Linken-Politiker Liebich geht auf Distanz zu Wagenknecht

Sahra Wagenknechts jüngste Terrorismus-Äußerungen stoßen auch parteiintern auf Kritik. So hält ihr Parteikollege Stefan Liebich ihre Wortwahl für falsch. Auch Parteivorsitzender Bernd Riexinger bemängelt ihre Aussage.

Von Redaktion/dts

Der Obmann der Linksfraktion im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages, Stefan Liebich, hat sich von den jüngsten Äußerungen der Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht zu den westlichen Luftangriffen auf Syrien in Teilen distanziert. "Das wäre nicht meine Wortwahl", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Denn es ist natürlich ein Unterschied, ob man mutwillig Menschen, die irgendwo feiern wollen, tötet, oder ob man im Kampf gegen diese Terroristen auch Zivilisten umbringt."

Für die toten Zivilisten sei das letztlich egal. Auch wisse er sich mit Wagenknecht in der Ablehnung der Luftangriffe einig, so Liebich. Und es müsse möglich sein, dass den Franzosen, die auf die Luftangriffe und die deutsche Beteiligung daran drängten, in aller Freundschaft zu sagen.

Doch "als Politiker sollte man da vorsichtiger sein". Die Frage nach der Verantwortung des Westens sei "von daher nicht falsch", betonte der Reformer. "Aber man darf die Verantwortung Assads und Russlands nicht verschweigen."

Der Parteivorsitzende Bernd Riexinger stellte gegenüber dem "Kölner Stadt-Anzeiger" zwar klar, dass er sich von Wagenknecht "auf keinen Fall distanzieren" werde. "Denn Krieg ist natürlich staatlicher Terror. Da muss man Frau Wagenknecht Recht geben."

Loading...

Und die USA hätten mit ihren Kriegen im Mittleren Osten ein Chaos hinterlassen, das zum Nährboden für Bürgerkriege und Terrorismus werde. Riexinger sagte jedoch auch: "Ich würde das nur nicht auf den Westen begrenzen, sondern die russischen Bomben dem gleichsetzen. Die russischen Bomben haben die gleichen Auswirkungen." Wagenknecht hatte erklärt: "Natürlich ist es kein geringeres Verbrechen, unschuldige Zivilisten in Syrien mit Bomben zu ermorden, als in Pariser Restaurants und Konzerthäusern um sich zu schießen." Sie beklagte: "Die Spirale der Gewalt schaukelt sich immer weiter hoch." Dabei treffe die Hauptschuld aber den Westen. "Ohne den Irak-Krieg gäbe es den IS nicht", so die Linken-Politikerin. "Ohne die Bombardierung Libyens und die Destabilisierung Syriens wäre er längst nicht so stark. Der Westen, vor allem die USA, haben dieses Monster mit ihren Kriegen großgemacht." Über die Angriffe Russlands unter der Ägide des Präsidenten Wladimir Putin zugunsten des Regimes des syrischen Diktators Baschar al-Assad verlor Wagenknecht kein Wort. Stattdessen griff sie den französischen Präsidenten François Hollande an und warf ihm vor, sich aus innenpolitischen Erwägungen für die Bombenangriffe in Syrien entschieden zu haben.

Teilen Sie diesen Artikel:
Lesen Sie auch:  USA: 'Auftrag erledigt' in Afghanistan ... und andere Fantasien

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: redaktion@contra-magazin.com nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

13 Kommentare

  1. Natürlich hat die tapfere Sarah Wagenknecht, deren Mut ich immer mehr bewundere, da in ein Vespennest gestochen, einfach weil sie simple Wahrheiten verkündet.

    Und schon melden sich die ..ähäm…Parteifreunde zu Wort, die an den Rockschößen des Imperiums hängen und versuchen zu relativieren.

    Und natürlich ist es ein Unterschied, ob ich den IS-Terror mit präzisen Luftschlägen bekämpfe, oder nur so tue als ob, wobei es die Spezialität der Amis ist ausschließlich oder vornehmlich zivile Ziele anzugreifen.  Kennen wir ja seit WK II, Korea, Vietnam, Irak u. Lybien zu Genüge. 

  2. Das gerade ist es,dass ich die Linke nicht mehr wählen werde,weil sie auch nur Politiker in ihren Reihen hat,welche nur an sich selber denken.Die Wagenknecht soll hier demontiert werden und dies nur ,weil Gysi nicht mit ihr kann.Die Linke soll froh sein,dass so eine kluge Frau bei der Linken ist,denn die spricht mit Merkel und ihrer amerik.Vasallentruppe Tacheles,wo die anderen Linken nur du du machen.Liebig,wer ist denn Liebich?

    Allen einen guten Rutsch.

  3. Die Linkspartei ist eine rechte Partei mit linkem Anstrich. Sie sammelt das gutgläubige Volk, das glaubt, sie würden ihre Interessen vertreten, aber sie sind gefährlicher als die anderen, weil sie spielen den Antikriegsapostel, aber es ist nur Theater für diejenigen, die glauben wir hätten eine Demokratie.

  4. "Aber man darf die Verantwortung Assads und Russalnds nicht verschweigen".                     Was ist mit den Linken los?                                                                                                        Wer nur einigermaßen die Welt nach 1990 sich anschaut und wer die Drähte zieht und gezogen hat  und Aggressionen und Krieg fabriziert und Millionen Menschen in Folge dessen ermordet werden kann sich nur kopfschüttelnd abwenden. Gerade Syrien, wo der Irakkrieg der Anfang des nahöstlichen Terrorismus in diem Ausmass bis jetzt gewesen ist und die Unterstützung der CIA und des türkischen Geheimdienstes bei der Schaffung von Söldnern und Terroristen und deren Ausrüstung und Ausbildung systematisch betrieben wurden sind die eindeutigen Ursachen dieses Krieges. Was hat die RF damit zu tun???? Dank ihrer werden jetzt die Terroristen geschlagen und immer weiter zurückgetrieben. Das muss man schonungslos und offen darlegen. Frankreich hätte Belgien bombardieren müssen, denn von dort kamen die Terroristen und waren "französische und belgische Staatsbürger" die in Paris gemordet haben. Wobei das Ganze in Paris einige doch sehr merkwürdige Vorgänge enthalten hat wo auch die VSA mit drin hängen.

    Offensichtlich ist die Wagenknecht die einzige im BT die offen Ross und Reiter benennt.

  5. Es gibt im Lande wohl keine Partei, die nicht von USrael-Sympathisanten unterwandert ist. – – – Wenn wir doch mehr couragierte Frauen in unserem Vasallenparlament hätten. Keine dieser 620 Luschen findet den Mut , das völkerrechtswidrige Vorgehen des gallischen Hahns zu kritisieren und wenn eine Volksvertreterin wie Frau Wagenknecht ihre Kritik äußert, bekommt sie gar aus den eigenen Reihen Widerspruch statt Zuspruch. Was für ein erbärmlich devoter Verein.

  6. Das überhaupt Sahra Wagenknecht die Möglichkeit hat ihre amerikakritischen Ansichten in der Linke zu vertreten hängt mit der Geschichte ihrer Partei zusammen die aus der SED hervorgegangen ist. Dazu muss man wissen, dass die SED sich historisch als die Erbin der antifaschistischen Kämpfer der 30er Jahre verstanden hat, und das hatte Konsequenzen vor allem in der Geschichtspolitik. So genossen beispielsweise Opfer des Faschismus in der DDR Sozialleistungen, aber keine Entschädigungen, da man davon ausging, dass es nicht am Staat der Opfer oder Kämpfer gegen den Faschismus wäre, Entschädigungen auf Grund der Nazi-Verbrechen zu leisten. In der DDR wohnten noch zirka 1400 Juden, sie kamen auch in den Genuss dieser Sozialleistungen als "Opfer des Faschismus" hatten aber keine Sonderstellung als Opfer. Auch hat es die DDR immer abgelehnt den Staat Israel anzuerlennen, der als ein Staat jüdischer Nazis galt, sowie eine historische Mitverantwortung am "Holocaust" und hatte immer den Kampf der PLO unterstützt. Es blieb der letzten "freigewählten" Volkskammer der DDR vorbehalten sich 1990 für den "antisemitischen" Charakter der DDR Politik zu entschuldigen.

    Diesem Charakter der DDR Politik ist es zu verdanken, dass die Linke heute eine der wenigen Parteien ist, die nicht zionistisch völlig gleichgeschaltet ist, obwohl ab 1990 starke Kräfte versucht haben sie "auf Linie" zu bringen. 

    Da wäre zuallererst der erste Drahtzieher der "SED-PDS", PDS, Linke zu nennen Gregor Gysi, Sohn des 1999 verstorbenen früheren DDR Staatssekretär für Kirchenfragen Klaus Gysi. Klaus Gysi hatte eine jüdische Mutter, nach orthodoxer Sicht war er also Jude, nicht aber Gregor Gysi, da er nur einen "jüdischen" Vater (und mütterlicherseits einen jüdischen Urgrossvater) hatte. Dennoch kokettiert Gregor Gysi nach 1990 mit seiner Abstammung.

    Neueren Datums gibt es auch in der Linken einen "Bundesarbeitskreis Shalom" der es sich zum Ziel gesetzt hat den "Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und regressiven Antikapitalismus (In einer Linken ehm. kommunistischen Partei!!!) zu bekämpfen.

    Sahra Wagenknecht hat hier einen etwas anderen Hintergrund. Sie ist 1969 als Tochter einer Deutschen und eines Iraners in der DDR geboren. Gegenüber Israel vertritt sie eher die klassische DDR Linie. So wurde sie beispielsweise gescholten weil sie nach einer Rede des israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres im Bundestag sitzen bliebt, statt stehende Ovationen zu klatschen. Peres hatte nämlich eine Holocaust-Gedenkveranstaltung dazu missbraucht die Notwendigkeit eines Präventivkriegs gegen den Iran (Heimat von Wagenknechts Vater) ins Auge zu fassen.

    Man darf gespannt sein ob Wagenknecht weiterhin ihre Unabhängigkeit innerhalb der Linken bewahren kann!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.