Ukraine-Krise: Vorbereitung auf den totalen Krieg?

Die vorgestrige Ernennung von Boris Gryslow zum außerordentlichen und bevollmächtigten Vertreter der Russischen Föderation in der Kontaktgruppe zur Regelung der Situation in der Ukraine (zusätzlich zu dem bisherigen Leiter) – das ist ein Ereignis mit Signalwirkung.

Von Thomas Roth

Boris Gryslow ist ständiges Mitglied des Sicherheitsrats der Russischen Föderation. Das einzige Mitglied des Sicherheitsrats über seine ganze Geschichte hinweg, das dort aus personengebundenen Gründen Mitglied wurde und nicht infolge der Kopplung an irgendein Amt. Früher war er als Innenminister und Vorsitzender der Staatsduma eingesetzt, was es gestattet, Gryslow ein politisches Schwergewicht zu nennen.

Die Tätigkeit der Kontaktgruppe, war von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Und dafür gibt es objektive Gründe. Die buchstabentreue Ausführung der "Minsker Vereinbarungen" ist für keine der beiden Seiten annehmbar. Der ganze Unterschied besteht darin, dass die Behörden in Kiew die Vereinbarungen aus der Mitte der Liste (gemeint sind die Autonomie und die Vereinbarung mit den selbsternannten Volksrepubliken bezüglich der Veränderungen in der Verfassung) nicht erfüllen können und für Russland der letzte Punkt – die Stellung der Grenze unter die Kontrolle der Ukrainischen Streitkräfte – unannehmbar ist.

Im Bestand der objektiven Gründe gibt es keine Veränderungen. Es kam nur erschwerend dazu, dass sich die Situation für Poroschenko im vergangenen Jahr stark verschlimmert hat. Die Bevölkerung verarmt ungestüm, die Preise wachsen und die persönliche Popularität von Poroschenko, wie auch der Kiewer Macht insgesamt, befinden sich auf einem rekordverdächtig niedrigen Niveau. Die Stabilität des Regimes hält sich ausschließlich auf dem Niveau eines hysterischen Anfalls. Und tatsächlich scheint sich die Vorhersage zu bestätigen, dass die Umsetzung der "Minsker Abkommen" für Poroschenko gleichbedeutend mit Selbstmord ist.

Lesen Sie auch:  Moskau lässt die kirgisische Farbrevolution entgleisen

Und die wachsende Zahl von Zusammenstößen an der "Linie der Berührung" deutet darauf hin, dass niemand im Begriff ist, einen diplomatischen Ausweg aus der Sackgasse im Verhandlungsprozess zu suchen. Außerdem könnte, je nach der Verschlechterung der innenpolitischen Situation in Kiew, die bewaffnete Entscheidung für Poroschenko (und noch genauer für seine amerikanischen Kuratoren) als optimaler Ausweg erscheinen.

Loading...

Der einzige Sinn der Ernennung Gryslows zum bevollmächtigen Vertreter unter solchen Bedingungen ist die Vorbereitung auf den totalen Kampf. Gryslow soll jene Rolle erfüllen, die Rogosin während des Angriffes Georgiens auf Südossetien erfüllte. Er soll den letzten zurechnungsfähigen Teilen des Westens beweisen, dass an der Vereitelung der "Minsker Abkommen" ausschließlich die Ukraine schuldig ist.

Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

6 Kommentare

  1. problematische formulierungen – "der einzige sinn der ernennung … ist die vorbereitung auf den totalen kampf" – das klingt so, als würde die kriegsinitiative von der am kriegsgeschehen unbeteiligten RF ausgehen. inhaltlich ist dennoch alles korrekt! 

  2. Was für ein Schauspiel, Nazis und Hebräer vereint gegen Russland. Offensichtlich will der US Hegemon es wieder wissen wie einst die die Hitler finanzierten weil man dem aufstrebenden Judentum in Deutschland Grenzen setzen wollte. Wie sagte doch gerade Poroschenko in der Knesset: die Juden haben die Ukraine gegründet, welch blasphemie. Man fragt sich in der Tat warum das Kanonenfutter aus der Westukraine das mit sich machen lässt, denn die werden in Ihrem eigenen Blut ersaufen und die anderen werden Ihre Magarita in der Sonne trinken.

  3. – 44 % Wertverlust: Ukraine auf den Weg in die Hyperinflation –

    In ihrem Rettungswahn wird diese 'EU' es auch noch fertigbringen die Ukraine in das EUROsions-System mit aufzunehmen, obwohl das Füllhorn längst leer ist. Gleich und gleich gesellt sich gern in einem EU-Club von Staaten die verzweifelt mit Budgetdefiziten zu kämpfen haben und erfolglos zu Sparen versuchen.

    So wird neben Griechenland, bei dem alle Rettungsversuche gescheitert sind, als nächster, mit dem ersten Rettungspaket die Ukraine dran sein, so daß man nur abwarten muß bis sich diese 'EU' in einem totalen Finanzkrieg selbst zerstört, denn mit alten Hüten, wie es die EZB mit ihren letzten Anfa bis 'QE' Tricksereien versucht wurde noch nie eine Volkswirtschaft gerettet!

  4. "An der Vereitelung der Minsker Abkommen ist ausschließlich die Ukraine schuldig"-das ist lustig.  Egal, was die Ukraine tut, sie agieren inerhalb ihren international anerkannten Grenzen, Russland übeschreitet jedoch beständig seine Grenzen, ob offen, wie in Krim, oder verdeckt und verlogen, wie in Donbass. Nach dem gleichen Szenario ging es schon in Transtnistrien, Abchasien u.s.w., Russland scheint die sogenannten "frozen conflicts" regelrecht zu sammeln. Wer glaubt hier noch an Zufall, und wer kann in einer solchen Situation noch zweifeln, welche Seite hier der Aggressor ist? Hatte sich Russland nicht  in die inneren Angelegenheiten der Ukraine eigemischt, wäre es niemals zu Konflikt eines solchen Ausmaßes gekommen. Es gibt nur eine Lösund für das "ukrainische Problem"-eine dichte Grenze zu Russland.

     

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.