Portugals Telekom-Unternehmen schließen Millionenverträge mit Fußballklubs

Die NÓS und MEO haben, wie auch Vodafone, haben bei Einführung des Digitalfernsehens das große Geld gemacht. In ihrem Monopoly, den Chinesen und Angolaner angefacht haben, kauften NOS und MEO jetzt TV- und Werberechte von den Klubs der Primeira Liga.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Es ist schon verrückt. Als noch vor Weihnachten das Telekommunikationsunternehmen NOS und Benfica Lissabon einen 400 Millionen Euro Deal bekannt gaben, indem der amtierende portugiesische Meister die Übertragungsrechte für seine Heimspiele in der 1. Liga und die Leitung ihres Pay-TV Senders „Benfica TV“ für 10 Spielzeiten abtritt, war die Überraschung groß. 40 Millionen pro Jahr ist eine Rekordsumme, die vor allem überrascht, weil die Wirtschaft des Landes danieder liegt und diese Unsummen von keinem Araber, Russen, Chinesen oder Inder kommen, sondern von einem einheimischem Unternehmen.

Nun ja, gewissermaßen. Das portugiesische Multimediaunternehmen ist faktisch zu über 28 Prozent im Besitz der angolanischen Großindustriellen und – Grundlage für ihren Reichtum – Tochter des jahrzehntelang an der Macht klebenden Präsidenten Angolas, Isabel dos Santos. Bei dem Vertrag handelt es sich aber nicht um eine Investition aus Angola. Es sind die Millionen, die den Portugiesen abgeknöpft wurden und werden. NOS, MEO, Vodafone und noch kleinere Anbieter haben das große „Los“ gezogen. Allerdings hat die Regulierungsbehörde, ANACOM, bei dieser „Lotterie“ geschummelt.

Denn als das Digitalfernsehen eingeführt wurde, wurde das analoge Signal nach und nach abgeschaltet. Wer fernsehen wollte musste einen neuen Apparat kaufen oder ein Gerät, dass das digitale in ein analoges Signal umwandelt. Doch war – und mancherorts ist es noch immer – das TDT-Signal (Televisão Digital Terreste) zu schwach. Auch die alten Antennen mussten ausgewechselt werden. Eine teurer Spaß, der den Menschen aufgezwungen wurde, nur um die gleichen vier (4!!!!) Kanäle zu empfangen. Daher haben sich viele (die es sich eigentlich nicht hätten leisten können oder wollen) das Kabelfernsehen zum Telefon und Internet geholt und oft ist Handy oder Smartphone mit im Vertrag. Die Werbestrategien sind äußerst aggressiv und es vergeht keine Woche, in der nicht 2 oder 3 Vertreter an unsere Tür klingelt.

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Kein Wunder, dass diese Unternehmen, von der Regierung Passos Coelho vier lange Jahre protegiert, trotz Krise hohe Gewinne machen konnten. Jetzt investieren sie in des Portugiesen liebsten Zeitvertreib, seine Passion: Den Fußball. Bisher hatte Sport-TV die Übertragungsrechte der 1. und 2. Liga. Nur Benfica hatte seinem eigenem TV-Sender die Heimspiele übergeben. Doch in beiden Fällen handelt es sich um Prämienkanäle, die nur für Gutverdiener oder Cafés und Restaurants erschwinglich sind. Letztere könnten ohne Fußball in ihren Etablissement gar nicht überleben. Daran wird sich auch kaum etwas ändern.

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Es wird allerdings verzwickter, da der FC Porto seine Heimspiele, Stadionwerbung und Werbung auf dem Dress, sowie die kommerzielle Nutzung der Verkaufsstellen im Estadio do Dragão (Drachenstadion) für 455 Millionen Euro auf 10 bis 12,5 Jahre an MEO, den Konkurrenten von NOS vergeben hat. Damit hat sich der Multimediakonzern, der aus der einst staatlichen Portugal Telecom hervorging, in das Rennen eingemischt. Wenn man bedenkt, wie sehr beide Konzerne bei der Pleite der BES – Banco Espirito Santo – verloren haben, sind diese Summen reichlich übertrieben.

Es wird noch besser. Portugal hat schließlich drei große Vereine, die außer Fußball noch eine ganze Reihe anderer Sportarten betreiben. Sporting Lissabon (Sporting Clube de Portugal) ist der Dritte im Bunde. Seit dem 2013 mit Bruno Carvalho ein neuer Präsident bei dem Lissabonner Prestigeklub am Ruder ist, sind die Ambitionen der Mitglieder und Fans ins Grenzenlose gestiegen.Es war daher klar, dass sie auch einen entsprechenden Deal abschließen würden. 446 Millionen Euro für die entsprechenden Rechte zahlte nun die NOS an die Grün-Weißen. Doch Bruno Carvalho sprach in seiner Pressekonferenz von 515 Millionen. Er hat damit einen Vertrag mit den jetzigen Inhabern der TV-Rechte mitgerechnet, um einen höheren Betrag wie die Konkurrenten zu nennen. Er ist wohl der geborene Politiker.

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Die NOS hat auch noch einen Deal mit acht weiteren Erstligisten abgeschlossen. Die Beträge liegen aber weit unter den bisher genannten. Nur SC Braga hat wohl 100 Millionen Euro bekommen, als viertgrößter Verein. Weitere Verträge werden folgen. Wo wird der Fan in Zukunft die Spiele seines Vereins sehen? Werden NOS und MEO eine Übereinkunft schließen? Warum hat die Liga, dessen Präsident einen einheitlichen Vertrag abschließen wollte, so versagt? Wir erleben hier wiedereinmal wie die Gier der Menschen eine eigentlich noble Sache pervertiert. Andererseits ist der Fußball inzwischen ein Wirtschaftsfaktor, der Touristen bringt und vielen Portugiesen Arbeit gibt. Bleibt nur noch die Frage, wer diese letztlichen über 2 Milliarden Euro bezahlen soll. Die Medienunternehmen pokern hoch und setzen auf ein Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren. Na denn, vielleicht haben wir ja Glück und verdienen genug, um uns den Fußball bei einem Glas Bier im Café nebenan anschauen zu können.

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