BANIF am Abgrund: Neue Bankenpleite in Portugal?

Die Banken haben Portugal, wie auch den Rest der Welt, in eine Krise gestürzt. 2010 haben die Banken BPN und BPP Portugal in die Eurokrise gerissen. 2014 kam die BES und das dazugehörige Imperium hinzu. Jetzt fällt auch noch die BANIF.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Die Banco Internacional de Funchal (BANIF) ist eine private Bank mit Sitz auf der Blumeninsel Madeira, Portugals einstiger Steueroase. Wenn die seit langem angeschlagene und auf einen Investor wartende BANIF wirklich in Konkurs geht, dann kann das dem portugiesischen Staat sehr teuer kommen. Auch die neue Regierung hat plötzlich ein Problem an der Hand, welches ihr das Genick brechen könnte. Da kommt ein Medienbericht, in dem die Schließung der Bank angekündigt wird, sehr ungelegen… zumindest für Premierminister Costa.

Damit will ich nicht behaupten, dass die plötzliche Notlage der BANIF politisch motiviert ist und der neuen Regierung schaden soll. Aber das Timing ist schon fragwürdig. Der CEO der BANIF, Jorge Tome, trat nun an die Öffentlichkeit, um die Panikmache und den langsam einsetzenden Run auf die Bank zu stoppen. Denn inzwischen stürmten die ersten aufgeschreckten Kunden die Bankschalter um ihre Habe in Sicherheit zu bringen.

Auch wenn Premierminister Antonio Costa die Einlagen der Privatkunden garantiert hat, so bleiben doch eine Menge Fragen – vor allem an die Vorgängerregierung der konservativ-bürgerlichen PSD/CDS Koalition von Passos Coelho und Paulo Portas. Die Herren (und Frau Ex-Finanzministerin Albuquerque) „Reprivatisierung ohne Kosten für den Steuerzahler“ – wer auch immer das in diesem Land sein mag – haben wohl vergessen, dass die 60 Prozent die der Staat seit seiner Rettungsaktion an der BANIF hält, bis Jahresende wieder verkauft sein sollten.

Bei all den Fehlentscheidungen der Regierung Passos Coelho war die Vertragsverlängerung mit dem Präsidenten der portugiesischen Zentralbank, Carlos Costa, der im Umgang mit den Bankstern und den Pleiteskandalen von BPN, BES und jetzt auch noch der BANIF, wohl eine der gravierendsten. Die Banco Internacional de Funchal gehört zu den Banken, die unter den Rettungsschirm der Troika gestellt wurden. Auch wenn das Geld für die durch die internationale Finanzkrise in Schieflage geratenen Banken von der Troika an Portugal ausgeliehen wurde, so sind die 1,1 Milliarden Euro, die der portugiesische Staat der BANIF geliehen hat, ein Risiko für den Steuerzahler. Ein Risiko das – wie sich jetzt herausstellte – viel größer ist als gedacht.

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Denn nachdem 225 Millionen Euro zurückgezahlt wurden, hat die Bank schon Anfang dieses Jahres eine 125 Millionen Euro Rate verfehlt. Somit hat der Staat noch 875 Millionen Euro in diesem „Schwarzem Loch“ und von den sechs Interessierten hat die spanische Bank Santander, die in Portugal schon mit der Santander-Totta präsent ist, als erste ein Angebot zur gesetzten Frist – 18. Dezember 2015 – abgegeben. Die ebenfalls spanische Bank Banco Popular, die US-Amerikaner der Apollo, JC Flowers, „The Privat Equity“ und ein weiterer Investor folgten im laufe des Abends. Die CMVM – Kontrollorgan für diese Geschäfte – gab keine Einzelheiten zu den Käufern bekannt. Auch aus China kam die Bitte, die Frist für Abgabe von Angeboten zu verlängern. Obwohl noch keinerlei Zahlen genannt wurden, haben die Ökonomen ein schlechtes Gefühl. Man erwartet, dass die Angebote weit unter den Werten liegen werden, die vom Staat in die Offshoreoase gepumpt wurden.

Wo wir schon beim Thema Offshoreoase sind, so gibt es noch die Auslandsniederlassungen der BANIF. Die Filiale auf Malta wurde bereits verkauft. In diesem Fall wurde der Preis bekanntgegeben – 18,4 Millionen Euro statt der ursprünglich vorgesehenen 25 Millionen – nicht aber der Käufer. So haben wir wieder mal den üblichen Bankensumpf. Premierminister António Costa wird der portugiesischen Zentralbank (BdP) diesmal nicht die Lösung des Problems überlassen und hat das Dossier BANIF zur Chefsache gemacht. Das mag ein Risiko für die Regierung sein, da sie schnell zum Sündenbock gestempelt wird, wenn etwas schief geht. Doch es wird Zeit, dass jemand den Bankstern auf den Fuß tritt.

Fragt sich nur, wie viel Macht die Politik wirklich hat, wenn eine Regierung wirklich will. Passos Coelho, der Schoßhase der Merkel, Märkte und Spekulanten hat diese Verbrecher jedenfalls immer in Schutz genommen. Damit ist nun Schluss, auch wenn es vielen bei weitem nicht genug ist.

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10 Kommentare

  1. Frage eines Journalisten an den lebenslänglich einsitzenden Mafia-Boss ( der Boss der Bosse) Toto Riina: " Was halten Sie für das perfekte Verbrechen?"  Lapidar und sehr prompt die Antwort des Capo:" Eine Bank gründen." Ich denke, für diese Aussage eines mit der Materie ( Organisierte Kriminalität) wohl vertrauten Mannes, hat die jüngste Vergangenheit unzählige Bestätigungen geliefert. Wenn eine Bank zudem noch systemrelevant genannt wird, ist das ein Freibrief für Steuermilliarden und Straffreiheit. In diesem Sinne, allen Bankern ein frohes Fest (fahrt zur Hölle!).

  2. Schoßhase von Frau Merkel? Das ich nicht lache. Die Krise der BANIF ist eine rein portugiesische Angelegenheit. Der eingedeutschte Herr Gutschmidt sollte endlich aufhören die Fehler bei der Bundesregierung zu suchen sondern bei den Landsleuten seiner portugiesischen Herkunft

        1. Na das Bild, FAZ und Co verschweigen, was diese Regierung in Südeuropa so abziehen und wie sie politischen Druck im Namen der Banker ausüben wundert mich kaum. Das man dieser Lügenpresse noch glaubt wundert mich schon eher. Aber ich habe es aufgegeben Gläubige "bekehren" zu wollen. Jeder sieht die Welt aus seiner Perspektive und meine Erfahrung beschränkt sich nicht nur auf die Wohnzimmercouch… Wobei die BANIF vor allem durch Misswirtschaft in diese Lage geriet aber die Banker an sich unter EU-Schutz und damit unter deutschem Schutz stehen. Die EZB steht nicht umsonst in Frankfurt. GB-Banker drängen auf den EU-Austritt, um nicht von Frankfurt kontrolliert zu werden und halb Europa (einschliesslich der Deutschen selbst) rebellieren gegen diese Regierung, diese Politik.

          1. Lügenpresse,  Wohnzimmercouchpersöektive? Lesen Sie mal die aktuellen Beiträge Def NZZ, da können Sie noch etwas lernen Herr Gutschmidt.  Vielleicht streicheln auch lieber weiter Ihre Katze auf dem Sofa. Die scheint Ihnen gegenüber anscheinend kein "contra" zu kennen.

    1. Sehr geehrter Herr Arno Heuer,

      eine absolut korrekte Forderung. Die alleinige Schuld ist nur in Portugal zu suchen.

      António Costa ist einer der größten Betrüger Portugals und ein durch und durch inkompetenter schleimiger Politiker, der einen anderen, durch und durch korrupten und dümmlichen Sozialisten, José Sócrates, vor den Fängen der Justiz schützen soll, der das Land in den Bankrott geführt hat.

      Das Fazit im obigen Artikel ist an Albernheit und Realitätsferne nicht zu überbieten. Der Autor ist ein Ideologe, der von der Materie keine Ahnung haben kann.

      António Costa ist in Portugal dafür berühmt, Intrigantenschulen anzuführen. Das ja. Es geht um das Verwischen von Spuren. Mehr nicht. Costa irgendeine kluge Politik unterjubeln zu wollen, ist eine Frechheit hoch Zehn.

      Die Geschäftsleitung der Bank trägt dafür die Verantwortung und niemand anderes. Und wie schnell ein Käufer gefunden wurde, ist sehr, mehr als bedenklich.

      Und die hochkriminellen Machenschaften, zwischen „Bankstern“ und dekadenten hochkorrupten port. Sozialisten, zu denen António Costa eindeutig gehört, ist noch immer nicht alles aufgeklärt.

      1. Man darf in diesem Zusammenhang die ketzerisch Frage stellen, warum die inzwischen aufgespalten BES und jetzt die BANIF im Jahr 2014 nicht durch den Stresstest der EZB gefallen ist? Da muss ja ordentlich an den Bilanzen manipuliert worden sein.

  3. BANIF an Santander-Totta verkauft – 150 Mio €

    Kosten für den Staat – 2,255 Mrd € (489 € vom Rettungsfond der portug. Banken und 1.766 € vom Staat.)

    Filialen und Arbeitsplätze bleiben erhalten und wechseln zu Santander-Totta

    Kunden werden übernommen, Einlagen gesichert. 

    Bleibt noch die Frage, was mit den SCHULDIGEN geschieht!!

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