Müssen US-Politiker bald Sponsorenlogos tragen?

Es zählt schon zum Allgemeinwissen, dass beinahe alle US-Politiker grundsätzlich gekauft sind. Doch von wem, das wissen nur die wenigsten Bürger. In Kalifornien könnte sich das bald ändern – und vielleicht auch irgendwann in Washington D.C.

Von Marco Maier

Wer in den USA die politische Karriereleiter aufsteigen will, muss sich um die Finanzierung der Wahlkämpfe kümmern. Anders als in den meisten europäischen Ländern, wo die Parteien diese Aufgabe übernehmen und diese aus den Staatskassen mitfinanziert werden, sind US-Politiker auf private Spendengelder angewiesen. Und das nicht zu wenig.

Denn egal ob man nur für den Stadtrat kandidiert, für das Abgeordnetenhaus des Bundesstaates oder gar als Präsident: Wer nicht gerade auf einem äußerst dicken Bankkonto sitzt, muss sich Geld besorgen. Doch die "edlen Spender" zücken die dicken Schecks nur dann, wenn die Kandidaten auch versprechen, sich für die Interessen der Geldgeber einzusetzen. Oder: Wenn beispielsweise die Ölindustrie Geld locker macht, dann sorgt sie gleichzeitig für moralischen Druck. Immerhin kann ein Politiker schlecht ein paar Millionen Dollar von denen annehmen, wenn er dann beginnt Fracking zu verbieten und der Ölindustrie durch gesetzliche Vorschriften den Profit schmälert, oder?

Immer mehr US-Bürgern geht diese politische Praxis jedoch gegen den Strich. Ein Unternehmer aus Kalifornien, John Cox, will nun per Referendum in seinem Bundesstaat dafür sorgen, dass gewählte politische Vertreter künftig Sponsorenlogos auf ihren Anzügen tragen müssen – genau so wie es beispielsweise bei den Rennfahrern der Fall ist. Vor allem jedoch soll Kalifornien damit ein Vorbild sein und andere Bundesstaaten dazu animieren, gleichzuziehen – und vielleicht sogar bald schon im US-Kongress in Washington für "etwas mehr Farbe" zu sorgen.

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Wenn ein Politiker dann eine Rede hält, dem Fernsehen ein Interview gibt oder irgendwo auf Staatsbesuch ist, sähe man gleich, wessen Interessen der Abgeordnete, Gouverneur, Senator, Minister oder Präsident dient. Dieser Schritt würde die US-Politik vielleicht nicht unbedingt besser, aber zumindest ein klein wenig ehrlicher machen. Denn welcher Präsidentschaftskandidat – außer Donald Trump, der diesen selbst finanziert oder früher Ron Paul, der auf Spenden der Bevölkerung setzte – kann schon behaupten, nicht von diversen Konzernen quasi gekauft worden zu sein?

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8 Kommentare

  1. Ob sich der Vorschlag allerdings durchsetzt, bleibt dahingestellt. Ganz zu Ende gedacht, würde das nämlich bedeuten, ein Abgeordneter, der Zuwendungen vom jüdischen Weltkongress, der "Antidefamation League", oder der israelischen Botschaft erhält müsste ein Judenstern tragen!

  2. Was da in den USA abläuft, interessiert mich weniger – für unsere so "sauberen" Politiker könnte ich mir das allerdings sehr gut vorstellen. Mal sehen, was die Merkel dann für Logos auf ihrem Zwirn rumschleppt. "MEIERS" ist (etwas weiter oben) scheinbar schon auf der richtigen Fährte!

  3. Oh Gott,

    Man stelle sich dieses vor 10 jahren vor, der arme Bush und der arme Cheney haetten ja nur mit regenschirm oder fallschirm auftreten duerfen, um die endlosen logos sichtbar zu machen!!

    BP-Shell-Amoco-OIL 1 -OIL 2 -OIL 3- OIL OIL OIL ……..and MORE OIL!!!!! HALLIBURTEN-

    HIDE-A-BURDEN-Destruction&Co—Construction&Co, the list would have endless!!!!

  4. Die Idee hatte ich auch schon lange, denn unsere Abgeordneten verkaufen sich ja auch häufig mit fetten Beraterverträgen. Diese Verbindungen sollten gut sichtbar auf die Anzüge genäht werden, damit die Bürger wissen, was das für eine Gestalt ist.

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