Bail-in in Italien und Portugal: Die europaweite Enteignung nimmt ihren Lauf

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Vorsätzlicher Betrug und menschliche Tragödien

Es war kein Zufall, dass die Rettung der vier toskanischen Volksbanken noch kurz vor dem Jahreswechsel stattfand. Die italienische Regierung hat auf diese Weise ganz bewusst die am 1. Januar 2016 in Kraft getretenen Bail-in-Bestimmungen der EU umgangen, um auch an das Geld von Kleinanlegern mit weniger als 100.000 Euro heranzukommen und so ganz gezielt diejenigen zu treffen, die sich am wenigsten wehren können – Kleinanleger, Sparer und Rentner. Die neue  EU-Richtlinie sieht nämlich einen Schutz von Einlegern unter 100.000 Euro vor. D.h.: Viele der Sparer und Kleinanleger in Italien wären nach dem 1. Januar 2016 von einer Enteignung ausgenommen gewesen.

Besonders verwerflich ist die Tatsache, dass Behörden und betroffene Banken die Anleger zu großen Teilen wissentlich und vorsätzlich in ihr Unglück schickten: So segneten die italienische Zentralbank und die italienische Börsenaufsicht die Anleiheprospekte der Banca Etruria ohne Widerspruch ab. Das seit Februar 2015 unter staatlicher Zwangsverwaltung stehende Institut verkaufte die Anleihen noch das ganze Jahr 2015 hindurch an Kleinkunden und versprach ihnen darauf 4 Prozent Zinsen. Viele Anleger hatten nicht die geringste Ahnung, welche Risiken sich in den ihnen von ihnen gekauften Anleihen verbargen. Wohl kaum einem dürfte bekannt gewesen sein, dass es „vorrangige“ und nachrangige“ Anleihen gibt und dass im Fall des Bail-in die Halter nachrangiger Anleihen denen vorrangiger Anleihen (meist institutionelle Großanleger) den Vortritt lassen und selbst auf eine Entschädigung verzichten müssen.

Pikantes Detail am Rande: Der Vizechef der Banca Etruria ist Vater der seit 2014 dem Kabinett Renzi angehörenden und der Finanzindustrie sehr gewogenen Ministerin für Verfassungsreformen, Elena Boschi. In Italien wird seit Längerem gemunkelt, dass die Kurse der Banca Etruria kurz vor der Erstellung der Sanierungspläne nicht zufällig in die Höhe geschossen sind, sondern dass Insiderwissen im Spiel war.

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Am 28. November 2015 kam es Civitavecchia zu einer folgenschweren Tragödie: Der Rentner Luigino d’Angelo beging Selbstmord und hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem er erklärte er, dass er seine Lebensersparnisse in Höhe von 110.000 Euro auf Anraten der Banca Etruria in deren Produkte  investiert und durch den Bail-in sein gesamtes Vermögen verloren habe. Dass die Arglosigkeit eines alten Mannes, der „seiner Bank“ seit einem halben Jahrhundert die Treue gehalten hatte, auf solch schamlose Weise ausgenutzt worden war, entfachte in ganz Italien einen Sturm der Entrüstung.

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Um die Wogen zumindest vorübergehend zu glätten, sah sich die Regierung Renzi zum Eingreifen gezwungen. Sie hat mittlerweile angekündigt, einen „privat finanzierten Ausgleichsfonds“ von bis zu 100 Millionen Euro auf die Beine zu stellen. Diese „humanitäre Lösung“ für Kleinsparer, die mehr als 50 Prozent ihrer Ersparnisse verloren haben, erspart den Banken immer noch die Zahlung von 650 Mio. Euro – vom kaufmännischen Standpunkt aus also trotz der in Aussicht gestellten Entschädigungszahlung ein lohnendes Geschäft für die Finanzindustrie.

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7 Kommentare

  1. Abgesehen von der Enteignung der Sparer und Steuerzahler durch die EZB mit ihren unterschiedlichen Programmen, wurden mit den Beschlüssen durch die Bundesregierung vom 13. Juni 2013 – 6. Nov. 2014 – 22. Jan. 2015 die rückzahlungsfreie, präventive Rekapitalisierung des maroden europ. Bankensystems beschlossen.

    Die Krönung des Ganzen ist die 'Einlagensicherung', die nur der Kontoeigentümer selbst vornehmen kann und sonst niemand, auch wenn das Gespann Merkel/Steinbrück das einstmals glaubhaft den Kontoinhabern zu vermitteln suchte. Ziel des Ganzen ist die totale Kontrolle der 'EU' mit Hilfe der EZB mit ihrem 'Drei Säulen' Programm die Finanzen sämtlicher Länder, mit der Abgabe ihrer Finanzsouveränität, an sich zu reißen, was laut Juncker, mit seiner Schritt für Schritt Strategie, wenn kein Protest losgetreten wird, schon fast erreicht wurde. Von einem Protest ist allerdings, wenn man allein das 'QE' und die Anfa-Wertpapiergeschäfte der EZB verfolgt, welche eine Kaufkraftaushöhlung dieser EUROsions-Währung nach sich zieht, weit und breit nichts zu hören und zu sehen.

  2. Bail-in, grundsaetzlich der richtige weg. Sind wir hier im Kommunismus! Hat sich die Bank verspekuliert sollen auch die Haften die bei Gewinnen die Renditen einstecken.

    Ich versteh also die Entruestung hier gerademal ueberhaupt nicht.

    1. „Bail-in, grundsaetzlich der richtige weg. Sind wir hier im Kommunismus! Hat sich die Bank verspekuliert sollen auch die Haften die bei Gewinnen die Renditen einstecken.“

      Können Sie bitte einmal erklären, inwieweit ein Rentner, der zuvor sein Leben lang hart gearbeitet hat und sich sein Geld, also SEIN EIGENTUM, versteuert auf sein SPARKONTO legte, das dann von den Bangstern geplündert wird, ihm also SEIN versteuertes EIGETUM raubt, „Gewinne“ und „Renditen“ erwirtschaftet hat?

  3. Die Enteignung ist fixer Bestandteil bei der Errichtung sozialistischer Gesellschaften. Es wird die Armut gleichmäßig verteilt nur die Funktionäre werden reich.

    1. Und das wird von einer USrael-Oberclique gesteuert, also von denjenigen, die schon allein beim Wort "Kommunismus" wie einer Horde hysterischer Hunde reagiert. Wenn diese Entwicklung nicht so tragisch wäre, könnte man sich kaputt lachen. Das zeigt mal wieder nur zu deutlich, dem US-Hegemon ist jedes System-Detail von irgendwoher recht, wenn es seiner Macht zuträglich ist und die eigenen Privatschatullen prächtig füllt. Man muss dem Vorgang einfach einen neuen Namen geben, damit die hinterhältige Absicht nicht gleich auffällt.

  4. Edelmetalle*) und andere Sachwerte sind wohl die einzigen Möglichkeiten, diesen Machenschaften aus dem Weg zu gehen. Oder alles versaufen. 😉

    *) physisch vorhanden und sicher verwahrt

    MfG
    Hans

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