Einer Studie zufolge können aus Plastikverpackungen Weichmacher austreten und über die Nahrung vom Körper aufgenommen werden, wo sie dann zu einer Gewichtszunahme führen. Ebenso besteht die Gefahr von Erbgutschädigungen.

Von Marco Maier

Sogenannte Phthalate werden bei der Verarbeitung von Kunststoffen als Weichmacher eingesetzt. Sie dienen dazu, das Plastik weich, biegsam oder dehnbar zu machen. Doch vor allem fetthaltige Lebensmitteln sorgen dafür, dass diese Phthalate von diesen aufgenommen werden. Besonders davon betroffen sind demnach Wurst und Käse.

Die Weichmacher stehen aufgrund ihrer chemischen Struktur, die jenen von Hormonen ähnlich ist, schon länger im Fokus von Wissenschaftlern. Bislang war es jedoch noch nicht möglich, die Zusammenhänge und Mechanismen zu entschlüsseln. Doch jetzt gelang den Forschern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Kooperation mit dem Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) in einer Studie ein Durchbruch.

Es zeigte sich, dass das Phthalat DEHP zu einer Gewichtszunahme führt. Zudem konnten die Forscher in Laborversuchen die daran beteiligten Stoffwechselprozesse eruieren. Demnach steigt der Anteil ungesättigter Fettsäuren im Blut durch den Weichmacher an – aber auch der Glukosestoffwechsel wird dadurch massiv gestört. Weiters zeigte sich eine Änderung der Rezeptoren im Blut, die für den Gesamtstoffwechsel wichtig sind und zu einer Umstellung des Stoffwechsels führen können.

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Weiters weisen Tierversuche darauf hin, dass Phthalate die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen können. Auch wenn die dort verwendeten Dosen sehr hoch waren, so zeigen sich Schädigungen am Erbgut, die zu einer Reduktion der Fruchtbarkeit bei den männlichen Exemplaren führten.

Angesichts dieser Erkenntnisse wird wieder einmal deutlich, dass unsere "moderne Plastikwelt" nicht nur für die Umwelt negative Auswirkungen hat, sondern auch für unsere Gesundheit. Weichmacher und andere Chemikalien passen nun einmal nicht mit Lebensmitteln zusammen. Bewusst auf Nahrungsmittel in Plastikverpackungen zu verzichten, bzw. den Konsum solcher Produkte zu reduzieren, wäre wohl kein Fehler.

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7 KOMMENTARE

  1. Au geil, hier tut sich ein Thema auf das für "exotisch denkende" aller Richtungen geeignet ist 🙂
    Ich fange mal an und behaupte, dass es hauptsächlich der INHALT des verpackten ist, das dick macht, und nicht die Verpackung selbst.
    Klar sind weichmacher und Plastik sowieso ein Riesenmist, gerade für die Umwelt – aber die Verfettung rührt auf falsche Ernährung zurück!
    Alles, was künstlich konserviert oder  sonst irgendwie industriell verarbeitet wurde, ist im Prinzip Gift und sollte gemieden werden.
    Wer gesund bleiben will, sollte nur natürliche und unverarbeitete Lebensmittel zu sich nehmen, und diese in Maßen.

  2. Vielleicht sollten wir unseren Vizekanzler Gabriel hierzu befragen..der ist doch so gut zu passe.

    Wahrscheinlich isst der jedoch weniger aus der Plastikkombuese..und mehr in freier Wildbahn.

    Was wiederrum mehr die These stuetzt das die 'Poelsterchen'mehr dem Inhalt als der Verpackung zuzuschreiben sind.

  3. Phthalate sind wahrlich Weichmacher, da sie sich auch auf männliche Geschlechtshormone auswirken. Bestätigt wurde das nicht nur in Tierversuchen. Ein anderer Weichmacher namens Bisphenol A wirkt wiederum auf das weibliche Hormonsystem, als "künstliches" weibliches Sexualhormon. Auch das mit dem "Dickmachen" ist so 'ne Sache, wohl fördern Weichmacher wie Phthalate die Zunahme von Pölsterchen, nicht aber "ein Dickmachen"  im Sinne von Schwangerschaften, da wirken sie eher hemmend. Beide Stoffe sind in unserer Umwelt  allgegenwärtig , nicht nur als Nahrungsverpackung oder wie Bisphenol als Bestandteil von Wasser- und Saftflaschen, sondern in Matratzen (wichtig für die männlichen Nutzer!) , Bodenbelägen, Textilien, Kinderspielzeug und auch Hygieneprodukten der Frau. Bei dieser nicht zu übersehenden Wirkung der Weichmacher auf das menschliche Hormonsystem (speziell auf die Sexualhormone) kann schnell der Gedanke entstehen – wenn das man nicht gewollt ist. –  Ein wenig möchte ich die Darstellung von Autor Maier "zurechtrücken", es ist nicht so, das der Anteil der ungesättigten Fettsäuren im Blut durch die Phthalate ansteigt, vielmehr "verweigern" die Zellen die Aufnahme derselben ebenso wie die Aufnahme von Glucose aus dem Blut. Grund dafür kann mangelnde Insulinproduktion sein oder der oftmals vorkommende Mangel an Vitalstoffen und Spurenelementen wie z.B. Zink und Chrom, die für Glucose-, Fett- und Eiweißstoffwechsel vonnöten sind. Phthalate werden mittlerweile für Diabetes Typ 2 mitverantwortlich gemacht.- – Insgesamt läßt sich feststellen, wie segensreich manche der chemischen Produkte doch (für die Pharmaindustrie) sein können.

  4. Um mal ein bisschen Sachlichkeit reinzubringen:

    @edmundotto: Bisphenol A ist kein Weichmacher. Es ist zum einen ein Monomer (Grundbaustein) für Polymere wie Polycarbonat, zum anderen z.B. ein "Monomer" für manche Lacke. Sonst gibt es eigentlich keinen Einsatz im Lebensmittelkontakt-Bereich.

    Auch Phthalate werden in Lebensmittelkontakt-Anwendungen eigentlich kaum bis nicht mehr eingesetzt. Dazu gibt es strenge Migrationsprüfungen mit strengen Grenzwerten insbesondere für fettige Lebensmittel. Ein Einsatz von Phthalaten als Weichmacher ist demnach in einem Riesenausmaß für kritische Anwendugen kaum (bis nicht) möglich. Das Problem sind schwarze Schafe oder Importeure von Produkten, die diese Prüfungen nicht seriös durchführen. Das rechtliche passt also bzw. ist schon zu scharf, da viele Prüfungen die tatsächliche Gefahr massiv überschätzen – aber die Marktüberwachung in der EU fehlt mangels Geld. Da werden in Ost- und Südeuropa lieber sinnlose Straßen gebaut und sinnlose Forschungsprojekte gefördert.

    Phthalate werden weiterhin mittlerweile eigentlich nur noch in technischen Weich-PVC-Anwendungen verwendet. Weichkunststoffe für lebensmittelnahe Anwendungen (wie z.B. Dichtungen werden gewöhnlich über Silikon oder thermoplastische Elastomere abgedeckt. Wenn da Weichmacher im Einsatz sind, sind es medizinische Öle wie sie auch in der Kosmetik- und Medizin eingesetzt werden.

    Dass Kunststoffe generell umweltgefährlich sind, kann ich auch so langsam nicht mehr hören. Durch den Einsatz von leichten Kunststoffen kann in vielen Produkten massiv Gewicht eingespart werden, was sehr viel Energie spart. Weiterhin können sie normalerweise dem Recycling zugeführt werden oder einer thermischen Verwertung, was wieder Energie bringt. Das Übel sind da eher Biokunststoffe. Für die Herstellung wird im Vergleich oft mehr Chemie und sehr viel Energie benötigt. Grundlage sind Energiepflanzen wie Mais und Zuckerrohr. Somit steht das im Wettbewerb zu Nahrungsmitteln. Werden Pflanzenabfälle dafür verwendet, gab es die früher natürlich auch. Da wurden sie aber z.B. als natürlicher Dünger verwendet (jetzt wohl mehr Chemie auf dem Feld) und nicht zur Herstellung von Benzin und Kunststoff. Nur 7% des Erdölverbrauchs kommen in die Kunststoff-Herstellung. Das Umweltproblem ist die Herstellung teils sinnloser Einwegprodukte und der verantwortungslose Umgang mit Abfall – aber dafür kann das Material nichts. Das ist Faktor Mensch.

    @ Herr Jeh: Die Verpackung mitzuessen wäre teilweise sogar empfehlenswert, da diese genauer erforscht und überprüft ist, wie in den meisten Fällen das verpackte Lebensmittel.

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