Was sollte jeder einzelne wählen, wenn morgen Wahlen wären? Und wenn, sollte überhaupt gewählt werden? Tagtäglich werden wir von neuen und immer wieder anderen Umfragewerten von den staatlichen, nein, natürlich unabhängigen Presseorganen zugedröhnt, um bei Laune und auf Kurs gehalten zu werden. Um niemals zu vergessen, wer wir sind und was unsere oberste Bürgerpflicht ist: die Brötchen für unsere staatlichen Vorbeter zu verdienen.

Von Marcel Grasnick

Wenn wir die Wahl haben, dann haben wir im Grunde keine Wahl. Es ist nur die Frage an uns, in wessen Hölle wir lieber leben würden. Natürlich haben wir eine Wahl, nämlich zwischen Pest und Cholera, zwischen verarscht zu werden und richtig verarscht zu werden. Also lieber gar nicht wählen, wenn man erkannt hat, dass CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne und Linke im Grunde eine Linie fahren, mit minimalen Abwandlungen? Doch dann gibt es wieder die Stimmen, die sagen, dass, wer gar nicht wählt, seine Chance vertan hat: "Wer nicht zur Wahl geht, darf sich nicht beschweren – wer nicht die für ihn richtigen Vertreter wählt, wählt durch sein Nichtstun automatisch die Falschen. Wer also nicht dazu beiträgt, muss sich mit dem Ergebnis abfinden, das er durch seine fehlende Stimmabgabe indirekt unterstützt hat."

Das Dilemma macht ebenso wahnsinnig, dass es keine gültige Regelung gibt, nach der eine zu geringe Wahlbeteiligung die Wahl ungültig werden lässt. Wenn angenommen nur 10 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme verkaufen, dann ist das genauso legitim wie bei 50 Prozent oder mehr. Durch Wahlen können etablierte Parteien, die schon im Sumpf festgefahren sind, nicht "gestürzt" werden. Und je mehr Stimmen auf Splitterparteien aufgeteilt werden, desto mehr fühlen sich die ehemals Volksparteien genannten als Sieger, selbst mit einem Ergebnis um die 30 Prozent. Das ist unsere Demokratie, die wir leben. 30 Prozent haben ein Partei gewählt und sie haben damit die Berechtigung, die legitime durch Gesetze (ob diese legitim sind, sei dahingestellt) legitimierte Regierung zu bilden. Na wenn das kein blanker Hohn ist. Wo ist da der Mehrheitsentscheid?

Im Übrigen sei dabei erwähnt, wer sich als Politiker über fehlende Wahlbeteiligung wundert, der sollte doch mal einen Blick in den Plenarsaal werfen, wenn dieser bei einer wichtigen Debatte wie die über den Haushalt des kommenden Jahres mit geschätzt rund der Hälfte der Abgeordneten besetzt ist? Wofür sollen wir denn Abgeordnete wählen, wenn der Plenarsaal ständig halbleer ist? Oder ist das zu pessimistisch gedacht und dieser ist doch halb voll? Wenn ein Angestellter mit einer solchen Verantwortung arbeiten würde und ständig mit Abwesenheit glänzen, wie lange wird wohl eine Kündigung brauchen? Demzufolge könnte wir doch einfach die Hälfte aller Abgeordneten pauschal entlassen, kündigen – und zwar fristlos. Und damit wäre der Weg frei für Neuwahlen. Denkste.

Wäre die Alternative, die alternativen Parteien zu wählen denn die richtige Alternative? Was, wenn es genauso ausgeht wie es das Beispiel Griechenland so schön demonstriert hat? Es gibt derzeit so viele kleine Parteien. Zu viele. Selbst Pegida hat bekannt geben, nun auch eine Partei gründen zu wollen. Wenn nicht wirklich alle Bürger an einem Strang ziehen, hat keine Alternative eine reelle Chance, jemals als politisches Gegengewicht etwas zu bewirken. Je mehr Stimmen sich auf Splitterparteien verteilen, umso größer ist die Chance der etablierten Machthaber, an der Macht zu bleiben. Und je mehr Splitterparteien es gibt – umso besser für die "großen". Warum erkennen dies die Gründer dieser vielen kleinen Parteien nicht, dass, je mehr sich davon bilden, um so geringer die Chance wird, als Opposition wahr genommen zu werden, geschweige denn jemals an einer Regierung beteiligt zu werden? Es ist ein Teufelskreis, aus dem wir nicht mehr hinaus kommen. Daraus ergibt sich ein Fazit:

Loading...

Wenn Wahlen etwas ändern würden, dann hätte sich bereits etwas geändert. Die klare Frage bleibt bestehen: Wählen, ja oder nein? Wer wählen geht, hat nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, wer nicht wählt, hat nicht das Recht sich zu beschweren – nach öffentlicher Meinung. Andererseits gibt es noch die Möglichkeit, seine Stimme ungültig zu machen. Doch spielt man dabei nicht auch den großen Parteien in die Hände? Es ist wie es ist, wer die Wahl hat, hat die Qual.

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

20 thoughts on “Soll man überhaupt noch wählen gehen?”

  1. "Das Wahlrecht der Staatsbürger, ihre Wahlberechtigung, ist eine der tragenden Säulen der Demokratie und soll sicherstellen, dass die Volkssouveränität gewahrt bleibt. Das Wahlrecht gehört zu den politischen Grundrechten."  Ich habe bei Wikipedia nachgelesen und das bestätigt gefunden, was ich schon wußte. Je länger man darüber nachdenkt, desto mehr Unterschiede zur Realität muß man feststellen. Warum soll ich in diesem Drama mitmachen?

  2. Wir leben im fortgesetzten Mittelalter.
    Dieses mittelalterliche Haus wurde drei mal erschuettert..bei der franzoesischen Revolution..und beim ersten und zweiten Weltkrieg.
    Das Volk bestimmt allenfalls die Farbe dieses Hauses.

  3. Der Köng wird auch als Souverän bezeichnet. Das Demokratieverständis ist leider verfault, weil sich die Parteien schon wieder selbst ermächtigt haben mit Artikel 23 und uns mit Propaganda. Sie haben mit dem Artikel eine Scheinwelt aufgebaut, einen Verbrecherstaa, wie ihn Dr. Mabuse nicht besser hätte ersinnen können. In „Die Tausend Augen des Dr. Mabuse“ wird der Überwachungsstaat schon vorweggenommen. Der Roman ist verfilmt worden und trotz seiner Altertümlichkeit hält der Film den Zuschauer im Bann. Vielleicht gerade wegen der Alterümlichkeit.

    Der König in der Demokratie ist der Bürger. Das Grundgesetz hat das festgelegt. Politiker sind nur seine „Vertreter“. Der Bürger sollte sich das bewußt machen, damit er sich als König über sein Land fühlen kann.

    Das Verbrechersyndikat und seine Motive in den Tateinheiten sind identifizierbar!

    Ein kollabiertes Rechtssystem, wie wir es jetzt haben, hat Norbert Jaques in seiner Hierarchie des Bösen beschrieben, im Tyrannenmythus des Dr. Mabuse – und wie die Bevölkerung in Angst gehalten werden wird:

    „Die Seele der Menschen muß in ihren tiefsten Tiefen verängstigt werden – durch unerforschliche und scheinbar sinnlose Verbrechen.“

    Ohne Verfassung gibt es keinen Staat. Die Verfassung ist der Staat. Deshalb muß man sie anbeten.

    1. Natürlich soll man wählen gehen. Horst Seehofer wird meines Erachtens bei der nächsten Wahl abräumen.

      Man schaue dazu die Meldungen auf der Seite der CSU.

      1. @hope  Glauben Sie allen Ernstes, ein Seehofer macht etwas anderes als das Maul aufzureißen? Mann soll ja die "hope" nicht verlieren…. nennen Sie doch mal ein einziges Beispiel von dem Sie ableiten, dass bei ihm alles anders wäre.

      2. Seehofer ist leider nur ein Maulheld. Im Bierzelt der "Hero", ansonsten nur ein handzahmer Dackel von Frau Merkel. Nichts weiter als eine fiese Mogelpackung.

        1. aber immerhin – sich einen staatsangehörigkeitsausweis (bzw. "urkunde) ausstellen zu lassen und die souveränität wählen ist eine gar nicht mal so schlechte idee! weiter so, Hope – vielleicht wird irgendwann ja sogar aus ihnen noch ein mensch.

  4. Der Author stellt da wohl eine rhetorische Frage, die jeder der sich halbwegs im BRD-System auskennt mit „nein“ beantwortet. Hier in Hamburg werden mittlerweile Mülltonnen als Wahlurnen ( ! )benutzt, in die man seine Stimme abgeben (!) soll – mehr Volksverachtung geht wohl kaum.

  5. Toller Artikel. Perfekt dass Dilemma beschrieben, in dem jeder steckt, der sich ernstlich richtig verhalten will. Persönlich, habe ich früher den Unfug mit dem kleinerem Übel, und dem Schenken der Stimme den Falschen, mitgemacht. Zwei Bilder, lassen mich aber lockerer, das Ganze ohne Zwickmühle begreifen. Das eine ist Mac Donalds. Du stehst vor dem Menü an der Kasse, und versuchst dich richtig zu entscheiden, doch egal welches Menü du wählst, Veggie oder Chicken, dein Geld geht an Mc D., der Kick ist kurz, und satt ist anders. Das andere ist Lotto. Wie stehen die Chancen auf den Jackpot? Keine Ahnung, aber geringer als 1:80 000 000! Deine Stimme zählt nicht wirklich. Also Putin, würde ich wählen. Generell ließe ich mich sicher von einer Person beeindrucken, der man zutraut cool zu sein. Doch sollte die, bei aller Coolness, keine gefährlichen Hobbies, wie Fallschirmspringen oder schnelle Autos pflegen.
    Oder in die Badewanne steigen. Sprich, ich würde wählen, wen ich für authentisch und souverän GENUG hielte, um mich als Souverän zu repräsentieren. Unsere Souveränität, wird derzeit ausgezeichnet von Merkel verkörpert. Sie verkörpert ihren Amtsanzug ausgezeichnet.
    Ich erwische mich immer wieder dabei, Schröder nachzutrauern.
    ( Lüg nicht, du manchmal auch, jedenfalls heimlich )
    Was ich ihm hoch anrechne war, dass er es ablehnt den Kuhhirten Hut auf zu setzen, oder nach Italien zu urlauben, oder sich lieber selbst abwählte, als das Ganze auszusitzen. Wie dem auch sei, ich bin auch ein blauäugiger Balloon, und schon völlig zufrieden, wenn mein Kanzler mir das GEFÜHL gibt, als ob es was bedeutete, was er tut.
    Ich habe, da das nicht mehr der Fall ist, mein einziges Recht in Anspruch genommen, das ich in diesem System habe:
    zu konsumieren was geht.

    1. Klar geh ich wählen! Am besten als Erster kommen und die WahlURNE schütteln ob noch nicht geschummelt wurde.

      Alle durchstreichen und den Namen seines besten Freundes runtersetzen und ankreuzen.

      Wahlen in BRiD sind ungültig wie alles ungültig ist, was uns von dieser Staatssimulation umgibt. aber denen die Verbrechen leicht machen – nein.

      Seit 1990 leben wir auf einer Scheibe, die Inquisition feiert Opferfeste und die Besatzer verprassen Omas klein Häuschen….

      1. es besser zu machen ist nicht einfach. aber es geht:

        anstatt den namen des besten freundes drunterzuschreiben, mache man darauf aufmerksam, dass an den wahlen in der (noch legitimen) brd nur deutsche staatsbürger du(e)rf(t)en, jedoch nicht ein einziger der (aktuellen) wähler seine staatsbürgerschaftsurkunde mitgebracht hat. was – über die illegimität der brd mal grosszügig hinweggesehen – unabhängig vom wahlergebnis zwangsläufig in einer ungültigen wahl resultieren wird.

  6. Ich teile die Auffassung des Autors mitnichten.
    Nicht-Wählen ist der größte Fehler, den man machen kann. Das spielt den Blockparteien nur in die Hände.
    Leute, wählt die Pfui- und BähBäh-Parteien.
    Nur die Aussicht auf verlorene Mandate und verlorene Pöstchen schrecken die Blockparteien.
    Hat man schön bei den ansonsten bedeutungslosen Europawahlen gesehen.

  7. Wenn die Wahlbeteiligung unter 50% fällt, haben statistisch auch nur die Hälfte der Polizisten, der Soldaten und Staatsanwälte gewählt. Mal sehen, welcher Politiker sich dann noch sicher fühlt. In den ehemalischen „Demokratischen Republiken“ des ehemaligen Ostblocks wurde das alles schon mal durchgespielt.
    Und wer seine Stimme nicht abgegeben hat, kann noch protestieren.

  8. „Soll man überhaupt noch wählen gehen?“
    —————-

    Nein, zumindest solange nicht, bis es eine Partei gibt, die Deutsche Interessen vertritt. Denn jede echte Demokratie -in Deutschland ist das eine Demokratie-Simulation- verfügt auch über eine echte Opposition.

    Und wir haben heutzutage die ’staatstragende‘ Einheitspartei CDU/CSU-SPD-GRÜNE-Die LINKE nach DDR Muster.

    „BRD-SYSTEM“

    „Jeder Deutsche hat die Freiheit, Gesetzen zu gehorchen, denen er niemals zugestimmt hat; er darf die Erhabenheit des Grundgesetzes bewundern, dessen Geltung er nie legitimiert hat; er ist frei, Politikern zu huldigen, die kein Bürger je gewählt hat, und sie üppig zu versorgen – mit seinen Steuergeldern, über deren Verwendung er niemals befragt wurde.
    Insgesamt sind Staat und Politik in einem Zustand, von dem nur noch Berufsoptimisten oder Heuchler behaupten können, er sei aus dem Willen der Bürger hervorgegangen.“ – Hans Herbert von Arnim, Professor für öffentliches Recht und Verwaltungslehre in Speyer

    Meinungs- und Versammlungsfreiheit in der BRD:

    „Etwas mehr als 5800 Menschen wurden 1996 in Deutschland wegen ihrer Meinung verfolgt!“ – Die Welt“ vom 4.7.1997, Seite 5
    Und nein, hierbei handelt es sich nicht um Terroristen

    Rudi Dutschke als Führer der Studentenbewegung in den 60-er-Jahren, sagte:

    „Es gibt im deutschen Parlament keinen, ich wiederhole ‚keinen‘, der die Interessen des deutschen Volkes vertritt!“

    Ein Jahr nachdem Dutschke 1967 diese Ansicht öffentlich im Fernsehen vertrat, wurde ein Attentat auf ihn verübt.

    „Wenn Wahlen etwas ändern würden, dann wären sie längst verboten.“ (Berthold Brecht)

    1. eine deutsche partei, die deutsche interessen vertritt, wir in der sich mitten in deutschland festgesetzten bundesrepublik nicht zugelassen werden.

      bleibt nur noch das nein. 

  9. Danke Herr Dietrich von Bern.
    So gut hätte es der Verfasser treffen müssen.Aber er hat einen Denkfehler.
    Seine Aussage: Wer nicht wählen geht hat nicht das recht sich zu beschweren.
    Ich frage Ihn:Warum nicht?

    Ich gehe doch nicht hin um eine Tätigkeit zu machen die falsch ist.
    Aber meine kritische Meinung werde ich zu jedem Zeitpunkt äußern.
    So ist es Herr Grasnick.

    Ich glaube das schon mehr Lebenserfahrung habe wie Sie.Oder?

  10. Für mich, ist die Sache ganz einfach. Es ist schlicht nicht so wichtig. Es ist nicht so wichtig, ob du wählst, oder nicht, oder wen du wählst, wenn du wählst. Das alles ist nur eine Geste des guten Geschmackes. Viel wichtiger, ist doch, was du sonst tust! Wer ist der bessere Demokrat, der der alle 4 Jahre brav sein Kreuz, einer Partei aufbürdet, oder der, der nicht wählt, oder falsch wählt, aber fleißig seinem Abgeordnetem schreibt? Abgestimmt wird nur mit dem Geldbeutel. Wie nutzt du dein Geld, und deine Resourcen? Zeit, und Geist, und deine Stimme. Wer seine Stimme abgibt, kann sie nicht mehr erheben! Darum, wählen ist nicht wichtig, sonder sich auch als Souverän zu verstehen, und zu benehmen. Was ich den meisten Contra Lesern und Schreibern, großzügig unterstelle. Aber die Mehrheit, meint andere Sorgen zu haben, und das diese nicht mit ihrem eigenem Erkenntnisgrad und ihrem eigenem Verhalten zusammenhängen. Sie glauben die Politiker würden antreten, um sich so, oder so, verhalten zu müssen. Doch dabei treten sie an, damit wir glauben uns so, oder so, verhalten zu müssen.
    Lassen wir andere nicht mehr unsere Entscheidungen treffen! Und treffen wir nicht mehr unsere Entscheidungen für andere! Unsere Stimme, und die Wahl, haben wir das ganze Jahr, jeden Tag!
    Tod allen Tyrannen! Auch jenen der Vernunft! Ich will kein scheiß Affe mehr sein!

    1. worte, über die die "Nicht-Wählen ist der größte Fehler, den man machen kann-fraktion" mal ruhig einen kleinen tick länger nachdenken könnte. 

  11. Bei der Annahme, daß nur ca. die Hälfte der Abgeordneten bei den Sitzungen anwesend sind, handelt es sich um eine „Sinnestäuschumg“. Tatsächlich fahren fast alle mit dem Chauffeurservice vor, lassen diesen kurz warten und tragen sich in die Teilnehmerlisten ein, um sich dann gleich wieder weiter chauffieren zu lassen. Für diese Eintragung gibt es dann nämlich noch mal ca. 200 Euro Sitzungsgeld, um die man über die Parteigrenzen hinweg gerne den Steuerzahler prellt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.