhin schneiden in diesem Bereich auch konventionelle Erzeugnisse teils recht gut ab. So weisen drei Viertel der Brokkoli-, Erbsen- und Bohnenproben keine oder nur geringe Belastungen auf, bei konventionellem Kürbis liegt der Anteil sogar bei 90, bei Zwiebeln bei 85 Prozent. Die schlechteste Werte erzielt Rucola: Zwei Drittel der konventionellen und immerhin 17,5 Prozent der ökologischen Proben rissen den Grenzwert.

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Ein Kommentar

  1. Und über alles wacht das Landwirtschafts- und Verbraucherministerium, oder müßte es besser heißen Ministerium für die Belange und Interessen der Land- und Forstwirtschaft. Wer heute mit offenen Augen über unsere Wiesen und Felder geht kann genau erkennen, das alles Blühende, also Unkräuter, schon seit Jahren eliminiert werden. Es gibt quasi keine Schädlingsplage mehr, auch das ist ein Indiz für massenhafte Anwendung von Pestiziten und anderes Gebräu. Kommerz ist das Gebot der Stunde und alle machen eifrig mit. Landwirte, Agrarindustrie und auch die Verbraucher, die nichts zahlen wollen und auch die Essenauswahl nach optischer Schönheit auswählen, weniger nach Geschmack und gesundheitlichen Erwägungen. Erst wenn das gesamte Ökosystem einmal zusammengebrochen ist und wir nur noch halblebig zusammen mit anderen Tieren dahin vegetieren werden wir erkennen, daß wir falsch gehandelt haben. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät für meine Enkel.

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