Adaptierung des EU-Systems: Balten wollen Kaliningrad vom russischen Stromnetz abschneiden

Estland, Lettland und Litauen wollen ihre Stromnetze auf das europäische System umstellen. Dies birgt für die Exklave Kaliningrad Probleme, da deren Systeme damit nicht kompatibel sind.

Von Marco Maier

Die russische Exklave Kaliningrad (Königsberg) hängt über das Baltikum am russischen Stromnetz. Nun wollen die drei baltischen Republiken ihr Stromnetz vom russischen auf das europäische System umstellen. Damit könnten sie das russische Gebiet von der elektrischen Versorgung abschneiden. Der Vorgang der Systemumstellung soll Meldungen zufolge innerhalb der nächsten zehn Jahre abgeschlossen sein. Zwei elektrische Ausgleichsleitungen die Litauen mit Polen und Schweden verbinden werden, sollen schon in wenigen Monaten betriebsbereit sein und den baltischen Ländern den Anschluss an das EU-Stromnetz ermöglichen.

Da diese neuen Stromleitungen teure Umwandler benötigen um das EU-System mit dem System aus Sowjetzeiten kompatibel zu machen, wollen die Balten den Systemwechsel schnell durchziehen. Dies soll auch dazu dienen, die Abhängigkeit von der russischen Energieversorgung zu minimieren. Die estnische Europaabgeordnete Kaja Kallas von der liberalen Estnischen Reformpartei sagte dazu: "Wir wollen in keinster Weise Teil Russlands sein. Wenn wir ein Teil der Europäischen Union sind, dann sind wir ein Teil der Europäischen Union.

Derzeit sind die Energieversorgungsnetze von Estland, Lettland und Litauen mit jenen von Russland und Weißrussland synchron geschaltet. Das heißt, dass alle fünf Länder das selbe Übertragungssystem nutzen – mit der selben elektrischen Frequenz und Voltzahl. Zudem haben sie für den Fall von Störungen die selben Backup-Regeln. Auch die Exklave Kaliningrad, die zwischen Polen und Litauen liegt, ist in dieses System eingebunden.

Während der Sowjetzeit wurde das System, welches die Bezeichnung IPS/UPS trägt, erstellt und wird nach wie vor weitestgehend von Moskau aus geleitet. Die Regeln dafür wurden unter dem sogenannten BRELL-Abkommen aufgestellt und im Jahr 2001 unterzeichnet. Im Jahr 2004 traten die baltischen Staaten dann der EU bei. Die anderen ehemaligen Ostblockstaaten Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei traten bereits im Jahr 1995 der "Continental Synchronous Area" bei, die innerhalb der EU Anwendung findet.

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