Alvis Hermanis: Die politisch korrekte Hexenjagd geht weiter

Nach dem Schriftsteller Akif Pirincci und dem Sänger Xavier Naidoo steht schon der nächste Künstler am medialen Pranger. „Erwischt“ hat es diesmal den lettischen Theater-Regisseur Alvis Hermanis, der sich quasi über Nacht inmitten eines Shitstorms wiederfand. Sein Vergehen: Hermanis erdreistete sich, in Punkto Flüchtlingsfrage eine eigene Meinung zu haben.

Von Marcello Dallapiccola

Die Vorgeschichte ist so kurz und unspektakulär, dass sie schnell erzählt ist: Hermanis hätte im kommenden Frühjahr am Hamburger Thalia-Theater inszenieren sollen, sagte dieses Engagement jedoch mittlerweile ab. Für schrille Töne in der transatlantischen Gleichschritt-Presse sorgt jedoch die Begründung seiner Absage: Hermanis verlautbarte diese nämlich in einem offenen Brief, in dem sich einige Formulierungen finden, die jede Menge Munition für die Entrüstungs- und Empörungsabteilungen der einschlägigen Propaganda-Schmierblätter liefern.

Hermanis ist der Meinung, das Thalia-Theater sehe sich als „Refugees-Welcome-Zentrum“ und er wolle nicht mit dessen „humanitärem Engagement für Flüchtlinge in Verbindung gebracht werden“. Weiters heißt es da: „Die deutsche Begeisterung, die Grenzen für alle zu öffnen ist extrem gefährlich, weil unter den Flüchtlingen auch Terroristen sind“. Er relativiert diese Aussage dann gleich, indem er hinzufügt „dass zwar nicht alle Flüchtlinge Terroristen, alle Terroristen jedoch Flüchtlinge oder deren Kinder“ seien, doch man kann sich ausmalen, dass wohl schon der erste Satz bei so manchem Wahrheitswächter für spontane Schnappatmung sorgte.
Doch damit nicht genug, Hermanis fährt fort: „Die Anschläge von Paris haben gezeigt, dass wir uns in einem Krieg befinden. In jedem Krieg muss man sich für eine Seite Seite entscheiden; er (Hermanis) und das Thalia-Theater stünden auf entgegengesetzten. Die Zeiten der political correctness sind vorbei.“

Ganz schön starker Tobak – und das von einem E-Künstler, einem europaweit anerkannten Theaterregisseur. Die Stimmen derer, die nicht im Welcome-Chor mitgrölen, mehren sich stetig – was allerdings für die Massenmedien immer noch kein Grund ist, hellhörig zu werden oder sich gar ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Nein, auch über Hermanis wird das Füllhorn des Shitstorms großzügig ausgeleert, wie ein kurzer Blick in die Presselandschaft zeigt: „ER LEHNT FLÜCHTLINGE AB“ heißt es da, „DIE RASSISTISCHE LOGIK DES LETTISCHEN REGISSEURS“ oder „HERMANIS ZU FLÜCHTLINGEN: ER SCHLÄGT DIE TÜREN ZU“. Auch die 3SAT-Kulturzeit hat sich mit dem Thema befasst und eine filmische Aufarbeitung dazu angefertigt, die wenigstens halbwegs neutral bleibt.

Doch wieder einmal, wie auch schon bei Pirincci und Naidoo, greift die ewig gleiche Logik der Mainstream-Schmierenpropaganda: Was nicht sein darf, das kann auch nicht sein. Abweichende Meinungen gibt es nicht; jede Stimme die sich dennoch erhebt wird augenblicklich mundtot gemacht, wozu jedes Mittel recht zu sein scheint. Beinahe fühlt man sich an George W. Bushs „Either you're with us – or you're with the terrorists“ erinnert. Das staatlich verordnete Denkverbot bleibt weiterhin bestehen und wenn einem seine wirtschaftliche Existenz lieb ist, hält man sich besser dran und damit auch gleich seine Klappe.
Wie lange sich dieser Überdruck noch im Kessel halten läßt, bevor selbiger mit großem Getöse hochgeht, weiß keiner. Aber wenn jetzt auch die Protagonisten der „edelsten aller Künste“ schön langsam beginnen, die offiziellen Dogmen lautstark zu hinterfragen, kann es wohl nicht mehr lange dauern.

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8 Kommentare

  1. Die deutschen-amerikanischen Kriegspropaganda-medien werde
    n bald Ihr Papier fressen ! Spätestens dann wenn der Dollar + Euro nur
     noch Klopapierwert besitzen !
     Der Beruf Journalist ist soviel beliebt wie Straßenfeger ! Das ARD-ZDF Journalisten
    -pack gehört wegen Hetze und Verleumdungen in den Knast oder soll vom Volk wie

    eine Sau durch das Land getrieben werden . Verräter wo man hinschaut und geldgierige

    Schwuchteln beim Spiegel,FAZ,ZEIT und sonstiger Müll der als Sondermüll schwer

    zu entsorgen ist !

    Gruß Lederstrumpf

    1. Ja, aber wer ihn nicht kauft, hat auch nicht das Entsorgungsproblem!

      "Hermanis ist der Meinung, das Thalia-Theater sehe sich als „Refugees-Welcome-Zentrum“ und er wolle nicht mit dessen „humanitärem Engagement für Flüchtlinge in Verbindung gebracht werden"

      Eine durchaus respektable Einstellung!

      1. Ich kann das sehr gut nachvollziehen! Zu viele Promis und Möchtegern-Prominente haben sich schon weit aus den Fenster gelehn und werden dies möglicherweise noch bereuen! Es gibt auch keine Pflicht zu einem solchen Engagement, vor allem auch nicht, wenn man noch nicht einmal Deutscher ist! Die Deutschen werden ja allgemein von den Medien eingeschüchtert, als lettische Landsmann, braucht er sich den Stiefel schon gar nicht anzuziehen!

  2. so lange in der bRD die Rebellen oder terroristen in Syrien als tolerabel oder tolerierbar, gut und notwendig bezwichnet werden und hier in Deutschland neu, neutrale Parteien als rechtsextrem verunglimpft werden, so lange setzt sich die totalitäre Perversion immer weiter fort bis zum 100%igen Totalitarismus. merkel steht für Totalitarismus. Schäubel für die Vereinigten Staaten von EU, Gabriel für Opprotunismus pur bis er was mehr ist… nie!

    Die BRD ist verloren, weil das Volk ( bis auf eine kleine Menge im Osten!) zu faul, z bequem, zu geschichtsvergessen, zu dumm, zu brainwashed ist, um zu begreifen was hier tatsächlich passiert.

    So lange also das Volk noch nicht einmal zum Generalstreik zu bewegen ist, so lange bleibt alles wie es ist. Der vasllische Totalitarismus kommt. Schneller als wir alle ahnen. Und die Auflösung aller Gesetze und Rechte ist schon im Gang. 

     

  3. political correctness = A sagen, B tun / da Politik ein verlogenes "Geschäft" ist und nun sollen alle Menschen verlogen gemacht werden. Der Schein ist wichtiger als die Wirklichkeit

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