Parade in Nordkorea.
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Nordkorea steht wieder einmal im Zentrum der Berichterstattung. Grund dafür ist der vierte Atombombentest des Landes. Eine Wiedervereinigung Nord- und Südkoreas ist derzeit nicht möglich, weil sich gewisse Kräfte dagegen sträuben.

Von Thomas Roth

Das Drama rund um Korea begann mit der Niederlage und Kapitulation Japans im Pazifikkrieg. Die Alliierten besetzten nicht nur Japan selbst, sondern unter anderem auch das 1910 durch Japan annektierte Korea, welches diesem als Provinz Chosen eingegliedert worden war. Der UN-Treuhandrat übertrug der Sowjetunion und den USA die treuhänderische Verwaltung des Landes.

Die beiden Siegermächte des Zweiten Weltkriegs teilten das Land entlang des 38. Breitengrads unter sich auf. Die Sowjetunion übernahm den nördlichen Teil, während die Vereinigten Staaten den Süden verwalteten. Ziel der Treuhänderschaft sollte es sein, eine provisorische koreanische Regierung einzurichten – „frei und unabhängig in ihrer Ausrichtung“. Und nichts davon wurde umgesetzt. Stalin, der seiner überragenden Führungsrolle im Großen Vaterländischen Krieg erneut eine farblose Rolle in der Gestaltung der Nachkriegszeit folgen ließ, wurde zum wiederholten Male damit konfrontiert, dass die Aliiertenzeit durch den Westen mit dem Kalten Krieg beendet wurde. Der gemeinsame Feind war unter unsäglichen Opfern der Sowjetunion besiegt worden, jetzt dachten Truman, Churchill und Co. an andere Dinge: die Nachkriegsordnung, sich in Stellung bringen, die Schaffung der NATO u.ä. standen auf der Tagesordnung.

Übrig blieb ein geteiltes Korea. Übrigens ein beliebtes Mittel der Nachkriegspolitik des Westens. Konflikte gründen über Teilungen, wie in Korea, Indien/Pakistan, Deutschland.
Im Juni 1950 versuchte Nordkorea durch einen militärischen Überfall auf den Süden die Vereinigung des Landes gewaltsam zu erzwingen, was darauffolgend zum sogenannten Korea-Krieg führte. Nach dem Waffenstillstand im Juli 1953, der die Kampfhandlungen beendete, blieb die Teilung der Halbinsel bestehen. Im Norden etablierte sich ein kommunistisches Regime, das heute häufig als stalinistisch und isolationistisch gilt. Der Süden – anfangs eine von den Vereinigten Staaten gestützte Diktatur – hat sich dagegen zu einer Demokratie nach westlichem Vorbild entwickelt. Die Wirtschaft des zunächst deutlich reicheren und fortschrittlicheren Nordkoreas begann mit der Zeit unter den politischen Verhältnissen zu leiden und brach in den 1990er Jahren zusammen, während Südkorea seit den 1970er Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt hat und heute zu den zwanzig größten Volkswirtschaften der Welt zählt. Seit dem Ende des Koreakrieges kam es zu verschieden intensiven Phasen der Annäherung und Entfremdung der beiden Staaten und einer Reihe bewaffneter Grenzzwischenfälle, die offiziell weiterhin die Wiedervereinigung anstreben (praktisch sind keine zielführenden Handlungen feststellbar), verfügen über hochgerüstete und zahlenmäßig starke Streitkräfte.

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So viel zur Vorgeschichte. Die Entwicklung von Atomwaffen durch Nordkorea ist eine lange Geschichte. Als sie bei der Entwicklung ertappt wurden, traten sie 1985 dem Atomwaffensperrvertrag bei. Der Atomwaffensperrvertrag oder Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen ist ein internationaler Vertrag der das Verbot der Verbreitung und die Verpflichtung zur Abrüstung von Kernwaffen sowie das Recht auf die "friedliche Nutzung" der Kernenergie zum Gegenstand hat. Der Atomwaffensperrvertrag wurde von den fünf Atommächten Russland, USA, Frankreich, China und Großbritannien initiiert und mittlerweile (2015) von 191 Staaten unterzeichnet bzw. akzessiert. Nur vier Nationen sind nicht Mitglied des Atomwaffensperrvertrags: Indien, Israel, Pakistan und Südsudan. Nordkorea trat im Januar 2003 aus dem Vertrag aus und dessen endgültiger Status wird seither von der Gemeinschaft offen gehalten.

Dann folgten zwei Jahrzehnte mit Forschung auf der koreanischen Seite, mit Unterstellungen, Verdächtigungen, Druck und Anschuldigungen auf der westlichen Seite und dem Fehlen jeglichen Versuchs, eine grundsätzliche Lösung zu erzielen, auf beiden Seiten. Nordkorea wusste allerdings eines ganz sicher: Schutz, Sicherheit und damit Zukunft haben sie nur mit Kernwaffe. Ergo? Wurde weitergeforscht und gebastelt.

Diese Periode wurde damit beendet, dass Nordkorea am 9. Oktober 2006 seine erste Atomwaffe mit einer Sprengkraft vergleichbar mit 550 Tonnen TNT auf dem Versuchsgelände in Hwaderi nahe der Stadt Kilju zündete. Nach dem nordkoreanischen Atomtest flammten die Spannungen in Nordostasien auf. Die USA und Japan verhängten harte Sanktionen gegen Nordkorea, der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedete die Resolution 1718 auf seiner 5.551. Sitzung am 14. Oktober 2006. Sie verhängt eine Reihe von wirtschaftlichen Sanktionen gegen Nordkorea als Reaktion auf den nordkoreanischen Kernwaffentest vom 9. Oktober 2006.
Am 25.05.2009 wurde der zweite Atomtest durchgeführt. Im selben Jahr wurde auch die erste Langstreckenrakete erfogreich gestartet. Damit zeigte Nordkorea seine Möglichkeiten zum Einsatz von Kernwaffen im asiatischen Raum. Jetzt musste nur noch die Entfernung zum amerikanischen Raum überwunden werden.

Nordkorea hat weiter systematisch an seinen ballistischen Raketen gearbeitet und weitere Raketentests durchgeführt, zuletzt der Test einer Interkontinentalrakete am 12. Dezember 2012, mit der Nordkorea erfolgreich einen Satelliten ins All geschossen hat.

Am 12. Februar 2013 führte Nordkorea seinen dritten Atomtest aus, der angeblich ein stark komprimiertes Atomwaffendesign zum Einsatz brachte. Die Sprengkraft fiel mit 6-9 Kilotonnen TNT-Äquivalent etwas stärker als in den beiden bisherigen Tests aus, war jedoch immer noch wesentlich schwächer als die Atomwaffen, die in Hiroshima bzw. Nagasaki eingesetzt wurden. Als Antwort auf Nordkoreas Atomtest vom 12. Februar 2013 verhängte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zum vierten Mal Sanktionen gegen das Land.

Die USA, die die Wirtschaftsblockade Nordkoreas seit dem Ende des Koreakrieges 1953 aufrechterhalten, haben Nordkorea zu einem der diplomatisch und wirtschaftlich am stärksten isolierten Länder der Welt gemacht. Die potenziell schädlichsten neuen Sanktionen zielten darauf ab, Nordkoreas Bankensektor und sein Finanzsystem durch das Einfrieren internationaler Transaktionen lahmzulegen. Dazu zählen nicht deklarierte Bargeldtransfers, die mit den Raketen- und Nuklearprogrammen des Landes zu tun haben könnten. Die Resolution verbietet auch die Unterstützung der Regierung für Handelsabkommen mit Nordkorea, die mit solchen Programmen in Verbindung stehen könnten.

Die Resolution verpflichtet UN-Mitgliedsstaaten, jeden auszuweisen, der im Verdacht steht, für nordkoreanische Organisationen zu arbeiten, die auf einer schwarzen Liste stehen. Flugzeuge oder Schiffe, die aus Nordkorea kommen oder dorthin unterwegs sind, müssen auf verdächtige Ladung untersucht werden. Allen Flugzeugen und Schiffen, die eine solche Untersuchungen verweigern, muss der Zugang zu Häfen und Flughäfen verweigert werden.

Ich kürze mal ab. Das folgende hin und her dürfte noch in Erinnerung sein. Ohne die geringste Aussicht auf Verhandlungen mit Nordkorea bleibt die Situation auf der koreanischen Halbinsel extrem angespannt. Das kommt der Regierung Obama sehr gelegen, die sich derzeit diplomatisch und strategisch bemüht, Druck auf China auszuüben und den chinesischen Einfluss im Rahmen seiner "Asien-Initiative" zu unterminieren.

Das Regime in Peking befindet sich in einer Zwickmühle. Es gibt Anzeichen dafür, dass ein Bündnis mit Nordkorea in den herrschenden chinesischen Kreisen diskutiert wird. Eine wachsende Anzahl von Stimmen spricht sich aber auch für einen Bruch der Beziehungen zu Pjöngjang aus. Weit davon entfernt, diese Sorgen zu beschwichtigen, nutzt die Obama-Regierung Nordkoreas Atomprogramm bis zum Äußersten aus, um den Druck auf China zu verstärken und erhöht so das Risiko eines Konfliktes.

Vor diesem Hintergrund führte Nordkorea vorgestern seinen 4. Atomtest durch. Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals eine Wasserstoffbombe getestet. Der Test sei erfolgreich verlaufen, verkündete ein Nachrichtensprecher im staatlichen Fernsehen. Es habe sich um eine "strategische Entscheidung" unter Leitung des Staatsführers Kim Jong Un gehandelt. Zuvor war von der US-Erdbebenwarte USGS nahe dem nordkoreanischen Atomtestgelände Punggye Ri ein starker Erdstoß registriert worden. Südkorea und Japan verurteilten den Test aufs Schärfste. Auch China, Frankreich und Großbritannien übten Kritik. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen berief eine Dringlichkeitssitzung ein, die gestern stattfand. Die wichtigsten Positionen vor der Sitzung:

Die Russische Förderation: "Russland verurteilt diese Tests, das ist eine eindeutige Verletzung des internationalen Rechts", so Woronkow, Vertreter Russlands in Wien. Dabei verwies er darauf, dass am Mittwoch von der Vorbereitungskommission der Organisation des Kernwaffenstopp-Vertrags seismische Anomalien in Nordkorea fixiert worden seien. "Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich eine Explosion stattfand, aber zurzeit ist noch unklar, was für eine Explosion das war – eine nukleare oder eine thermonukleare Explosion. Auch der Typ der Bombe ist unbekannt, ob es eine Wasserstoffbombe war oder eine gewöhnliche Atombombe", sagte der Diplomat.

"In dieser Situation rufen wir alle interessierten Seiten zu äußerster Zurückhaltung und dazu auf, keine Maßnahmen zu treffen, die zu einer unkontrollierbaren Eskalation in Nordostasien führen können", teilte Sacharowa in einer Pressemitteilung des russischen Außenamts am Mittwoch mit. Die Russen unterstützen alles, was den Gesetzen entspricht. Wenn ich gegen einen Raubritter vorgehen will, dann muss ich dafür sorgen, dass die Gesetze mehr Gewicht bekommen.Moskau setze sich für eine diplomatische Konfliktlösung auf der koreanischen Halbinsel im Rahmen der Sechsergespräche der USA, Russlands, Chinas, Südkoreas und Japans mit Nordkorea ein.

USA und Südkorea: Die Verteidigungsminister der USA und Südkoreas haben laut Agenturmeldungen Maßnahmen nach dem Wasserstoffbombentest Nordkoreas telefonisch besprochen. "Heute haben die Verteidigungsminister der Republik Korea und der USA ein gemeinsames System der Kooperation am Telefon besprochen", zitiert die Agentur Yonhap das südkoreanische Verteidigungsamt. Demnach haben Seoul und Washington vereinbart, die gemeinsame Beobachtung Pjöngjangs zu verstärken. Beobachtung! Was ist mit Sanktionen? Keine neuen mehr möglich?

Wohin soll das alles führen? Auf der einen Seite (allein bis auf die versteckte Unterstützung von China und Russland) Nordkorea. Seit 60 Jahren unter Wirtschaftssanktionen der USA (Frau C. Rice hat mal behauptet, das Volk darbt, weil die Führung süchtig nach westlichem Konsum ist), isoliert in der Politik, diffamiert von jedem dummdreisten Schreiberling der Welt. Auf der anderen Seite … na wer wohl .. genau der, im Gefolge diese ganzen verkrüppelten Figuren, die täglich die Vorteile der westlichen Demokratie verkaufen.

Wiedervereinigung? Ohne die Bösen wäre das in Wochen erledigt, denn die Koreaner wollen nichts anderes, denn als ein souveräner Staat zu existieren. Geht aber nicht. Die Erfinder der Freiheit haben andere Pläne. Auch dieser Konflikt wird erst dann gelöst wenn die Gottgesandten schwach genug geworden sind. Bis dahin…

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6 KOMMENTARE

  1. Aktuelle Ergänzung:

    Welche Überraschung! Gestern erst kam die Meldung von dem nordkoreanischen Kernwaffentest. Ich habe sofort überlegt, was man den Nordkoreanern jetzt noch antun will. Sanktionen? Alles, was nur geht, ist längst verhängt. Aber schau hin.

    Sofort am Tag des Tests erschienen Informationen über die Verhandlung zur Unterbringung auf der Koreanischen Halbinsel von zusätzlichen amerikanischen Kräften und Mitteln der strategischen Einsatzkräfte.

    Man könnte fragen, was wollen denn hier die strategischen Kräfte der USA? Klar, Peking wird man erklären, dass es "nicht gegen es gerichtet ist". Aber Onkel Xi ist nicht so doof, um das nicht zu verstehen, was hier laufen soll. Die Amis wollen wirklich Druck auf die Konkurrenz machen und begeben sich dazu freiwillig in das Fadenkreuz nordkoreanischer und chinesischer Mittelstreckenraketen. Die zielen natürlich auf die Lager. Und dann fällt der Blick auf die Nachschubrouten ….

     

  2. Und Japan sollte da mal ganz schön die Schnauze halten. Die sollten jede Art von kritik für sich behalten. Die dürfen erst dann entschuldigen, sie das Kriegsgreuel aus den 2. Weltkrieg einstehen und bei den überfallenen Länder ganz aufrichtig entschuldigen und nicht vorher. Die haben ihre Vergangenheit (mit Ausnahme von wenigen) nicht abgearbeitet.

  3.  Nur vier Nationen sind nicht Mitglied des Atomwaffensperrvertrags: Indien, Israel, Pakistan und Südsudan.- diese sind gut .Nordkorea schlecht ….machen uns zu dumm US

  4. Hier mal hochinteressant:

    Eine Hellfire Rakte, die laut Natopropagandablättchen unter Drohnen befestigt wird und eigentlich nach Europa geschickt wird tauchte in Kuba versehentlich auf.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/hellfire-rakete-versehentlich-nach-kuba-verschickt-a-1071026.html

    Die Ausrede, daß das Teil eigentlich nach Europa sollte macht die Situation nicht besser. Im Gegenteil, denn bis vor wenigen Wochen verkündetet die Bundesregierung der Bundesrepublik noch, daß ausschließlich unbewaffnete Drohnen über das Gebiet der BRD fliegen und das von Rammstein aus lediglich Aufklärungsdrohnen starten und keine Kampfdrohnen.

    Hier mal die "Best of" der Pressekonferenz zum Thema Drohnenmorde.

    https://www.youtube.com/watch?v=m4lUAYxWXug

    Darin behaupet der Pressesprecher, daß die US Regierung im Janurar 2015 nocheinmal versichert, daß von US Stützpunkten keine bewaffenten Drohnen weder geflogen noch befehligt werden.

     

  5. Das gleiche ewige Feinbild war auch Castros Kuba. Auch aus alten Feinden können Freunde werden. Wunder gibt es immer wieder.

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