Albufeira – Portugals Urlaubs- und Rentnerparadies im Schlamm versunken

Der 1. November 2015 wird in zukünftigen Jahren als Katastrophensonntag in Erinnerung bleiben. Die Menschen wurden in ihrem kleinem Paradies von einer Flut aus Schlamm überrascht. Obwohl vor dem Unwetter gewarnt wurde, scheinen die Behörden Gegenmaßnahmen verschlafen zu haben. Diese hätten die schlimmen Folgen zumindest verringern können.

Von Rui Filipe Gutschmidt  

Die kleine Stadt Albufeira an der südportugiesischen Algarve ist ein beliebtes Urlaubsziel für Deutsche, Franzosen, Niederländer und vor allem Briten, von denen viele ihren Altersruhestand in diesem kleinem Paradies verbringen. Doch man hat die Stadt an äußerst ungünstiger Stelle gebaut. Denn der Name der Stadt „Albufeira“ bedeutet zu Deutsch „Stausee“! Die älteren Bewohner können sich noch erinnern, wie sich ein kleiner See aufstaute wenn es im Winter heftig regnete. Es war ein Trinkwasserreservoir das sie nutzten um zu baden oder die Wäsche zu waschen. Dies wurde überbaut und man errichtete 5 km landeinwärts Schleusentore, um die Wassermenge zu regulieren.

Ja, man hat eigentlich vorgesorgt, obwohl es Kritik am Bau verschiedener Tunnel gibt, die unter der neuen Schnellstraße durchführen. Sie seien nur halb so groß wie geplant. Da wollte wohl jemand sparen. Auch ist fraglich ob die Schleusentore diese Wasser und Schlammmassen aufgehalten hätten. Gebremst hätten sie diese auf alle Fälle. Die Stadt beschuldigt den Katastrophenschutz und diese sagen, sie hätten keine Warnmeldung erhalten. Also haben wir die üblichen Schuldzuweisungen – und der Innenminister und der Umweltminister waren vor Ort um schnelle Hilfe zuzusagen. Sie sind aber Minister auf Zeit und jetzt hat die Regierung auch noch bekannt gegeben, dass sie nicht den „Katastrophenzustand“ ausrufen wird. Den fordert der Bürgermeister von Albufeira, um so auf Gelder zugreifen zu können und auch sonst Wiederaufbauhilfe zu erhalten. Stattdessen würde man Gelder aus Kassen die für Unwetterschäden angedacht sind bereitstellen. Man überlässt diese unangenehme Aufgabe der nächsten Regierung.

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Die Politiker streiten sich also, die Versicherungen drücken sich wie immer, erfinden Ausreden und bürokratische Hürden – es hat sowieso kaum jemand eine Versicherung für Hochwasserschäden an der eher trockenen Algarve – und währenddessen stehen die Menschen vor einem Trümmerhaufen. Aber Gott sei Dank gibt es eine Welle der Solidarität. Freunde, Nachbarn, Leute aus nah und fern – oftmals Stammgäste im Urlaubsparadies – und auch die Feriengäste aus aller Welt, packen mit an und helfen wo sie können. Ihnen allen bietet sich ein Szenario wie aus einem Endzeitthriller.

Eine Schlammlawine von bis zu zwei Metern Höhe fegte durch die Innenstadt und riss dabei alles mit, was ihr in die Quere kam. Vor allem die Einkaufsstraße „Rua da Liberdade“ lag dabei im Epizentrum und die Geschäfte dort wurden besonders in Mitleidenschaft gezogen. Autos wurden wie Spielzeuge aufeinandergestapelt und die Spirituosen, die im Regal auf 1,5 Meter Höhe an der Bar der Cafés stehen, sind voller Schlamm. Schuhe, Kleidung, Elektronikartikel, was immer dort zum Verkauf angeboten wurde ist jetzt nur noch Müll.

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Es ist ein schwerer Schlag für einen der schönsten Flecken auf unserem Planeten. Dennoch bin ich mir sicher, dass mit Hilfe aller, die sich in dieses malerische Städtchen verliebt haben und ihren nächsten Urlaub dort verbringen werden, bald wieder alles beim Alten sein wird. Denn wenn die Behörden vergessen, dass sie ihren Bürgern dienen sollten und besonders in solchen Fällen ihre Unterstützung gefragt ist, rücken die Menschen zusammen und es entstehen spontane Hilfsaktionen die Staat, Region, Stadt oder Gemeinde ersetzen. So manch einer mag sich fragen, für was die Politiker so gut bezahlt werden, ob der Staat nur noch zum Steuern und Abgaben kassieren da ist und ob da nicht endlich was geändert werden muss.

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