Saudi-Anti-Terror-Koalition: Wenn Terroristen Terrorismus verhindern wollen

Gerade Saudi-Arabien, welches zu den Hauptförderern terroristischer Organisationen zählt, rief eine neue islamische "Anti-Terror-Koalition" aus. Was nach Satire klingt, ist jedoch keine.

Von Marco Maier

Ein Blick auf den Kalender zeigt: Nein, es ist nicht der 1. April. Angesichts der Meldung des saudischen Kriegsministers Bin Salman, Riad habe eine 34 islamische Länder umfassende "Anti-Terror-Koalition" geschmiedet, passt dies genauso zusammen wie der Vorsitz des Landes im UN-Menschenrechtsbeirat – nämlich gar nicht.

Die insgesamt 34 Mitglieder des Bündnisses sollten "vom Übel aller terroristischen Gruppen und Organisationen ohne Rücksicht auf deren Religion und Ziele" beschützt werden, heißt es in der Erklärung, die im Namen aller beteiligten Länder veröffentlicht wurde. Länder wie der Erzfeind Iran, der Irak oder Syrien sind selbstverständlich nicht dabei. Dafür jedoch die Türkei, Pakistan, der Tschad, Mauretanien und der "failed state" Somalia.

Selbst der Jemen, welcher derzeit von den Saudis kaputtgebombt wird, ist demnach dabei. Allerdings dürfte hier die Riad-treue Exilregierung die Papiere unterzeichnet haben, auch wenn sie faktisch keine Regierungsgewalt mehr in dem geschundenen Land inne hält, weil die schiitischen Houthi gemeinsam mit Teilen der jemenitischen Armee große Teile des Landes kontrollieren und gegen die saudi-arabischen Invasoren Widerstand leisten.

Allerdings zeigt das Engagement der Saudis, dass sich das Land als sunnitische Führungsmacht etablieren will. Da erscheint es seltsam, dass die Türkei – die unter Präsident Erdogan selbst gerne diesen Anspruch erhebt – daran teilnimmt. Vielleicht geht man in Ankara ja ebenfalls von einem baldigen Zusammenbruchs Saudi-Arabiens aus, zumal das arabische Land trotz des Ölreichtums in Richtung Finanzkollaps torkelt. Danach kann die Türkei diese Rolle übernehmen.

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Auf jeden Fall wirkt dieser Vorstoß der Saudis äußerst abstrus. Milliarden von Dollar die in radikale Imame und in Moscheen gesteckt werden, in denen man die extremistischen Ansichten der wahhabitischen Führung lehrt, sind dem Terrorismus eher zu- als abträglich. Auch die Unsummen die islamistischen Terrororganisationen zugute kommen, sprechen nicht gerade für einen authentischen Kampf gegen den Terror. Problematisch ist auch der Umstand, dass dieser Vorstoß der Saudis lediglich zu einer Zunahme der Stellvertreterkriege führen wird.

Aber wer weiß, vielleicht setzen sich die Saudis ja auch bald schon für Religions- und Glaubensfreiheit ein und erhalten dafür dann auch noch den Friedens-Nobelpreis verliehen. In der heutigen Welt erscheint ja alles möglich.

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5 Kommentare

  1. Die Türkei wird keine sunnitische Führungsmacht werden, weil die Türken in Arabien etwa so verhasst sind wie Richard Wagners "Götterdämmerung" in Israel. Die Untaten, mit denen sie ihr osmanisches Reich gründeten und aufrechterhielten, sind immer noch Stoff für Lagerfeuergeschichten in den Oasen.

    Aus dem gleichen Grunde sind die Einlassungen, dass die Türkei für Europa die Brücke nach Arabien ist, absolut lächerlich.

  2. "Aber wer weiß, vielleicht setzen sich die Saudis ja auch bald schon für Religions- und Glaubensfreiheit ein und erhalten dafür dann auch noch den Friedens-Nobelpreis verliehen. In der heutigen Welt erscheint ja alles möglich."

    Das haben sie schon getan. Für die Moslems in der ganzen Welt. Vor allem in christlichen Ländern. Nur der Begriff reziprokes Verhalten ist ein Fremdwort für sie! Dieser Staat hat für mich keine Legitimation. E ist eine mafiöse Familie mit großem Grund um ihr Haus!

  3. Wahabismus hat nichts mit dem Islam zu tun.. Es dient jedoch den wahaben als Werkzeug zum eigenen zweck. Der Erdogan hat auch nichts mit der Religion zu tun. Den er dient nichts anderen wie die anderen Trolle dem Zionismus ein NWO Troll . Alle die den grab von Theodor herzl Gedenkstätte besuchen gehen und Zionismus als fachismus Bullen sind Heuchler.. Es ist keiner Politik zu trauen.. Wir sind in einer Situation man nennt es schwarze witwennest

  4. Wieso Satire? Das machen doch die Kirchen schon seit Jahrtausenden.

    Erst erschafft die Kirche den Teufel, und lässt ihn auf die Menschheit los.
    Dann hilft sie uns gegen ihn.
    Das kostet halt ein paar Euro, was solls.

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