Inzwischen ist das Säbelrasseln nicht mal mehr für Taubstumme zu überhören: Der Westen rüstet sich wieder einmal zum Krieg. Das „Kalifat“ des IS soll bekämpft werden, und wenn man gerade schon vor Ort ist, vielleicht Assad gleich mit. Die warnenden Stimmen – und derer gibt es nicht wenige – sind bereits kaum noch zu vernehmen im allgemeinen Vorkriegsgetöse.

Von Marcello Dallapiccola

Wer die Bundestagsdebatte zum Thema gesehen hat weiß, dass es bereits zu spät ist. Der deutsche Einsatz ist beschlossene Sache, UN-Mandat hin oder her. Geradezu stoisch konterten Von der Leyen und Steinmeier die Einwände und Bedenken der Opposition – hauptsächlich der Linken – mit den ewig gleichen hohlen Phrasen, Relativierungen und Tatsachenverdrehungen. Darin sind sie gut, denn das ist das einzige, was diese Gestalten überhaupt zustande bringen. Dass die ganze Aktion komplett hirnlos und chaotisch vonstatten geht und sowohl in Form als auch in Ausmaß komplett an der Realität vorbeigeht, ignorieren die Verantwortlichen dabei schlichtweg.
Denn wie die Beispiele des Irak, Afghanistans und Libyens eindrucksvoll zeigen, hat das – Achtung, Neusprech! – „militärische Engagement“ des Westens bisher immer genau das Gegenteil dessen bewirkt, was es eigentlich hätte sollen. Zumindest nach offizieller Lesart; es gibt ja mehr als genug Theorien, denen zufolge das im Moment herrschende Chaos auf der Welt durchaus gewollt ist, aber bleiben wir mal beim Offensichtlichen.

Anstatt Frieden, Freiheit und Demokratie haben die US-geführten Kriege im nahen und mittleren Osten allesamt nur Schrecken, Tod und Leid gebracht. Große, einst stabile Staaten fielen in sich zusammen und erwiesen sich als fruchtbarer Nährboden für Söldnertrupps, Glücksritter und fanatisierte Spinner aller Art, nachdem die staatstragenden Strukturen „dank“ westlicher Bombardements erst einmal zerstört waren. Die „normale“ Bevölkerung floh in Scharen – was wir in Europa ja auch täglich hautnah miterleben dürfen. Nicht wenige sehnen sich nach den „furchtbaren Tyrannen“ Hussein und Gaddafi zurück, verstanden die es doch wenigstens, ihre Länder funktionierend am Laufen zu halten. Auch in Afghanistan sieht die Bilanz düster aus: Nach 14 Jahren Krieg kommen die Taliban im Moment wieder stärker zurück als zuvor. Die vom Westen installierte Marionettenregierung hat außerhalb der Hauptstadt Kabul genau gar nichts zu sagen; dort bestimmen jetzt wieder die Warlords. Der einzige Effekt, den das westliche Eingreifen außer jeder Menge Tod und Leid noch hatte, war eine überraschend massive Zunahme des afghanischen Opiumanbaus und -exports. Diese wahrhaft berauschenden Fortschritte wurden unter anderem auch mit dem Blut von 50 deutschen Soldaten erkauft, die dort ihr Leben lassen mussten.

Im Zuge der Attentate von Paris soll jetzt also der gleiche Fehler, den die Amerikaner nach 9/11 begingen, von den Europäern wiederholt werden. Husch, pfusch und feste druff. Ob 9/11 nun inszeniert war oder nicht, spielt für den Ablauf der Ereignisse dabei nur noch eine untergeordnete Rolle, genauso wie die Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Paris-Attentat ergeben. Frankreich ist im Ausnahmezustand, Belgien lebt auf Terrorwarnstufe und dank des medialen Dauerfeuers, das wild zwischen Willkommenkultur-Euphorie und Terror-Alarmismus hin- und herpendelt, können auch die Bürger im Rest Europas kaum noch klar denken. Vor dem britischen Parlament haben zwar einige tausend Aufrechte dagegen demonstriert, dass sich die Briten schon wieder an einem „Intervention“ genannten Krieg beteiligen, doch auch dort dürfte klar sein, dass man der Rüstungsindustrie ein paar schöne Weihnachtsgeschenke bescheren möchte.

Was eine permanente Bombardierung auszurichten vermag, sind sich indes alle Militärstrategen einig: Man kann damit unendliches Leid verursachen, vor allem unter der Zivilbevölkerung – eine Guerilla-Armee wie der IS eine ist, kann man so jedoch ganz sicher nicht besiegen. Zu dieser Erkenntnis werden in einigen Wochen oder Monaten auch die ersten Politikern gelangen, woraufhin es zum nächsten logischen Schritt kommen wird: Boots on the ground. Das klingt zwar im Moment für die meisten noch wie ein absurdes Schauermärchen, doch der eine oder andere weitere Terroranschlag wird die Stimmung auch hier schnell in die gewünschte Richtung kippen lassen. Die Eskalation ist inzwischen soweit fortgeschritten, dass es nicht weniger als eines Wunders bedarf, um die Spirale von Gewalt und Gegengewalt anzuhalten.

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Jetzt rächt sich das jahrelange Ignorieren der Gefahr, das Negieren dieser Bedrohung, die sich da in aller Ruhe aufbauen, ausrüsten und organisieren konnte. Das haben unsere Politiker verbockt, genau diese Schwachköpfe, die nichts besseres zu tun hatten als uns mit aberwitzigen EU-Verordnungen zu gängeln und dem faschistischen US-Regime bei jeder Gelegenheit in den Hintern zu kriechen. Und genau diese Leute sind es auch jetzt wieder, die wider aller Vernunft und Logik handeln; denn man kennt die Schurkenstaaten, die den IS fördern, unterstützen und finanzieren, es ist mehr oder weniger ein offenes Geheimnis. Aber man hat es ja lieber mit Russland vor den Kopf gestoßen, da darf es sich jetzt natürlich mit den schwerreichen Golfstaaten nicht auch noch verscherzen …
Fakt ist, dass wieder junge Menschen fern der Heimat in einem Krieg sterben werden – und das, obwohl noch nicht einmal alle diplomatischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

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17 thoughts on “Krieg in Syrien: Immer feste druff!”

  1. "Im Zuge der Attentate von Paris soll jetzt also der gleiche Fehler, den die Amerikaner nach 9/11 begingen, von den Europäern wiederholt werden. Husch, pfusch und feste druff. Ob 9/11 nun inszeniert war oder nicht, spielt für den Ablauf der Ereignisse dabei nur noch eine untergeordnete Rolle, genauso wie die Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Paris-Attentat ergeben. Frankreich ist im Ausnahmezustand, Belgien lebt auf Terrorwarnstufe"

    Nun wenn man 9/11 nicht als Fehler sondern als Anleitung begreift ergibt alles andere sehrwohl einen Sinn.:-)

  2. Hat man sich gefragt, wie Russland ragieren wird? Doch, und man will Russland in eine kriegerisch Falle locken! Das ist der Hauptsinn. Putin kann nicht anders als reagieren, will er nicht seine Glaubwürdigkeit als Schutzmacht in Frage stellen. Es ist die Feuertaufe seines comebacks in der Welt. Versagt er hier in Syrien, hat er verloren! Das heißt aber auch, er muß entweder Assad massiv aufrüsten oder eigene Truppen schicken. Und das kommt in Russland nicht gut an. Afghanistan sitzt noch in den Knochen der Russen. Die Amis wollen ihm in Syrien ein zweites Afghanistan bereiten. Also ist seine einzige Chance, wenn er sich militärisch weiter engagiert, massiv zuzuschlagen und den NATO Verbänden empfindliche Verluste zuzufügen. Das ist teuer und muß kurz und effektiv sein, denn einen längeren Krieg in Syrien hält auch Putin nicht aus. Eine Verbandelung mit der NATO gilt im russischen Militär ebenso als eine Art Verrat.  Abgesehen davon gilt seine berechtigte Wiederaufrüstung primär der Abwehr des geplanten Krieges gegen Russland. Und er weiß, er darf sich finanziell und aufrüstungsmäßig nicht verzetteln und große Verluste an Material und Soldaten in Syrien einfahren

  3. Ich hab da ernsthafte Zweifel, dass Deutschland in Syrien groß was anrichten wird. In Afghanistan hat es wie man sieht nicht geklappt, also warum sollte es in Syrien klappen…

    Die ganze Geschichte ist einfach nur ein Witz

    1. "in jedem witz steckt eine kleine priese humor – der rest ist die reine wahrheit".

      (Charles Chaplin)

      für den moment sieht es eher so aus, als würde man die nato-kräfte "einfach nur" auf das komplette land verteilen wollen – so dass die RF keine einzige bombe mehr abwerfen kann, ohne das nordatlantische "verteidigungsbündnis" zu treffen.

  4. Am heutigen Nachmittag ist in Moskau vor hunderten Journalisten und einigen NATO-Militärs die Türkei und insbesondere die Fam. Erdogan von Russland attackiert worden. Man zeigte Satellitenbilder, die den Ölhandel der Türkei mit der IS dokumentierten. Unterstrichen wurden diese Vorwürfe von den Erkenntnissen brit.Wissenschaftler, die bereits im zurückliegenden Jahr auf einen solchen Handel hinwiesen. Ein großer Teil des mit LkW-Kolonnen an die türkische Küste transportierten Öls wurde/wird mit Schiffen von Erdogan jun. nach Japan transportiert. –  In diese diplomatisch und militärisch zugespitzte Lage will(muss) nun unser Bundesschützenverein die franz. Streitkräfte unterstützen und macht die BRD damit auch zum vorrangigen Ziel für terroristische Anschläge. Die unendliche Weisheit unserer Kanzlerin und ihrer Verteidigungsministerin ist nicht zu toppen, wenn eine politische Entscheidung überhaupt falsch sein kann, Merkel trifft sie.

  5. "Das habenunsere Politiker verbockt, genau diese Schwachköpfe, die nichts besseres zu tun hatten als uns mit aberwitzigen EU-Verordnungen zu gängeln und dem faschistischen US-Regime bei jeder Gelegenheit in den Hintern zu kriechen."

    ——

    Habe Sie ja auch schon kritisiert, Herr Marcello Dallapiccola, aber dieser Artikel aus ihrer Feder ist allererste Sahne.

    Gut recherchiert und auf den Punkt gebracht!

    1000 prozentige Zustimmung!!!

    Eine Kommentar erübrigt sich.

    Respekt!!

    1. @Dietrich von Bern: Danke schön!

      Ich lese sowohl ihre kritischen als auch ihre lobenden Kommentare stets mit Freude; ehrlich gesagt würde es mich bedenklich stimmen, wenn die Leser immer allem vorbehaltslos zustimmen würden. Insofern kann man als Autor nur dankbar sein für Leser, die weder zu faul zum Denken noch zu scheu oder bequem um sich zu äußern sind 🙂

      Beste Grüße!

       

  6. – "Die große französische Psy-Opera" –

    Ich gehe davon aus, daß die "Anschläge" vom 13. November nur eine weitere Psy-Op waren. 

    Ja das ist schwer zu verdauen und in den Kopf zu bekommen, da die Bilder stärker sind. Aber genau da liegt der Trick.

    -Kurz davor soll eine Übung gleichen Inhalts der "Anschläge" abgehalten worden sein.

    -Keine Bilder der "Explosionen" im oder vor dem Stadion.

    -Die schwangere Frau, die sich minutenlang am Fenstersims festhält und im Zeitpunkt der "Rettung" ein Kameraschwenk. Wie immer lausige Qualität.

    -Keine nennenswerten Schäden im Restaurant.

    -Der Verkauf des Bataclans 2 Monate zuvor.

    -Der vorhersehbare Ablauf mit gefunden und unversehrten Ausweisen.

    Das gewollte Ergebnis -oder besser Ziel- der Operation liegt auf der Hand.

    Wir werden nach Strich und Faden verarscht. 

    Ansonsten guter Artikel.

  7. Egal wie  mies und schlecht man die agierenden Politiker im Westen einschätzt und ihnen in der blühenden Fantasie zutraut. Es kommt an das perfide Handeln in der Realität nicht heran. Die schlimmsten Vermutungen sind euphemistische Verharmlosungen im Vergleich zur Wirklichkeit! Man läuft ihnen damit immer hinterher.

  8. Ich sehe das ein wenig anders. Ist nur meine Meinung, aber ich denke die Anti IS Koalition ist sinnvoll, solange die Amerikanski draußen bleiben. Mann könnte sie auch Anti Amerikanski Koalition nennen. Die Franzosen haben genug Grund, schon lange die Schnauze voll, von Amerikanski zu haben. Weil sie von Natur aus widerspenstig sind, mussten sie am härtesten bestraft und auf Sanktions Kurs gebracht werden. Ob Mistral oder Morde, sie hatten keine Chance sich sebstständig zu positionieren. Bis jetzt. Egal,wer die Anschläge fabrizierte, Frankreich nutzt sie auf seine Art, um auszuscheeren. Britannien will auch endlich aufräumen,sie haben ausreichend die Bereicherung des Multikulturalismus abgekriegt. Es ist wohl so wie Putin über die Türkei sagt, in jeder Nation:von der Führung unabhängig, denen Allah den Verstand verdrehte, ist das Volk ist fleißig, talentiert und gutherzig, und überall gibt es wichtige Russen Freunde. Fuck the EU, haben alle gehört!

    Und auch verstanden! Nur sind natürlich viele Amerikanski Agenten allenorts am Drücker, aber, zum Glück, nicht überall. So verstehe ich die Entwicklung. Und nichts was ich hier bisher las, inklusive Links, hast mich davon abgebracht.

    1. Und mich kann niemand von meiner Verachtung gegenüber dem gesamten EU Politgesindel abbringen.  Warum hat man Jahre verschlafen?? bewußt oder Unfähig???! Ich glaube beides.

      1. Nichts anderes als Verachtung verdienen die auch. Nicht mal Mitleid.

        Nichts anderes als rückratlose Kriecher sind die. Eben deswegen, machen die jetzt bei Russland mit. Aus Angst, aufs falsche Pferd gesetzt zu haben, welche durchaus begründet ist. Und sie werden mit ihrer Kriecherei durchkommen, als wenn nichts gewesen wäre, aber ich sage ja nur, dass sie diesmal zufällig beim Richtigen kriechen.

  9. Wir leben in Deutschland nicht nur bei der Bundes­wehr von der Substanz. Der bauliche Zustand von Schulen, Kindergärten und Universitäten, von Straßen, Brücken oder Kanalisation ist leider oft erbärmlich.

    Plötzliche Erkenntnis von EX-Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) in der Bild am Sonntag

     

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