Für viele afrikanische Staaten ist die Emigration ein Segen. Die Devisen sprudeln und der Anreiz zur Verbesserung der Lage im eigenen Land bleibt niedrig. Der EU-Afrika-Gipfel wird daran nichts ändern.

Von Marco Maier

Angesichts der EU-Afrika-Gipfels in Malta werden auch die Emigranten aus Afrika wieder in Erinnerung gerufen. Alleine in diesem Jahr waren es wohl um die 140.000 Menschen aus diesem Kontinent, die an den südeuropäischen Küsten landeten. Ein steter Strom, der schon seit vielen Jahren anhält und durch Schiffsunglücke auf dem Mittelmeer immer wieder in die Schlagzeilen gerät.

Heute Abend und morgen Donnerstag werden sich Vertreter der EU und rund 30 afrikanischer Staaten in Malta treffen um über diese Migrationsbewegung zu sprechen. Die Ansichten dazu sind schon innerhalb Europas höchst unterschiedlich. Die politische Linke kritisiert Europas "Abschottungspolitik", während die politische Rechte auf eine noch stärkere Abschottung des Kontinents pocht.

Die afrikanischen Staatsführer hingegen sehen diese Auswanderungswelle eher wohlwollend und gelassen. Denn für die Regierungen der afrikanischen Staaten ist die Emigration von Staatsbürgern geradezu ein Segen: Einerseits sorgen die Emigranten für eine Linderung des Bevölkerungswachstums, andererseits führen die Rücküberweisungen dieser Menschen zur Versorgung der Länder mit dringend benötigten Devisen – laut Weltbank belief sich die Gesamtsumme der Auslandsüberweisungen in Afrika im letzten Jahr auf 32 Milliarden Dollar.

Senegal beispielsweise erhält jährlich 1,6 Milliarden Dollar von den Emigranten, die so ihre Familien zu Hause unterstützen. Das sind immerhin ganze 11 Prozent der Wirtschaftsleistung. Dementsprechend widerwillig agieren diese Staaten auch auf die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber. Laut Brüsseler Angaben liegt die Rücknahmequote hier gerade einmal bei rund 20 Prozent.

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Umso deutlicher wird, wie schwierig die Verhandlungen auf dem Gipfel sein werden. Zu glauben, dass die afrikanischen Vertreter der Auswanderung einen Riegel vorschieben ist genauso abwegig wie eine Erleichterung der Einwanderung von Afrikanern in die EU. Angesichts dessen, dass die EU-Länder selbst mit einer nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit kämpfen und so manche davon auch eine weit verbreitete Armut kennen, wird es für Wirtschaftsflüchtlinge auch in absehbarer Zeit nicht einfacher werden, in Europa Fuß zu fassen.

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One thought on “Devisenquelle: Afrikas Staaten wollen Emigranten nicht zurück”

  1. Das läuft auch unter "labour export".

    Auf Deutsch: Export von Arbeitern, sprich Menschenhandel mittels zwischenstaatlicher Verträge.

    Um sich über die Bedeutung der Überweisungen für die Empfängerländer zu informieren, sucht man nach "country remittances".

    Die erwähnte Weltbank ist eine der zuverlässigen Quellen.

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