Bail-in in Italien und Portugal: Die europaweite Enteignung nimmt ihren Lauf

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Auch Portugal ist vom Bail-in betroffen

Auch in Portugal ist es vor wenigen Tagen zu einem Bail-In gekommen. Er unterscheidet sich zwar in seinen Einzelheiten von dem in Italien, zeigt aber ebenfalls, welche Entwicklung sich bei Bankenrettungen in Europa abzeichnet.

Im Sommer 2014 war die in Schieflage geratene Banco Espirito Santo, der größte Kreditgeber des Landes, in eine gute („Novo Banco“) und in eine Bad Bank aufgespalten worden. Im November 2015 entschied die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen eines Stresstests der Banken, dass die Novo Banco mindestens 1,4 Mrd. Euro an zusätzlichem Kapital benötigte.

Die portugiesische Zentralbank reagierte, indem sie fünf Anleihen von der Novo Banco in die Bad Bank verlagerte und damit für wertlos erklärte. Die Halter dieser Anleihen, unter anderem eine Reihe von Mittelständlern in ganz Europa, verlieren auf diese Weise insgesamt etwa 2 Mrd. Euro. Zwar sind in diesem Fall keine Einleger unter 100.000 Euro betroffen, aber viele der größeren institutionellen Anleger werden die Verluste an Anleger und Sparer weitergeben. Außerdem hat die Auswahl der fünf Anleihen und damit die Ungleichbehandlung von Anlegern durch die portugiesische Zentralbank eine Welle der Empörung in ganz Europa hervorgerufen: Sie zeigt, dass auch vorrangige Einleger heute voll und ganz der Willkür der Zentralbanken und des Staates ausgeliefert sind.

Die beiden angeführten Beispiele belegen, wie weit das diktatorische Regime von EZB und Zentralbanken inzwischen fortgeschritten ist. Dass das seit dem 1. Januar  gesetzlich verankerte Prinzip des Bail-in ab sofort zum ganz alltäglichen Handwerkszeug des Staates und der Finanzindustrie gehört, sollte jedem Europäer als Warnung dienen: Wer in Zukunft Bankaktien kauft, Anleihen zeichnet oder auch nur ein Sparkonto bei einem Finanzinstitut eröffnet, setzt sich schutzlos der Willkür der Zentralbanken und der Politik aus und kann sein Vermögen jederzeit im Rahmen eines gesetzlich abgesicherten „Bail-in“ verlieren.

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Wer jetzt einwendet, Einleger unter 100.000 Euro innerhalb der EU seien doch juristisch geschützt, der sollte einen genauen Blick auf den Ablauf der Ereignisse in Italien werfen: Da die EU-Richtlinie Anfang Dezember noch nicht galt, brachte Ministerpräsident Renzi die Maßnahme per Sonderdekret auf den Weg. Weil Italien der EU angehört, konnte er das nicht ohne die Zustimmung der EU-Kommission tun. Wie reagierten die EU-Bürokraten? Sie brauchten nicht einmal 24 Stunden, um Renzis Ansinnen zu billigen!

Die EU-Kommission hat auf diese Weise eine Verfügung unterstützt, die in direktem Widerspruch zu dem von ihr und den EU-Gremien beschlossenen und nur wenige Wochen später in Kraft getretenen EU-Recht steht. Die EU-Bürokraten haben wissentlich zahllose Rentner, Familien und eine Reihe mittelständischer Bestriebe in der Toskana in den finanziellen Ruin und wie im Falle Luigi d’Angelos sogar in den Tod getrieben. Kann irgendjemand glauben, dass diese Bürokraten im übrigen Europa anders verfahren oder auch nur die geringste Hemmung zeigen werden, wenn es darum geht, die selbst gesteckten Grenzwerte durch Notverordnungen aufzuheben?

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7 Kommentare

  1. Abgesehen von der Enteignung der Sparer und Steuerzahler durch die EZB mit ihren unterschiedlichen Programmen, wurden mit den Beschlüssen durch die Bundesregierung vom 13. Juni 2013 – 6. Nov. 2014 – 22. Jan. 2015 die rückzahlungsfreie, präventive Rekapitalisierung des maroden europ. Bankensystems beschlossen.

    Die Krönung des Ganzen ist die 'Einlagensicherung', die nur der Kontoeigentümer selbst vornehmen kann und sonst niemand, auch wenn das Gespann Merkel/Steinbrück das einstmals glaubhaft den Kontoinhabern zu vermitteln suchte. Ziel des Ganzen ist die totale Kontrolle der 'EU' mit Hilfe der EZB mit ihrem 'Drei Säulen' Programm die Finanzen sämtlicher Länder, mit der Abgabe ihrer Finanzsouveränität, an sich zu reißen, was laut Juncker, mit seiner Schritt für Schritt Strategie, wenn kein Protest losgetreten wird, schon fast erreicht wurde. Von einem Protest ist allerdings, wenn man allein das 'QE' und die Anfa-Wertpapiergeschäfte der EZB verfolgt, welche eine Kaufkraftaushöhlung dieser EUROsions-Währung nach sich zieht, weit und breit nichts zu hören und zu sehen.

  2. Bail-in, grundsaetzlich der richtige weg. Sind wir hier im Kommunismus! Hat sich die Bank verspekuliert sollen auch die Haften die bei Gewinnen die Renditen einstecken.

    Ich versteh also die Entruestung hier gerademal ueberhaupt nicht.

    1. „Bail-in, grundsaetzlich der richtige weg. Sind wir hier im Kommunismus! Hat sich die Bank verspekuliert sollen auch die Haften die bei Gewinnen die Renditen einstecken.“

      Können Sie bitte einmal erklären, inwieweit ein Rentner, der zuvor sein Leben lang hart gearbeitet hat und sich sein Geld, also SEIN EIGENTUM, versteuert auf sein SPARKONTO legte, das dann von den Bangstern geplündert wird, ihm also SEIN versteuertes EIGETUM raubt, „Gewinne“ und „Renditen“ erwirtschaftet hat?

  3. Die Enteignung ist fixer Bestandteil bei der Errichtung sozialistischer Gesellschaften. Es wird die Armut gleichmäßig verteilt nur die Funktionäre werden reich.

    1. Und das wird von einer USrael-Oberclique gesteuert, also von denjenigen, die schon allein beim Wort "Kommunismus" wie einer Horde hysterischer Hunde reagiert. Wenn diese Entwicklung nicht so tragisch wäre, könnte man sich kaputt lachen. Das zeigt mal wieder nur zu deutlich, dem US-Hegemon ist jedes System-Detail von irgendwoher recht, wenn es seiner Macht zuträglich ist und die eigenen Privatschatullen prächtig füllt. Man muss dem Vorgang einfach einen neuen Namen geben, damit die hinterhältige Absicht nicht gleich auffällt.

  4. Edelmetalle*) und andere Sachwerte sind wohl die einzigen Möglichkeiten, diesen Machenschaften aus dem Weg zu gehen. Oder alles versaufen. 😉

    *) physisch vorhanden und sicher verwahrt

    MfG
    Hans

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