Heute morgen musste ich sehr früh aus dem Haus. Es war noch dunkel und mein Weg führte mich durch einige Ortschaften. Ich wurde begleitet von vielen hell erleuchteten Fenstern und geschmückten Häusern. Wir haben Weihnachten. Ein Hauptfest im Kirchenjahr. Es wird die Geburt von Jesus Christus gefeiert. Ich stellte mir die Frage, ob die Bedeutung dieses Festes noch im Bewusstsein der Menschen ist? 

Viele Menschen besuchen zu Weihnachten die Kirche, auch viele der Nichtgläubigen machen zu Weihnachten eine Ausnahme und lauschen der Andacht.

Ich hing meinen Gedanken nach, nur das surrende Motorengeräusch begleitete mich. Ich sah mich bereits am Heiligabend. Ich sah meine Enkelkinder, ich sah die strahlenden Augen, ich sah die Freude – ich spürte schon die kleinen Ärmchen, die sich um meinem Hals legten. Wir haben Weihnachten.

Dann musste ich schlucken. Ich schluckte noch mal. Es half nicht. Lautlos rollten Tränen über mein Gesicht. Ich sah die ertrunkenen Menschen, die aus ihrem Land geflüchtet sind um Frieden zu finden. Ich sah die toten Kinder am Strand liegen. Diese Kinder haben Großeltern im Heimatland. Nie wieder werden die Großeltern die Ärmchen ihrer Enkelkinder spüren.

Ich offenbare euch heute ganz bewusst meine Gedanken und Gefühle. Ich lasse euch ein wenig in mein Leben und in mein Herz schauen. Vielleicht ist das der Schlüssel. Vielleicht sind wir deshalb so kalt und herzlos geworden, weil wir dem System auch menschlich gefolgt sind. Wir sagen nicht mehr was wir denken, wir minimieren Gefühle und zeigen diese begrenzt und dosiert. Wir sind nicht mehr individuell – wir manipulieren unbewusst unser eigenes Ich. Es gibt mich für die Außenwelt und es gibt mich für meine Familie und Freunde und nahestehende Menschen. Das ist ein Schutz des Einzelnen. Wenn niemand weiß was dich bewegt, kann dich niemand verletzen, auslachen oder kritisieren. Jeder schützt so sich und sein Empfinden. 

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Es gab Anteilnahme, es gab Diskussionen, es gab Ratschläge, es gab Ablehnung und es gab Desinteresse bei den Berichten über die ertrinkenden Flüchtlinge. Die Trauer über die Toten war dennoch groß. So plötzlich wie die Berichte erschienen, verschwanden sie auch wieder. Diese Berichte waren notwendig um das viel diskutierte "Wir schaffen das" zu rechtfertigen und um Einsicht zu bitten. Bei mir muss keiner etwas rechtfertigen oder um Einsicht bitten wenn den Menschen geholfen werden muss. Wer kann mir garantieren, dass ich niemals die Hilfe anderer Menschen in anderen Ländern in Anspruch nehmen muss? 

Die Menschen ertrinken immer noch. Die Berichte darüber sind verschwindend gering geworden – das Leid ist geblieben. Wir nehmen es hin. Wir feiern Weihnachten. Wir gehen in die Kirche. Viele Nichtgläubige gehen auch in die Kirche, weil Weihnachten ist. Der Nichtgläubige wird vielleicht sagen: WENN es einen Gott gäbe – warum lässt er es zu? Ich kann diese Frage nicht beantworten. Ich weiß aber das es Wunder gibt. Ich habe es erlebt. Und nun bekommst du einen kleinen Einblick in mein Leben – in meine innere Welt, in meine Gefühle.

Es war im August. Ein trüber Tag. Mittags gab es einen heftigen Regenguss. Ich war am Arbeitsplatz an meinem Schreibtisch und schaute aus dem Fenster. Der Regenschauer hielt nicht lange an. So plötzlich wie er kam, verschwand er auch wieder. Ich wandte mich wieder meiner Arbeit zu. Mein Telefon klingelt und ich hob den Hörer ab. Es war kein Kollege, es war kein Geschäftspartner – es war ein Kollege meiner Tochter der mir mitteilte, das meine Tochter nach der Mittagspause nicht wieder am Arbeitsplatz erschienen war. Ich wusste sofort das etwas passiert sein musste – aber ich wollte es nicht wissen. Ich sagte dem Kollegen dass ich mich bei ihm melde wenn ich Einzelheiten erfahre. Ich rief mein Kind auf ihrem Handy an. Ihr Handy war aus. Durchatmen. Versuchen zu denken. Vielleicht ist sie eingeschlafen – vielleicht geht es ihr nicht gut. Gedanken verworfen. Meine Tochter legt sich nicht mittags zum Schlafen. Meine Tochter meldet sich ab wenn es ihr nicht gut geht.

Polizei anrufen. Warum geht da keiner ran? Feuerwehr – ich muss die Feuerwehr anrufen. Auch kein Anschluss. Krankenhaus, meine Güte, wieso bin ich da nicht gleich drauf gekommen? Es meldet sich eine freundliche Frauenstimme. Ich bin ruhig als ich frage ob meine Tochter eingeliefert wurde. Die Dame schaut nach und sagt: Nein. Ihre Tochter wurde nicht eingeliefert. Ich bin immer noch ruhig als ich fordere: Ich möchte die Telefonnummer der Rettungsstelle. Meine Gesprächspartnerin zögert keine Sekunde und nennt mir die Telefonnummer. Ich weiß, das meinem Kind etwas passiert ist. Ich kann es jetzt fühlen. Ich wähle die Nummer der Rettungsleitstelle – gleichzeitig klingelt mein zweiter Telefonanschluss. Der Betrieb meiner Tochter versucht mich zu erreichen. Ich bleibe an meinem Apparat, ich weiß das sie nicht am Arbeitsplatz ist. Mein Gespräch bei der Rettungsleitstelle wird angenommen – ich nenne meinen Namen und werde sofort unterbrochen mit den Worten: Sie suchen ihre Tochter, ich gebe ihnen eine Telefonnummer, bitte rufen sie dort an. Ich notiere die Nummer und erkenne sofort das es sich um die Uniklinik in der naheliegenden Stadt handelt. Die Uni? Dort wird man nur bei schwerwiegenden Verletzungen eingeliefert…. NEIN !! 

Nein, die Rettungsstelle kann mir keine Auskunft geben, sie weiß nur das sie dort eingeliefert wurde. Ich wähle erneut. Meine Hände zittern. Es klingelt einmal, zweimal, dreimal – mein Gott wie lange dauert das denn? Endlich. Ich nenne meinen Namen und frage nach meiner Tochter. Stille. Dann ein: Ja, ihre Tochter wurde bei uns eingeliefert. Ich bin erleichtert, meine Stimme kippt als ich frage was sie hat. Geht es ihr gut? Stille. Dann ertönt beruhigend, besänftigend die Stimme durch den Hörer: Frau Rahn, ich kann ihnen keine Auskunft geben. Ich sage dem Arzt Bescheid, er wird sie anrufen.

Meine Antwort war knapp, es war die Anweisung meine Handynummer zu notieren – ich bin auf dem Weg, sitze eigentlich schon im Auto – ich muss nur noch den linken Schuh anziehen. Autoschlüssel, Handy – das Festnetz klingelt. Der Chef meiner Tochter. Er hat die Polizei erreicht – mein Kind soll sich nur ein Bein gebrochen haben. Erlösend, eine erlösende Nachricht. Es war ein Sekundengespräch. Er hatte Verständnis. Ein Bein gebrochen – ich hätte nie gedacht, das mich einmal die Meldung eines Beinbruchs so glücklich machen könnte. Ich fuhr trotzdem viel zu schnell… Ich telefonierte am Steuer. Ich informierte meine anderen beiden Kinder. Ich war angekommen. Ich rannte in die Notaufnahme. Ich nahm keine Rücksicht auf die anderen wartenden Menschen. Ich stürmte in die Anmeldung.

"Hallo, ich bin Frau Rahn, kann ich bitte zu meiner Tochter?", fragte ich. Wie angestochen sprang eine Assistentin auf, nahm mich am Arm und führte mich mit den Worten: "Ich hole einen Arzt" zu einem Stuhl. Ich saß noch gar nicht ganz, da kam eine junge Frau. Sie kniete vor mir und sagte: "Ich komme gerade aus dem OP. Die Ärztin ist gleich bei Ihnen." Ich nickte. Die junge Frau legte ihre Hand auf mein Bein, sah mich an und sagte: "Alles Gute." Da wusste ich – es ist nicht nur ein Beinbruch. Mein Sohn und die Ärztin kamen zeitgleich. Die Ärztin stellte sich vor und bat mich ihr zu folgen, in ihr Büro. Ein endlos langer Flur, ganz hinten Türen. Ich stoppte. Die Ärztin drehte sich um und wir standen uns gegenüber. Was ist mit meiner Tochter? Bitte, kommen sie mit in mein Büro. Nein. Was ist mit meiner Tochter? Ein tiefes Luft holen der Ärztin, dann: Verkehrsunfall. Mit Tempo 100 an einen Baum geprallt, auf der Bundesstraße.

Kennt ihr das Sprichwort: Es hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen? Ich weiß wie es ist….

Meine Tochter im OP. Meine anderen beiden Kinder und ich wartend auf dem Flur der Intensivstation. Der Flur füllt sich. Es kommen Freunde. Sie stehen uns in diesen Stunden bei. Wir schweigen gemeinsam, wir bangen gemeinsam. Ihre Anwesenheit tut uns gut. Endlose Stunden vergehen bis wieder ein Arzt kommt. Er nimmt mich mit. Ich folge schweigend. Nein, kein Beinbruch. Ihre Beine und der rechte Arm sind das einzige was unverletzt geblieben ist. Mein Kind wurde zerschmettert. Vom Becken bis zum Hals waren nahezu alle Knochen gebrochen. Die Lunge war beidseitig geplatzt und der Arzt sprach von einem unglaublichem Glück, dass sie lebend eingeliefert wurde. Eine Prognose? Nein, die konnte er nicht abgeben. Sie schwebte in akuter Lebensgefahr. Vielleicht schafft sie es fünf Minuten, vielleicht bis morgen. Wir müssen abwarten. 

Ich konnte zu ihr. Sie lag im Koma. Angeschlossen an unzähligen Geräten. Ich sah sie an. Sie sah aus wie immer. Der doppelte Kieferbruch war nicht zu sehen, keine Schnitt- oder Schürfwunden im Gesicht. Ich sprach mit ihr, ich streichelte die freien Stellen an ihrem Gesicht und küsste sie. Ich holte ihre Geschwister zu ihr. Ich wollte das sie weiß, dass wir da sind. Ich wollte, dass sie sich sicher fühlt.

Nach endlosen Stunden bist du wieder zu Hause. Planlos. Die Worte des Arztes wiederholen sich in meinem Kopf. "Fünf Minuten…. vielleicht bis morgen. Die Chance zu Überleben geht gegen null… Wir müssen abwarten. Sie ist jung… Nein, eine wirkliche Prognose können wir nicht stellen."

Du musst schlafen. Du musst wieder in die Klinik. Schlaf jetzt… leg dich hin. Ich ruf noch mal an in der Klinik. Nein, keine Veränderung. Ruhen sie sich aus. Schlafen? Noch einen Kaffee, dann MUSS ich schlafen. Glaub mir, du schläfst nicht… Hatte ich eine Wahl? Konnte ich entscheiden ob ich glaube oder nicht glaube? Wen sollte ich verantwortlich machen? Den Regen? Die Straße? Den Baum?  

Ich stand am Fenster und sah in den Himmel, in die stockfinstere Nacht – und ich beschloss, dass dieser Gott da oben Schuld hat. Ich machte ihm Vorwürfe, ich stellte seine himmlische Macht in Frage, ich drohte ihm und ich warf ihm Bösartigkeit vor. Ich merkte nicht, dass ich weinte. Ich merkte nicht, dass ich laut zu ihm sprach. Ich merkte nicht, dass ich mich auf mein Bett legte und das Bild meiner Tochter an mich drückte. Ich kann nicht sagen wie lange mein Tränenfluss gedauert hat, ich kann nicht sagen wann ich dazu über gegangen bin zu beten. Ich kann nicht sagen wann die Hoffnung mich wieder getragen hat. Ich kann nur sagen, dass ich mich nicht für meine Worte entschuldigt habe.

Meine Tochter blieb die nächsten Tage stabil. Sie lag noch immer im Koma, die Maschine beatmete sie. Wir wussten nicht ob der Halsbruch zur Querschnittslähmung geführt hat und wir wussten nicht ob sie sprechen kann. Aber sie lebte. Und dann kam die ärztliche Hiobsbotschaft: Wenn sie nicht anfängt, selbstständig zu atmen dann verlieren wir sie – dann wird sie die Nacht nicht überleben. Ich schickte alle Anwesenden aus dem Zimmer und dann sprach ich mit meiner Tochter. Ich sagte ihr, dass ich erwarte, dass sie selber atmet. Ich sagte ihr, dass es sie anstrengen wird, aber dass sie es schafft wenn sie es will. Ich sagte ihr, dass sie entscheiden kann ob sie bleibt oder geht. Ich sagte ihr, dass ich sie gehen lasse wenn sie es möchte. Aber ich sagte ihr auch, dass sie dann damit rechnen muss, dass ich auch komme. Ich möchte nicht dass mein Kind alleine auf einer Wolke sitzt. Ich sagte ihr dass ich sie liebe. Ich streichelte Ihr Gesicht und fuhr anschließend nach Hause.

Ich hatte Angst. Ich musste warten. Warten auf eine Nachricht. Eine endgültige Nachricht. Ja, ich habe gebetet. Und nein, ich hatte nicht den Mut dem Himmel zu vertrauen. Es war die längste Nacht meines Lebens. Sie dauerte bis morgens um fünf. Das Telefon lag neben mir – und klingelte. Mein Körper gehorchte mir nicht. Ich wurde steif. Meine Hand fand das Telefon nicht. Ich hatte Bilder vor mir – meine Tochter wie sie mich anlächelt, meine Tochter wie sie mit geschlossenen Augen im Krankenbett liegt. Ich holte tief Luft und nahm den Hörer ab. Niemals werde ich diese Stimme vergessen die meinen Namen rief – die meinen Namen deshalb rief, weil ich mich nicht gemeldet habe. Ich hörte am Klang der Stimme das es eine gute Nachricht sein musste, diese Stimme war freudig, euphorisch. Ich schloss die Augen und ich konnte nur flüstern: "Atmet sie?" Und es brüllte mich förmlich an: "Jaaaa, sie atmet". Gerade eben das erste Mal, aber jetzt schaffen wir es – wir schaffen es ! Und wie seinerzeit am Telefon ergeht es mir jetzt – mir laufen die Tränen über das Gesicht.

Es löste sich die Spannung, es löste sich der Schmerz, es löste sich die Angst. Ich weinte. Ich weinte wie noch niemals in meinem Leben. Ich informierte meine Kinder, meine Familie, meine Freunde. Endlich fiel ich in einen angstfreien Schlaf. Nein, er war nicht erholsam und auch nicht lange, aber er war notwendig. Ich war erschöpft.

Dieser Tag hatte noch mehr Überraschungen für uns parat. Kaum im Krankenzimmer angekommen legte sich die Hand einer Ärztin auf meine Schulter und sie flüsterte mir ins Ohr: Rufen sie sie mal. Ich sah sie erstaunt an, dann wieder auf meine Tochter, sie lag da wie immer.  Die Ärztin schüttelte mich an der Schulter und flüsterte aufmunternd: Na los, rufen sie sie. 

Ich rief leise den Namen meines Kindes. Nichts. Ich rief wieder, diesmal ein bisschen lauter. Nichts. Ich legte meine Hand auf den Arm meiner Tochter und rief laut ihren Namen. Sie schlug die Augen auf, sie erkannte mich, sie fing an zu weinen und drehte sich zu mir. Sie bewegte sich. Sie war nicht querschnittsgelähmt. Es war ein Tag des Glücks. Sie atmete, sie lag nicht mehr im Koma, sie wird wieder laufen können. Gesprochen hat sie an diesem Tag nicht – aber einige Tage später konnte sie das auch.

Es war ein langer Weg bis zur vollständigen Genesung, aber er hat sich gelohnt. Meine Tochter hat keine bleibenden Schäden und ihren Beruf übt sie wieder in der gleichen Firma aus.

Jeder von uns kennt Schmerz, Leid, Trauer. Jeder braucht Trost in schwerer Stunde. Jeder kennt die Angst der Verzweiflung und die Ohnmacht wenn man nicht helfen kann. Jeder sucht sich seinen Weg um mit dem Unabwendbarem umgehen zu können, es verarbeiten zu können. Warum ignorieren wir, dass auch der Flüchtling leidet? Warum geben wir ihm die Schuld? Weil er flüchtet? Nein – wir geben ihm die Schuld und suchen Argumente weil WIR uns nicht ändern wollen. Weil wir keine Schuld haben wollen. Weil wir lieber schweigen um nicht angreifbar zu sein. Wir schützen uns.

Wir haben Weihnachten. Ein christliches Fest. Ich gehe nicht in die Kirche. Ich glaube nicht, das die Kirche uns ändert. Oder Weihnachten. Wenn ich was ändern möchte, dann muss ich mich ändern, damit sich die anderen ändern. Wenn wir etwas ändern wollen, dann müssen wir uns ändern damit wir etwas verändern können. Wenn wir nicht offen sprechen können, weil wir das verlernt haben, dann müssen wir das ändern.

Wir wollen dass sich etwas ändert, aber wir sagen es nicht. Wir verhalten uns wie wir uns immer verhalten haben. Wir warten und erwarten dass die Regierung etwas ändert. Warum sollte sie das tun? Wenn wir uns und unser Verhalten nicht ändern hat weder unsere noch eine andere Regierung einen Grund etwas zu ändern.

Wir geben Denkanstöße, wir schildern Situationen, wir beschreiben Umstände – und wir warten auf jemanden der sich dem annimmt und dann umsetzt. Dieser Jemand sind wir. Gemeinsam. Friedlich.

Wenn wir es nicht schaffen unser Wissen und unsere Wünsche mitzuteilen, wer dann? Die nächste Generation? Nein, die nächste Generation sieht bei uns Bemühen, aber keine Ergebnisse. Die nächste Generation ist erzogen worden wie wir. Die nächste Generation muss sich das Wissen neu erarbeiten. Die nächste Generation wird noch schweigsamer – weil sie das von uns lernen.

Die Schuldfrage ist eine verzwickte Frage. Bevor wir Schuld haben, geben wir diese lieber ab. An die Regierung zum Beispiel. Oder an den Flüchtling – er muss ja nicht flüchten. Oder so wie ich – an den Himmel. Wem hätte ich sonst die Schuld geben können? Es war das Beste was ich je in meinem Leben getan habe. Es wird niemanden geben, der reicher belohnt wurde als ich.

Wir haben Weihnachten. Ich werde in der Stille des Abends und im Lichte einer Kerze um Frieden beten. Ganz still im Geiste, damit mich keiner hört. Damit mich keiner kritisieren kann. Damit mich keiner auslacht.

Anne E. Rahn

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6 KOMMENTARE

  1. Liebe Frau Rahn,

    das ist ein sehr beeindruckender und mitreißender Artikel, der uns ein wenig in Ihr Herz schauen lässt. Vielen Dank für Ihren Mut und Ihre Ehrlichkeit. Ich würde genauso denken und handeln, wie Sie es bei Ihrem verunglückten Kind taten, incl. der Folgen, wenn sich das Kind entschieden hätte „zu gehen“.

    Dennoch glaube ich nicht, dass Ihr Erlebnis mit den Flüchtlingen in dieser Welt ganz allgemein verglichen werden kann.

    Ich habe in Bezug auf Flüchtlinge auch weder ein schlechtes Gewissen, noch trage ich irgendeine Form von Schuld oder Verantwortung für deren Misere.

    Warum?

    Ich lebe nach Werten, die ich für mich und meine Familie vertrete. Ich kann weder die Politik ändern, die den Menschen das seit ewigen Jahrhunderten antut, was sie an ihr verbricht, noch wähle ich diese Fratzen des Grauens.

    Ich kann nur selbst in einem kleinen begrenzten Wirkungskreis möglichst viel GUTES tun. Und daran halte ich mich. Genau DAS setze ich um. Ich kann nur da etwas bewirken. Ich muss mich also nicht verstecken und eben gerade nicht, wie Sie schreiben: „Ganz still im Geiste, damit mich keiner hört (um Frieden beten). Damit mich keiner kritisieren kann. Damit mich keiner auslacht.“

    Es ist mir so etwas von egal, ob mich ein dummer Mensch auslacht. Diese Klientel der Dummen interessiert mich schlicht nicht. Sie stehen nicht mit mir auf der gleichen Werteskala.

    Und nein: Es sollen gerade die (unter uns), die denken, sie müssten permanent andere Menschen politisch, wirtschaftlich, in kriegerischen Akten, seelisch oder sonst wie vergewaltigen, zur Kenntnis nehmen, dass es eigenständig denkende und handelnde Menschen gibt, die laut ihre Rechte einer freien gleichberechtigten, demokratischen Gesellschaft zurückfordern und begreifen, dass es gegen die Dummheit der Gutmenschenmafia Mittel und Wege gibt zu kämpfen. Die Zauberworte heißen: AUFKLÄRUNG und WERTE! Vor nichts hat diese dumme und einfältige Masse der Angepassten eine solche Angst, wie vor Aufklärung, Werten und Wahrheit, denn in Wirklichkeit sind die angepassten Gutmenschen ganz besonders große Feiglinge. Sie können die Wahrheit nicht ertragen, weil sie nicht wagen sich dafür einzusetzen, sie wagen sie nicht zu verbreiten und sie haben eine höllische Angst davor, vor ihrer eigenen Schwachmatenelite als dann betiteltes „PACK“ dazustehen, denn dann wären sie ja nicht mehr auf der erdachten „Siegerseite“!- In Wirklichkeit sind es also sehr schwache Menschen, die schwächsten in dieser Unterdrückungskultur schlechthin! Bei einem Umsturz würden die sofort sagen „konnte doch keiner wissen“ (eben WEIL die auch nie etwas wissen, sondern von Annahmen leben). Kurz danach wären es die ersten Wendehälse, deren WiedererkennungsWERT unter Null liegt! Warum?- WEIL SIE ZU FEIGE SIND sich für das eigene Leben zu entscheiden. Weil sie keine Werte haben, keine Moral, keine Verantwortung tragen wollen, eben für nichts stehen, was eine von echten Werten getragene Gesellschaft ausmachen sollte!

    Also, liebe Frau Rahn!- Stehen Sie bitte nicht nur bewunderns- und anerkennenswerter Weise zu Ihrem Kind, es braucht Sie auch, damit Sie vorleben können für etwas Sinnvolles einzutreten und zu kämpfen. NUR SIE SELBST können das machen. Sie werden merken, Sie können so viel Gutes tun. Glauben Sie mir, Sie werden sich wundern, welch helles neues Fenster sich da aufschließt, es wird plötzlich Menschen geben, die sich Ihnen anschließen, Ihre Stärke, Ihren Schutz suchen oder gleiche Ziele vertreten. Das ist schon ein großer und vor allem SICHTBARER Schritt für unsere gesamte Gesellschaft. Egal, ob Sie in Ihrer Familie, oder anderen Menschen, oder Tieren, der Natur oder der Umwelt helfen. Aber stehen Sie dazu!

    Die Flüchtlinge, die uns hier buchstäblich heimsuchen, sind traurigerweise auf einem oft tödlichen Irrweg. Sie tun mir ehrlich leid. Aber es IHR Weg, den sie gewählt und eingeschlagen haben. Ich habe sie weder aufgefordert „in mein Wohnzimmer“ zu kommen, noch gerufen, noch eingeladen sie auszuhalten, zu finanzieren, zu akzeptieren oder zu dulden! Ich lasse mich auch nicht vor einen Karren spannen, den ich nicht bereit bin zu ziehen, und wenn mir diese kranke Politelite scheinheilig  noch 1000 Mal etwas von moralischer Verantwortung vorschwafelt. Diese widerwärtige, das ganze Elend erst produzierende, Politelite kann das Wort Moral nicht einmal schreiben, geschweige denn, es zu vertreten.

    Suchen Sie sich also einen eigenen Weg, liebe Frau Rahn, Werte zu vertreten. Aber NICHT still im Geiste, damit Sie keiner hört, oder kritisieren kann. Stehen Sie dazu, was Sie zu sagen haben, machen oder unterlassen. Sie sind nur sich selbst Rechenschaft schuldig! DANN haben Alle in einer wertvollen Gesellschaft etwas von Ihrem Erfolg!

    Allen Lesern Frohe Weihnachten und ein gesundes und friedvolles Jahr 2016.

    • Herr Niggenaber,

      Ihren Kommenar hätten Sie besser für sich behalten. Sie haben die Weihnachtsbotschaft von Frau Rahn nicht verstanden, weil Sie nicht verstehen wollen.

      Auch, wenn Frau Rahn leise betet, so ist Sie doch lauter als all die Hetzparolen, die Sie seit Monaten glauben, gegen die Flüchtlinge ins Land rufen zu müssen. Pfui Teufel!

       

      Nein, diese Menschen haben sich nicht für Ihren gefährlichen Weg nach Europa entschieden, sie wurden gezwungen! Und die, die es nicht geschafft haben, sind auch nicht freiwillig ertrunken. Woher nehmen Sie all den Hass gegen Menschen, die Opfer sind und nicht Schuldige? Dieser Hass klingt auch hier durch Ihre Zeilen, auch wenn Sie hier suggerieren, "Gutes" zu tun. Sie tun nichts außer Ihre gesamte Zeit dazu zu Verwenden, Hass zu schüren (vgl. Ihr Facebook Account)

       

      @ Frau Rahn:

      Danke für Ihren Leserbrief und Ihren Mut, uns an dieser sehr persönlichen Erfahrung teilhaben zu lassen. Lassen Sie sich von den Niggenabers dieser Welt nicht unterkriegen. Es braucht gar keine Wunder, um den Flüchtlingen zu helfen, sondern nur Menschen, die anpacken und nicht auf eine imaginäre Regierung warten, die das gar nicht leisten kann.

      Es braucht aber keine AfD-Anhänger wie Günter Niggenaber, die dabei stören und sie bei der Bewältigung der ohnehin großen Aufgabe auch noch behindern. Es mag die wirklich dummen Menschen geben, die in unserem Land Flüchtlingsheime anzünden. Das Streichholz aber haben intelligente Hassschürer wie Herr Niggenaber entzündet!

      Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie, insbesondere ihrer verunglückten Tochter ein gesegnetes Weihnachtsfest. Möge sie immer an Weihnachten daran denken, dass sie zwei mal geboren wurde.

      Den Flüchtlingen in unserem Land wünsche ich, dass sie zuerst einmal zur Ruhe kommen und sich bei uns sicher fühlen. Dass sie nicht ungeduldig werden in dem langen Prozess der Vorbereitung neuer Lebensperspektiven und dass es Ihnen irgendwann möglich sein wird, ohne Angst um ihr Leben mit Ihren eigenen Überzeugungen sicher in ihrem Land gemeinsam mit ihrer Familie leben zu können, so wie wir es glücklicherweise können. Solange das aber nicht möglich ist, möchte ich Ihnen meine Heimat als sicheren Zufluchtsort zur Verfügung stellen.

      Ein "Gutmensch”

  2. die angesprochene veränderung muss wesentlich früher geschehen – nicht wenn die flüchtlinge schon da sind und man selbst eventuelle abstriche machen muss, sondern… bereits zu zeiten des serbienkrieges, damit sich die promotivierung der verwerflichen interessen dritter unter keinen umständen – nicht in 30, nicht in 50, nicht in 100 jahren – wiederholt, so dass der "flüchtling" erst gar nicht erzeugt wird!

     

    • … während die von ihnen angesprochene veränderung, Frau Rahm, ein wesentlicher bestandteil des aktuell exekutierten Hooton-Plans ist! verstehen sie mich, um Gottes willen, nicht falsch – ich bin froh darüber, dass ihre weihnachtsgeschichte letztendlich gut ausging und wünsche ihnen und ihrer familie vom ganzen herzen nur gutes. aber dennoch – versuchen sie etwas weiter hinter die kulissen zu blicken. alles gute für 2016! 

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