EVP-Fraktionschef warnt Großbritannien vor überzogenen Forderungen

Es gebe nur die Wahl zwischen einer vollen oder gar keinen EU-Mitgliedschaft, so EVP-Fraktionschef Manfred Weber zu den britischen Forderungen hinsichtlich des Verbleibs des Landes in der Europäischen Union. Europas Konservative suchen dennoch eine Annäherung an die britischen Positionen.

Von Redaktion/dts

Manfred Weber (CSU), der Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, warnt Großbritannien vor überzogenen Forderungen in der laufenden Diskussion über den Verbleib in der Europäischen Union. Es müsse den Briten klar sein, dass es beim Referendum nur eine Wahl über "die volle oder keine Mitgliedschaft in der EU" gebe, sagte Weber der "Welt". "Extrawürste wird es für Großbritannien nicht geben. Ein Sondermodell mit einer Mitgliedschaft à la carte ist nicht denkbar. Darüber müssen sich die Briten im Klaren sein."

Weber zeigte sich gesprächsbereit. "David Cameron hat unsere Unterstützung, einen fairen Deal bei den Verhandlungen zu finden", sagte er. "Wir wollen Brücken bauen und ein starkes Großbritannien als Teil Europas." Mit einigen seiner Reformwünsche findet Cameron auch die aktive Unterstützung der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. "Bei vielen Punkten, wie der Bekämpfung des Sozialmissbrauchs oder mehr Wettbewerbsfähigkeit, hat er uns an seiner Seite", betonte Weber. "Auch wir wollen ein besseres Europa." Damit zeigt sich Weber als Verfechter des marktliberalen Systems, welches in Großbritannien eine große Rolle spielt. Auch Maßnahmen zum Sozialabbau, wie sie im Zuge der Wirtschaftskrise in vielen EU-Ländern durchgezogen wurden, sind Teil der konservativen Politik.

BDI-Präsident Ulrich Grillo hat vor einem Austritt Großbritanniens aus der EU eindringlich gewarnt: "Ein `Brexit` führt uns alle in die Sackgasse. Europaweit würde ein Austritt Großbritanniens große Verunsicherung hervorrufen und hätte verheerende Folgen", sagte Grillo dem "Handelsblatt". Deutsche Unternehmen seien stark mit der britischen Volkswirtschaft verzahnt, besonders im Automobilsektor, in Energie, Elektronik und der Metallproduktion. Ein Weg wie ihn die Schweiz mittels bilateraler Abkommen durchaus erfolgreich geht, kommt dem BDI-Präsidenten dabei nicht in den Sinn.

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"Großbritannien ist für uns ein extrem wichtiger Partner in der EU – in mindestens drei zentralen Grundsatzfragen: bei der Vertiefung des europäischen Binnenmarkts, der Erschließung neuer Märkte und dem Einsatz für strukturelle Reformen zugunsten der europäischen Wettbewerbsfähigkeit", sagte Grillo. "Stay in! Diese eindeutige Botschaft der deutschen Wirtschaft habe ich Schatzkanzler Osborne auch auf dem Tag der Deutschen Industrie mit auf den Weg gegeben. Wir brauchen einander."

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5 Kommentare

  1. Guten Morgen

    Da die Briten die EU immer nur „von außen“ gesehen haben – als Pfanne sozusagen, wo die Würstchen gebraten werden – kann man auch nicht davon ausgehen, dass die Briten aussteigen wollen. Denn wo man nur pro forma drin war, kann man auch nicht richtig aussteigen. Allenfalls wieder pro forma.

    Zweifel an Herrn Jehs Worten?

    Ach nee! Und WARUM hatten die Briten nie den EURO ???

    Antw: Weil sie eine stabile Währung haben (behalten) wollten. Der Werdegang der EU/des Euro war Teil des Konzepts: Dem Bau einer wirtschaftlichen Versagergemeinschaft, an der die Angelsachsen (über die USA und direkt) ihren Nurtzen haben; wie schon seit hunderten Jahren und, so ganz nebenbei gesagt, auch der Grund der beiden Weltkriege.

    ~~~

    Während die Deppen (also wir) hier über EU-Austritt JA/NEIN sabbeln, ist man woanders längst weiter, auf der Schiene des Lebens. Der Finanzminister der USA z.B. holt gerade sein Köfferchen voll Geld in der Ukraine ab. Klar, Weihnachten steht vor der Tür. Da muss man doch den Kindchen und Enkelchen etwas schenken. Vielleicht ist es auch kein „Köfferchen“, sondern ein ausgewachsener KOFFER. Ansonsten wüßte ich nicht, was der FINANZMINISTER DER USA in der Ukraine verloren haben könnte.

    http://de.sputniknews.com/politik/20151110/305534950/treffen-mit-regierungsvertretern.html

    1. Zwei Zitate, die M.Thatcher zugesprochen werden: "Der Euro hat solange Bestand, wie Deutschland bereit ist, für ihn zu bezahlen." – "Der Euro wird als die größte (finanzpolitische) Dummheit in die Geschichte eingehen." – – –  Wie Sie schon bemerkt hatten, wussten die Angelsachsen sehr wohl, warum sie an ihrer Währung festhielten. Auch geht die Ausplünderung Europas von der City of London aus, ebenso wie TTIP dem "Geiste nach" eine Ausgeburt der Ost-Indien-Kompanie ist.

  2. Recht haben sie, die Briten. Alle Staaten sollten austreten aus dem US-Scheißhaufen EU.

    Strenge Einreisebestimmungen für Amis (biometrische Daten usw), Freihandelszone mit Russland!

  3. Da lacht der Brite – und der Brüsseler wundert sich.

    Die Briten haben sich immer schon eine Extrawurst braten lassen, siehe Maggie „I want my money back!“ Thatchers Rabattaktion.

    Jetzt geht es um das Extrabrot zur Extrawurst.

    Ceterum censeo Unionem Europaeam esse delendam

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