Frisch privatisiert: TAP verlangt Preisaufschläge

Die Privatisierung von Portugals Fluggesellschaft wurde noch von der Übergangsregierung im Eiltempo abgeschlossen. Kaum ist ein neuer Besitzer am Steuer, schon werden die Befürchtungen der Passagiere Wirklichkeit: Flüge werden teurer.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Vor kurzem erst haben wir über die Privatisierung im Eiltempo berichtet und die Machenschaften der Regierung von Ex-Premierminister Passos Coelho diesbezüglich angeprangert. Den alten und neuen CEO der Fluglinie, Fernando Pinto, lässt jegliche Kritik aber kalt. Auf dem 41. Kongress der Vereinigung der portugiesischen Reise-und Tourismusagenturen in Albufeira sagte der langjährige Vorstandsvorsitzende in seinem typischen brasilianischem Akzent, dass die TAP jetzt endlich „ein normales Unternehmen im europäischem Kontext“ sei. „Endlich haben wir Geldmittel, Kapital und Pläne für die Zukunft“, so der Manager, der sich in den 1990ern bei der brasilianischen Varig einen Namen machte.

Jetzt meldete sich Ingenieur Pinto erstmals nach der Unterzeichnung des Kaufvertrags mit der Übergangsregierung Passos Coelho. Neben dem erfahrenem Geschäftsführer der TAP hat sich auch Sérgio Silva Monteiro seitens der Übergangsregierung für eine schnelle Privatisierung eingesetzt. Dabei war ihnen immer wichtig Mechanismen einzubauen, die den Drohungen der neuen Linksregierung entgegen wirken, da alle Oppositionsparteien eine Annullierung des obskuren Geschäfts angekündigt hatten. Sérgio S. Monteiro hat übrigens mehrere Privatisierungen verhandelt und einen Tag nach seinem Ausscheiden aus der Regierung wurde bekannt, dass er jetzt für Portugals Zentralbank die Privatisierung der Novo Banco (die von Portugal gerettete „Good Bank“ der Pleitebank BES) abwickeln soll. Bei einem Gehalt von 30.000 Euro pro Monat hat er erst einmal ausgesorgt.

So gab Fernando Pinto in Albufeira ebenfalls bekannt, dass die Hälfte der 150 Millionen Euro, die laut Vertrag schon mal vorab investiert werden sollten, ausgegeben wurden. Als der Vertrag völlig überraschend und ohne Vorankündigung am 12. November unterzeichnet wurde, gab man an, dass die Fluggesellschaft völlig zahlungsunfähig sei und ohne sofortiger Geldspritze keine Löhne und kein Treibstoff bezahlt werden könnten. Daher beschleunigte man den Kaufprozess und da die Regierung der Märkte, Großkonzerne und der guten Geschäfte auf Kosten des kleinen Mannes am Ende war, musste eine Annullierung dieses regelrechten Lottogewinns für die Atlantic Gateway von Humberto Pedrosa und David Neeleman unmöglich gemacht oder zumindest erschwert werden.

Denn die neue Regierung von António Costas Partido Socialista (PS) hat die Umkehrung der Privatisierungen und Konzessionen der konservativen Vorgängerregierung mit den Parteien zu ihrer Linken vereinbart, um sich deren Unterstützung zu sichern. Die linken Parteien und auch eine große Mehrheit der Bevölkerung standen einer Privatisierung mit Skepsis gegenüber, da sie Preiserhöhungen und Streichungen von unrentablen aber für die Menschen wichtige Fluglinien befürchteten. Diese Befürchtungen bestätigen sich jetzt schon teilweise.

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So gab die frisch privatisierte TAP bekannt, dass für alle nach dem 6. Dezember und für den Zeitraum bis Anfang Januar gebuchten und bezahlten Tickets Aufschläge zwischen 25 und 100 Euro pro Flug verlangt werden. Dabei werden bei Flügen innerhalb Europas – einschließlich Madeiras und den Azoren – 25 Euro, von und nach Afrika und Südamerika 50 Euro und von und nach Nordamerika 100 Euro fällig. Am meisten Unmut aber provozierte der Ausspruch des CEO, Fernando Pinto, wonach der Aufschlag „zum Schutz der Passagiere“ erhoben würde. Weil sonst jede Reservierung die nicht genutzt werde, einem anderem Passagier der unbedingt über die Feiertage den Platz bräuchte, diesen Platz vorenthalten würde.

Auch wenn inzwischen der Aufpreis für Bewohner der Inselgruppen und für Schüler und Studenten zurückgenommen wurde, so zeigt das Ganze mal wieder, was man bei Privatisierungen zu erwarten hat. Das Ziel eines staatlichen Unternehmens ist es, dem Bürger zu dienen. Ein privates Unternehmen hat, natürlich, das Ziel Gewinn zu machen. Möglichst viel und möglichst schnell Gewinn zu bringen. Wenn das Unternehmen für einen Staat und dessen Bürger auch noch unerlässlich ist, kann man auch darauf verzichten nachhaltig zu sein. Wenn es den Bach runter geht, kauft der Staat das Unternehmen zurück und man macht nochmal einen Haufen Geld! Manche Dienste gehören in staatliche Hände, sonst wird es viel teurer – für den Bürger.

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Ein Kommentar

  1.  Kaum ist ein neuer Besitzer am Steuer, schon werden die Befürchtungen der Passagiere Wirklichkeit: Flüge werden teurer.

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    Tja Herr Goldschmidt, WER hätte das gedacht?

    Das ist aber der Sinn der …ähäm…Privatisierung. Das Tafelsilber und das Tafelgold werden von den korrupten Regierungen für einen Appel und ein Ei verscherbelt, bis das Volk sprichwörtlich mit dem letzten Hemd da steht.

    Oftmals wird für den den „Kauf“ des Staatsunternehmens nicht ein einziger Cent aus der Tasche des 'Investors' aufgewendetDas ist schließlich Sinn und Zweck der sogenannten „Privatisierungen“.

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